Arzt-Patienten-Verhältnis - oder: Gibt es die "Halbgötter in weiß" noch?

Thema: Arzt-Patienten-Verhältnis - oder: Gibt es die "Halbgötter in weiß" noch?

  • Arzt-Patienten-Verhältnis - oder: Gibt es die "Halbgötter in weiß" noch?

    Liebe Mitglieder,

    das Thema "Arzt-Patienten-Verhältnis" ist ein unendliches Thema, über das man sicherlich Bücher schreiben kann, besonders hier in einem Gesundheits-Forum.

    Jeder von uns erlebt seinen Arzt bzw. seine Ärzte anders (klar, jeder Mensch ist unterschiedlich und hat unterschiedliche Ansichten, auch Ärzte ...) und erwartet auch anderes von ihnen (genauso klar eigentlich ...).

    An dieser Stelle möchte ich zur Themeneröffnung erst einmal einen Komplex herausgreifen, den ich persönlich für sehr wichtig halte: die Aufklärung durch den Arzt vor geplanten Untersuchungen bzw. Eingriffen, also die sog. "Vorgespräche".

    Die Untersuchungsmethoden werden immer genauer und auch aufwendiger - natürlich zum Wohl des Patienten. Die modernen Diagnosemethoden ermöglichen heute Befunde, die vor einigen Jahren noch gar nicht möglich waren - zum Wohle des Patienten, denn früh erkannt lassen sich viele - auch schwere - Krankheiten noch gut behandeln.

    Gleichzeitig werden die Methoden auch immer schonender für den Patienten. Trotzdem gibt es bei allem immer noch Untersuchungen, die für den Patienten belastend bleiben und die man als Patient nur über sich ergehen läßt, wenn es nicht anders geht. - Und da wiederum gibt es auch die Möglichkeit, sich als Patient ein Medikament zur Beruhigung bzw. zum Schlafen geben zu lassen - was aber leider wiederum auch nicht von allen Praxen angeboten wird - warum ist für mich persönlich nicht nachvollziehbar ...

    Was erwartet Ihr von Eurem Arzt beim Vorgespräch vor solchen Untersuchungen, wie genau soll Eurer Meinung nach die Aufklärung bzw. Vorbereitung auf die Untersuchung sein - und wie soll hinterher die Untersuchung ablaufen, was erwartet Ihr von Arzt und Personal?

    Zorro und ich sind gespannt auf Eure Beiträge.

    LG von Eurer Vivian



  • Arzt-Patienten-Verhältnis

    Liebe Mitglieder,

    MRT - die völlig zu Recht so gefürchtete "Röhre" - aber man kann da etwas dran machen von seiten Arzt und Personal, daß es für den Patienten eben NICHT zu einer Horrorpartie wird - man muß es nur wollen ...

    Ich selbst habe zwei ganz unterschiedliche Erlebnisse dabei gehabt.

    Das erste im letzten Jahr in der Röntgenpraxis hier am Ort. Da schicken grundsätzlich alle Ärzte ihre Patienten hin, ist der "übliche Ablauf".

    Eine riesige Praxis, da läuft alles regelrecht wie "am Fließband". Aufklärung durch einen Arzt vorher - nicht doch - man bekommt einen Aufklärungsbogen und einen Fragebogen in die Hand - immerhin noch auf einem Klemmbrett als Schreibunterlage mit anhängendem Kugelschreiber (vielleicht weil man ihn sonst aus Versehen einsteckt?). Durchlesen, ausfüllen, unterschreiben - DAS war die Aufklärung vorher. Dann warten - Wartezimmer mit ein wenig Gemütlichkeit oder Ruhe ausstrahlend gibt es nicht, aufgereihte Stühle auf dem Gang vor den Kabinen. - Reingerufen - nur ganz kurze Anweisung: bitte Schmuck und alle Metallgegenstände ab ... kaum Zeit, die Anweisung wirklich auszuführen, da wurde man schon geholt - Keine weiteren Hinweise, keine beruhigenden Worte, kein Hinweis zur Dauer der Untersuchung - NICHTS!

