Thema: Hallo,

  • Hallo,

    ich binneu hier weil mich das Thema Therapie interessiert.

    Persönlicher Hintergrund: ich bin stark saisonal depressiv, das geht schon seit mindestens 15 Jahren so.

    Ich helfe mir im Winter mit hochdosiertem Johanniskraut und einer 10.000 Lux-Lichtlampe.

    Bin 49 und seit 7 Jahren single, war davor 16 Jahre verheiratet und habe die Ehe zuletzt als sexuell missbräuchlich erlebt, konnte mich aber all die Jahre nicht abgrenzen. Die 7 Singlejahre jetzt sind immer mehr eine Qual ich bin nicht wirklich gerne single aber ich finde keinen passenden Partner mehr. Was mich, wenn ich diesen Gedanken nicht krampfhaft verdränge, sehr, sehr traurig macht, bis hin zur Verzweiflung. Beruflich gehts mir nicht gut, bin Freiberuflier und arm, muss einfach nur kämpfen. -

    Seit vier Jahren suche ich - saisonal geprägt, meist ab Spätsommer/Frühherbst - einen passenden Therapeuten, mit dem ich über all das, was mich belastet - und das wird immer mehr - reden kann. Im Frühling/Sommer gehts mir relativ stabil, gut zwar nicht, aber ich bin emotional einigermaßen stabil.

    Ich finde aber keinen Therapeuten. Ich habe mehrere Therapien nach wenigen Stunden abgebrochen, weil diejenigen Therapeuten entweder nicht richtig mit mir arbeiten wollten (zb. Stunden nur alle paar Wochen mal, ich brauche mehr), oder weil die Therapeuten oft schon von Anfang an regelrecht unverschämt wurden.

    Ich habe zwar im Moment eine Verhaltenstherapeutin und 25 Stunden sind auch bewilligt, davon hab ich 12 Stunden in lockerer Folge bei der Frau gehabt (seit letzten Spätherbst, die Frau fährt auch oft in Urlaub), aber ich fühle mich bei der Frau nicht wohl. Ausserdem gibt es keine regelmässigen Stunden, von "miteinander arbeiten" kann keine Rede sein. Mein wirkliches Problem, die fehlende Beziehung, das Thema blockt sie ab. Dazu habe ich im Moment wirklich den Eindruck, dass sie nicht so richtig mit mir arbeiten will. Ihr Abblocken mir gegenüber hat mich noch dazu regelrecht wütend auf sie gemacht, was ich ihr in der letzten Stunde auch gesagt habe.

    Kurz und knapp: ich hab einfach das Gefühl, die nimmt mich nicht ernst. Meine Erschöpfung nimmt sie nicht ernst, meine Depressionen nicht, einfach nichts, ich komme regelmässig, wenn ich bei ihr bin, in eine Art "Rechtfertigungsdruck", dass es mir nicht gut geht und ich überhaupt Therapie brauche.

    Von Offenheit und Vertrautheit ist da nicht mehr viel. Ich weiß nicht, ob ich das noch weiter machen soll. Im Moment gehts mir relativ stabil, da ja Frühling ist, die Sonne scheint und es warm ist, aber ich weiß, dass das so nicht bleibt. Mir graut aber auch davor, das abzubrechen und mich auf die endlose Suche nach einem neuen Therapeuten zu machen, der mich ernst nimmt. In meiner Stadt sind die Therapeuten alle überlastet. Verhaltenstherapie wäre gut für mich, oder irgendwas mit Transaktionsanalyse. Ich bin hochsensibel, damit sollte der Therapeut umgehen können (kann nicht jeder, manche sind regelrechte Grobklötze). Gesprächstherapie nach Rogers wäre auch gut, ist aber alles besetzt.

    Was würdet Ihr mir raten? Ich brauche irgendwo Hilfe, und das schon lange, aber ich finde keine.

    viele Grüße Lisa_neu

  • Antwort: Hallo,

    Hallo Lisa

    ich kann gut verstehen, dass es dir nicht leicht fällt zu einem Therapeuten Vertrauen aufzubauen,...da ist so viel passiert, was ist dir drin sitzt und dich blockiert. Du brauchst jemanden, der ganz von vorne anfängt....der dir zeigt, dass du ein toller Mensch bist, der das alles nicht verdient hat, aber der dir auch zeigt, wie du wieder Kraft finden kannst, wie du frei wirst. Dann kannst du anfangen alles zu ändern, dich zu ändern.

    Auch ich hatte das Pech, dass ich Therapeuten erleben durfte, dich mich belächelten und nicht ernst nahmen,....sie wollten sich erst gar nicht die Zeit nehmen um mich zu verstehen. Erst ging ich hier bei uns in eine Tagesklinik, aber der Supergau erlebte in einer psychologischen Reha, in die ich geschickt worden war. ..mmhh, ich will das alles jetzt nicht näher erklären, nur so viel, als ich dann nach Hause kam, war ich sooooo richtig fertig und wollte nicht mehr leben.

