Antwort zu Antwort: Es gibt Behinderungen die zur Behinderung werden .......
Antwort: Es gibt Behinderungen die zur Behinderung werden .......
Oja, da kann ich nachfühlen. Ich bin auch (stark)gehbehindert. Alles fing vor 25 Jahren an, als ich nach einem BSV falsch, bzw. gar nicht behandelt worden bin. Danach nahm diese Geschichte ihren Lauf. Dann kamen noch andere Faktoren wie eine seltene Krebserkrankung, Darmperforation und daraus folgen 4 BauchOPs innerhalb von 6 Wochen auf mich zu. Einige Monate später, gerade als ich dachte, ich würde es schaffen die Kraft zu finden um mein Leben wieder in den Griff zu bekommen, setzte die erste Lähmung ein.
Alles fing mit einem Fallfuß auf der rechten Seite an und es ging so weiter. Heute sieht es so aus, dass ich das rechte Bein nur noch bedingt als Stütze benutzen kann und die linke Seite auch bereits mit Fallfuß, Beinheberschwäche usw. zu kämpfen hat.
Das eigenartige ist, dass mir die Ärzte das alles schon vor 2 Jahren prophezeit haben,....naja, das ich halt irgenwann nicht mehr laufen kann. Nur helfen konnte mir auch keiner, denn die Geschichte ist so verfahren. Da sind so viele Krankheiten, dass mir keiner mehr sagen kann, was von was kommt....Die rechte Lähmung kommt zum Teil von dem riesigen Tumor in meiner Gebärmutter und den 4 Ops.....dann ist es so, dass durch diesen verbummelten BSV meine LWS die Bandscheiben abgebaut hat, so dass eine gar nicht mehr da ist und 2 andere halt höhengemindert sind und da mir vor 25 Jahren ein Arzt sagte, ich solle arbeiten gehen, er würde mich nicht krank schreiben, denn da wäre nichts. Ich sei groß, schlank, stark und gesund, also was ich ihm denn von Rückenschmerzen erzählen würde. .....Also ging ich arbeiten, ich arbeitete, ....ohne Pause,.....den ich dachte dass dann die Schmerzen verschwinden würden. ....auf jeden Fall war das falsch, denn meine WS begann sich selbst zu versteifen und baute fleißig Knochen an. Diese Knochen beschädigen Nerven, das wiederum führt zu Schäden die sich in Lähmungen äußern.
Dann ist noch die Rede von MS (naja, bewiesen ist es nicht), von HWS Schäden, ach es reicht oder?
Auf jeden Fall ist es seit 6 Wochen so, dass ich ohne Rollator nicht mehr gehen kann (gehen...lustig was man so gehen nennt). Ich dachte auch eine Welt bricht zusammen, denn ich hab mich mit Händen und Füßen gewehrt. Eine Ärztin sagte zu mir, dass mein Verhalten schon an Selbstverstümmelung grenzen würde. Ich strengte mich so sehr an, dass man mir die Lähmungen, die Schmerzen, meine Sorgen und eine Depris nicht ansah, ich quälte mich ohne Ende. Immer wieder sagte ich mir, du musst dich nur anstrengen. Allerdings darf man nicht vergessen, dass ich noch ne Krebserkrankung hatte und einen geplatzten Darm übelebt hatte ( der erst nach 3 Tagen behandelt wurde). Eigentlich stand ich neben mir und wollte das alles nicht wissen, nicht sehn und schon gar nicht erleben.
Nur es ist mein Leben. Irgendwann bemerkte ich, dass mein Mann, meine Kinder mich nicht mehr verstanden und ich stand da und wusste, ich brauche Hilfe, so konnte das alles nicht mehr gut gehen. Also begab ich mich in psyschologische Therapie .... das war meine Rettung. Dort lernte ich unheimlich viel, ich lernte mein Leben neu kennen und dort half man mir, mit diesen fortschreitenden Lähmungen zurecht zu kommen. Ich lernte auch, dass Familie nicht immer Familie ist und Mütter und Schwestern nicht immer helfen. Ich lernte, dass ich mit meinen jetzt 43 Jahren so viel gequält worden bin, dass ich ein wenig egoistisch sein darf und mir erlauben darf, möglichst nur noch Menschen um mich haben muss, die mir gut tun. Also haben mein Mann, meine Kinder und ich unser Leben umgekrempelt und ich nehm mir jetzt die Hilfe die ich brauche, auch einen Rollator. Ich kaufte mir jetzt einen tollen, modernen Rollator, der nicht so krank aussieht. Nun ja, und nun ist es auch so, dass ich einsehen muss, dass ich mich auch um einen Rollstuhl kümmern muss, denn selbst mit Rollator ist es immer noch sehr, sehr anstrengend. Aber es geht noch, nur leider nicht an schlechten Tagen. Aber ein Rollstuhl wird auch nicht mein Ende sein, NEIN,....es wird mir helfen, mein Leben leben zu können.
Das verrückte ist, dass mein Mann und ich.....ich denke, gerade durch alles was wir erlebt haben ( das war nicht alles, denn ich hatte noch so einiges an schlimmeren Erkrankungen und auch mein Mann hatte schon seinen Packen zu tragen), dass wir dadurch unser Leben anders leben und dass wir uns sehr, sehr lieben, dass unsere Kinder uns lieben und dass wir möglichst alles zusammen tun, obwohl unsere Kinder fast erwachsen sind. Wir sind eine Familie.
Und ich,....ich hab mich total verändert, ich bin Rentnerin, ...ich habe Zei...ich teile mir meine Arbeit ein...und lasse auch so einiges liegen (was ich nie konnte). Ich mache jetzt vieles, was ich nie machen konnte, weil ich nie Zeit hatte. Na klar, ich bin viel alleine....aber lieber allein, als dass ich wieder nur ausgenutzt werde. Das brauche ich nicht mehr. Ich schulde mir mehr.
Mein Leben ist nicht leicht, ....es ist anders.... es von Schmerzen und Behinderungen und Krankheiten eingeschränkt......aber es ist mein Leben.
Und ich habe ja nicht nur Krankheiten, .....ich habe gesunde Hände und einen gesunden Kopf. Ich kann so vieles tun. Und ich kann lachen,.....und ich lache noch immer gerne und viel.
Und das wünsche ich euch allen, dass ihr jeden Tag herzhaft lachen könnt.
LG Rutschie