Alkohol und Depression

Thema: Alkohol und Depression

  • Alkohol und Depression

    Hallo zusammen,

    nachdem ich letztes Jahr häufig krank war (Magen Darm Infektion, Schwindel) habe ich mich Anfang des Jahres um einen Platz in einer psychosomatischen Tagesklinik bemüht. Drei Wochen ging alles gut, dann wieder ein akuter Infekt, der mich *umgehauen* hat. Die Klinik hat mich daraufhin entlassen, weil man nicht länger als 3 Tage am Stück krank sein darf.

    Tja...vielleicht war es ja auch Glück im Unglück? Denn so nach und nach habe ich mich mit meiner Suchtproblematik auseinandergesetzt. Da ist viel Schamgefühl dabei und Abwehr. Deswegen hat es in besagter Klinik auch nicht *geklappt* (so meine Erkenntnis), weil Süchte dort nicht behandelt werden.

    Also zurück auf Start. Ich habe mich durchgerungen, zu einer Suchtberatung (EVA) zu gehen. Dort fühle ich mich gut aufgehoben und auch respektiert. Ich bin noch nicht soweit, dass ich sagen kann: jetzt gehe ich in eine Klinik zur Entgiftung. Davor habe ich Angst. Außerdem, vermutlich eine Illusion, denke ich, dass ich es mit dem *kontrollierten Trinken* doch noch schaffe. Alleine ist das schwer, zumal ich bis Ende des Jahres freigestellt bin und mir eine Tagesstruktur schaffen muss.

    Zur Depression: mein betreuender psychosomatischer Facharzt hat bei mir eine rezidivierende mittelschwere Depression festgestellt. Dazuhin kommt eine Agoraphobie mit Panikattacken. Ich habe jetzt viel Fachliteratur gelesen und es scheint die Frage nach *Henne und Ei* zu sein. Was war zuerst da? Hat der Alkoholkonsum die Depression ausgelöst oder entstand die Abhängigkeit aufgrund der Depression? Ich nehme keine Antidpressiva, weil das im Zusammenhang mit Alkohol gefährlich ist.

    Wer hat ähnliche Erfahrungen, z.B. mit dieser *Doppelerkrankung* mit Klinikaufenthalt, Therapie und Selbsthilfegruppen? Über einen Austausch mit euch freue ich mich.

    LG von Stefanie

  • Antwort: Alkohol und Depression

    Jede Menge Erfahrung mit "Mehrfach"-Erkrankungen hab ich auch!

    Ganz kurz mal : Anfangs Übergewicht,da stellte sich ne Eßstörung raus,die wurde in ner psychosomatischen Klinik behandelt,danach wurde ich bulimisch und bekam Flashbacks.Beim zweiten Klinikaufenthalt wieder wegen Eßstörung kam dann raus,daß ich meine ersten 15 Lebensjahre auf alle Arten schwer mißbraucht wurde,gleichzeitig rückte die Suchtproblematik und die Angst- und Panikattacken in den Vordergrund,ab und zu mal "gewürzt" von ner Depression.Schlimm war es,wenn mehreres GLEICHZEITIG da war.Das ging ein paar Jahre so,dann zeigte sich,daß ich multipel bin und ein paar Jährchen später machte ich Traumatherapie,vorher noch "schnell" nen Entzug von Tramal.Begleitend die letzten 10 Jahre ne fetzige Hormonstörung,Resorptionsstörung des Darms (bin also ständig durch übermäßiges Schwitzen,Durchfälle und mangelnde Aufnahme mit Salzen,Vitaminen,Spurenelementen etc. unterversorgt),ne fetzige Schlafstörung (25 Jahre Nachtdienst als Krankenschwester im 3-Schicht-Vollzeitdienst),die BWS ist im A****,daher ständig Schmerzen,und noch ein paar andere "Kleinigkeiten".

    Ich weiß auch nie,wer die "Henne" und wer das "Ei" ist.Ärzte sind mit mir sehr schnell überfordert,weil ich so gaaar nicht dem gängigen Schubladendenken entspreche!Und dann kommt das Multiple noch dazu,das schnell mal dazu führt,daß ein Befund kurze Zeit später unerklärlich völlig anders ausfällt,ich auf dasselbe Medikament seeehr unterschiedlich reagieren kann und nirgendwo "Muster" zu erkennen sind.

    Ich versuche nach Möglichkeit,mir mein eigener Arzt zu sein,denn von Docs werd ich schlichtweg nicht ernstgenommen.Ich erzähl da schon immer nur das Allerwichtigste und sortiere vor!Zum Glück kenn ich mich als Krankenschwester ja ein bißchen aus.

    Meine Traumatherapie mußte ich auch ambulant machen,da ich wegen dem Tramalentzug keine stationäre Traumatherapie genehmigt bekam.Nur "begleitend",aber in der Hauptsache forderte die BfA ne Langzeitentzugstherapie.Alkohol war da noch gar nicht im Spiel,was anderes auch nicht.Ich habs versucht,bin aber nach 4 Wochen halb psychotisch dort abgehauen,weil ich hauptsächlich durch Alkoholiker mißbraucht wurde und das ganze Umfeld der Klinik mich wahnsinnig triggerte.Aber ich hab dort in der Zeit die besten Tipps gekriegt,wie ich es anstellen kann,wenn ich mal auf "echte" Drogen umsteigen möchte...

    In der Traumatherapie war es dann besser.Da hatten auch die anderen "Zwickerleins" Platz,aber ich hab die Stunden lieber genutzt,um an den Traumata gezielt zu arbeiten.Die Therapie hab ich jetzt 2 Jahre hinter mir und grad gestern wieder ne Therapie angefangen.Jetzt wegen der anderen "Zwickerleins".Mal sehen...

  • Multiple Erkrankung

    Hallo Hidden,
    melde mich jetzt erst, sorry. Danke für deinen ausführlichen Bericht. Macht mir Mut, auf meinen *inneren Arzt* zu hören. Man könnte es auch gesunden Menschenverstand nennen. Das Schwierige bei Mehrfacherkranken ist halt, du schreibst es ja auch, dass mal die eine, mal die andere Symptomatik im Vordergrund steht. Wenn alles gleichzeitig passiert, wird's echt schwierig. Ich drück' dir die Daumen, dass es dir mit deiner neuen Therapie gut geht und du weiterkommst.

    Lieben Gruß
    Neuewege

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