    Damals gab mir meine Neurologin einem Tip welchte Therapeutin ich mal versuchen sollte. Und,...ich gehe nun schon seit über 2 Jahren zu ihr. Die Frau zeigte, was ich ändern kann, aber auch was ich ändern muss um endlich enspannter in nächsten Tag gehen zu können und ohne Angst, Menschen von mir fern zu halten, die mich nur benutzen.

    Da du ja mit deiner jetzigen Therapeutin nicht zurecht kommst, sprich mit deiner Krankenkasse. ( nur noch am Rande, ich hatte damals Meldung gemacht, über diese Zustände in der Reha, bei der KK und bei der RV. Beide froh, dass ich mich überwunden hatte, ihnen dass zu erzählen, die Ärzte dort mussten dazu Stellung nehmen und ich hätte die Reha wiederholen könne, sie wurde als nicht genommen beschrieben und sie steht mir immer noch zu,....aber ich kann nicht...zu viel ist damals passiert). Auf jeden Fall sollte deine KK verstehen, dass die Therapeutin nichts bringt, sie ist ja nicht für dich da und ist oft nicht erreichbar.

    Vielleicht können sie dir sogar eine Liste mit guten Therapeuten geben. Oder versuche mal im Internet das Meinungen über Therapeuten in deiner Nähe zu finden, oder frag deinen Hausarzt oder andere behandelnde Ärzte. Bei mir war es damals mein Neurochirug, der erkannte, was die in der Reha mit mir anstellten und er sorgte für meine sofortige Entlassung und dass ich sofort nach Hause kommen sollte. Er sorgte dann mit meiner Neurologin zusammen, dass ich innerhalb von 10 Tagen einen Therapieplatz hatte. Du siehst, man bekommt Hilfe,...Eine Therapie, wo du dich nicht besser fühlst, ist nichts für dich, sie bringt nicht. Zu einem Arzt der dein gebrochenes Bein nicht heilen kann gehst du ja auch nicht mehr.

    LG Don Quichotte

  • Depressionen

    Hallo Lisa,

    für Deine Situation habe ich viel Verständnis, da es mir ähnlich ergangen ist.

    Verhaltenstherapie kann da nicht helfen, kommt mir immer vor wie eine Hundedressur, die verhindert, dass man etwas Böses anstellt. Das ist auch bei Dir ja überhaupt nicht der Fall.

    Ich hatte sehr guten Erfolg mit EMDR. Such Dir doch in Deiner Nähe einen Therapeuten aus, der damit arbeitet und versuch es damit.

    Viel Erfolg und alles Gute

    Hans-Otto

  • Hallo Ihr,

    vielen Dank!

    Der Vergleich der Verhaltenstherapie mit der Hundedressur ist lustig, aber es stimmt, Hans-Otto, genau so ist es. Meine Therapeutin meint z.Bsp., wenn ich ihr eine Situation schildere, in der ich Schwierigkeiten habe (zb.Angstattacke), ich solle das dann "so oder so machen", und ich steh dann immer unter dem Druck, es genauso, wie sie es meint, zu machen (also: Mich zu verhalten, in einer bestimmten Situation), um dann hinterher brav von ihr gelobt zu werden. Sie hat keinerlei Einfühlungsvermögen. Oft verstehe ich auch ihre Tipps nicht. Sie hat mir eine CD gebrannt mit der "Arbeit mit dem inneren Kind", die soll ich alleine, zu Hause, machen. Sie arbeitet eigentlich nicht mit mir.

    Ich fühle mich ziemlich alleine gelassen, merke ich gerade.

    Das ist keine Therapie, die an meinen Möglichkeiten arbeitet, sondern, wenn überhaupt, Dressur, finde ich.

    EMDR wird aber nicht bezahlt von den Kassen? EMDR - ich hab mich mal drüber informiert- ist aber doch eher die Methode, gezielt Traumata aufzuarbeiten? Die habe ich nicht. Ich habe eine lebenslange, fast durchgängige Depression, es gibt fast kaum einzelne Traumatasituationen, sondern "nur" diese zähe, elendigliche Traurigkeit, die mein Leben durchzieht (die natürlich aus der Kindheit kommt, ist mir klar, und an den verpassten Möglichkeiten in meinem Leben, jetzt bin ich recht alt und sehe, was alles in meinem Leben nicht mehr geht, das macht auch nicht gerade fröhlich).

    [quote]Du brauchst jemanden, der ganz von vorne anfängt....der dir zeigt, dass du ein toller Mensch bist, der das alles nicht verdient hat, aber der dir auch zeigt, wie du wieder Kraft finden kannst, wie du frei wirst. Dann kannst du anfangen alles zu ändern, dich zu ändern.[/quote]

    ja nun, dieses Gefühl hat mir nie ein Therapeut gegeben. Die haben alle versucht, mich in eine ihnen genehme Richtung zu drängen, sowas merke ich natürlich, und blocke ab. Meine Wut über die verschiedenen Therapeuten, die ich bis jetzt hatte, kam immer erst Wochen später. Ich habe mich auch schon mal über so eine Analytikerin bei der Krankenkasse beschwert; die Dame hatte dermaßen grausame Sachen zu mir gesagt, ich war bei der letzten Stunde bei der völlig vor den Kopf gestoßen und wochenlang wie "benebelt" im Kopf, was ich immer bin, wenn mir ein Mensch nicht gut tut. Leider kann ich diesen Menschen dann nie direkt sagen, dass sie mich verletzen, mir nicht gut tun, und meine üblen Gefühle und meine Wut kommen dann im Nachhinein (auch ein Kindheitserbe, dieses verzögerte Empfinden). Ich hätte gerne denjenigen Therapeuten diese Wut selbst gesagt, aber ich war dann nur noch fähig, den Kontakt abzubrechen.

    Ich verstehe deshalb gut, was du schreibst, Don Quichotte, solch eine falsche Behandlung kann einen ganz schön psychisch fertig machen; und das ist jetzt beschönigend ausgedrückt.

    Danke für den Tipp mit der Krankenkasse, ich werde also erst mal probieren, da einen Sachbearbeiter zu finden, der für mich zuständig ist (ist auch nicht einfach). Tja und dann... weiß ich auch nicht weiter. Es gibt eben viel zu wenig gute Therapeuten. Das ist eine Schande. Menschen, die körperlich krank sind, bekommen ja auch Hilfe, Menschen die unter Depressionen oder anders psychisch leiden, bekommen keine Hilfe, es sei denn, sie gehen in eine Klinik. Ich suche schon jahrelang, ich hab es satt.

    Vielen Dank Euch, Lisa_neu

  • Antwort: Hallo Lisa

    Deine Probleme sind leider schlimm. Es gibt viel zu wenig Therapeuten in D und besonders gute. In deinem Zustand, gerade jetzt, wenn du etwas gefestigt bist, würde ich dir raten eine klinik aufzusuchen. da gibt es sehr gute kliniken und da erhälst du auch einen platz in absehbarer oder kürzerer Zeit. Bist du privat versichert oder gesetzlich versichert und bist du auch nicht örtlich gebunden? Vielleicht kann ich dir ein paar Tips geben, wie auch viele Andere.

    Ich wünsche dir auf jeden fall viel kraft, Geduld und die bereitschaft dagegen anzugehen.

    LG

  • Antwort: Hallo,

    Um Gottes Willen... ich geh in keine Klinik und lass mich da ruhigstellen bzw. mit Medikamenten zustopfen! Und dann von "denen" beeinflussen, was ich in meinem Leben anders machen soll... das kommt ja einer Entmündigung gleich. Schleichende, psychische Entmündigung meine ich damit.

    Ich brauche einen Therapeuten, der mich hier, in meinem Umfeld, unterstützt, ich arbeite und muss auch arbeiten, und bin froh, mich hier einigermaßen wohl zu fühlen. Das tut aber kein Therapeut. Und/oder es gibt diese nicht. Alleine die Suche danach über Jahre ist ja schon psychische Folter, dieses immer wieder erklären müssen, was "es" denn ist, das Unverständnis des Gegenübers, und/oder Unverschämtheiten, und dann das Abgelehnt-Werden... "ich kann ihnen nicht helfen", wie oft hab ich das hören müssen. Oder das mehr-oder-weniger offene Abschieben, weil der Therapeut ja "so wenig Zeit hat".

    Ich bleibe in meinem gewohnten Umfeld und arbeite weiter. Ich hab kein Vertrauen mehr zu Psychotherapeuten und Ärzten.

    gruß Lisa

  • EMDR

    Hallöchen und nochmals zu diesem Thema,

    bei EMDR ist in der Tat das Problem, erst mal zu erkennen, ein eventuelles Trauma festzustellen.

    Kann durchaus sein, dass man sich nicht erinnert oder das es etwas ist, das lange zurückliegt und man längst ohne Nachwirkung vergessen glaubt, z.B. Erlebnisse in der Kindheit. Auch hierbei hilft der Therapeut.

    Weiter viel Glück und alles Gute!

  • Hallo

    Lisa_neu schrieb:

    "Ich brauche irgendwo Hilfe, und das schon lange, aber ich finde keine."

    Ja so geht es mir auch schon lange. Eine Therapeutensuche in näherer Umgebung (ca. 20 Km) ist ganz einfach: es gibt zu wenige, und die sind für min. 1 Jahr ausgebucht, oder machen nur privat, oder nehmen nichts mehr an. Eine stationäre Maßnahme lehnt die RV ab, die KK fühlt sich nicht zuständig.

  • Antwort: Hallo,

    Hallo Horst,

    ja, ich hatte es gelesen. Aber du klagst doch, oder?

    Ich hab bei meiner KK erst mal pro forma einen Antrag auf Kostenübernahme bei einem Therapeuten, der nicht kassenzugelassen ist, gestellt. Antwort der KK bis jetzt: Keine.

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