    Nach der Untersuchung wieder anziehen, im Flur warten. Nach einer Weile kam eine Arzthelferin, drückte mir den Umschlag mit dem Befund für den Hausarzt in die Hand mit den Worten: "Auf Wiedersehen und gute Besserung!" - DAS WAR ES! - Einen Arzt habe ich überhaupt nicht zu sehen bekommen.

    Das Personal - für Freundlichkeit blieb keine Zeit. Bei einigen merkte man richtig, daß sie eigentlich wollten, aber es nicht konnten, die Zeit für den Patienten einfach nicht da ist, sie selbst unter Druck sind durch viel zu enge Terminplanungen und den Druck, die Patienten in der Zeit auch regelrecht "durchschieben" zu müssen. Extrem unfreundlich die Chefin - die Frau eines der drei Ärzte, denen die Praxis gehört. In dem Stil: Sie müssen ja hierher kommen, wir haben das Monopol, und ich bestimme hier, was passiert!

    In einem hatte die Dame sich getäuscht, es gibt hier noch eine andere Möglichkeit, man muß sie nur kennen! - Und mich haben die da nicht wiedergesehen!

    Während der letzten Wochen habe ich im örtlichen Krankenhaus zwei MRT-Untersuchungen miterlebt, die total anders gelaufen sind, eine davon bei mir selbst.

    Freundliches Personal, übersichtliche Terminplanung, vernünftige Aufklärung vorher persönlich (nicht mit einem Zettel!), Zeit zum Ausziehen, kein Gehetze, Eingehen auf den Patienten, in aller Ruhe auf den Untersuchungstisch - eine Atmosphäre, die ein "Willkommen sein" ausstrahlte. Obwohl es bei mir "nur" die Lendenwirbelsäule war, bei der man so weit in der Röhre durchgeschoben wird, daß der Kopf schon wieder etwas Luft hat und dadurch die Gefahr von Panikgefühlen wesentlich geringer ist als wenn man komplett mit nur ein paar Zentimetern dazwischen unter dem Tunnel liegt, wurde mir gleich ein Beruhigungsmittel angeboten. Daß ich es nicht genommen habe, war meine eigene Entscheidung. Und - obwohl ich NICHT sediert war - Kreislaufüberwachung während der Untersuchung durch den Fingerclip. - Und natürlich der Hinweis vor dem Reinschieben in die Röhre: Die Untersuchung wird ca. 25 Minuten dauern. - Nach der Untersuchung "Begrüßung" mit den Worten: "Alles in Ordnung? Oder haben Sie irgendwelche Probleme?"

    Danach in Ruhe anziehen, etwas warten und den Brief für den Hausarzt vom Oberarzt der Abteilung ausgeändigt bekommen. Der erklärte mir dann noch gleich den Befund deutlich und verständlich, nicht in "Mediziner-Chinesisch".

    Fazit: Wenn Ihr selbst schlechte Erfahrungen gemacht habt oder es von anderen gehört habt, schaut Euch ein wenig um, ob es noch andere Möglichkeiten gibt. Ärzte bleiben gerne bei ihrer eingefahrenen Schiene: Kollege überweist zu diesem Kollegen, der dann wieder zum anderen Kollegen usw. usw. - Sprecht Euren Arzt auf eine andere Möglichkeit an, es geht um Euch, um Euer Wohlergehen! Ihr liegt in der Röhre drin oder müßt andere Untersuchungen über Euch ergehen lassen, nicht Euer Arzt!

    Und wenn der Arzt dann zögerlich ist, dann müßt Ihr ihn überzeugen, Eurem Wunsch nachzukommen. Auch eine Arztpraxis ist heutzutage ein Wirtschaftsunternehmen, das nach kaufmännischen Gesichtspunkten geführt wird. Bei mir war es ganz einfach: Entweder MRT im Krankenhaus - oder gar keines ... Ich habe zum Glück einen sehr guten und vernünftigen Hausarzt, bei dem ich nicht lange diskutieren mußte.

    Schreibt uns doch mal, was Ihr bei so etwas mit Euren Ärzten erlebt habt, ob Ihr Euch gut aufgehoben und verstanden fühlt oder nicht ...

    LG von Eurer Vivian





  • Antwort: Arzt-Patienten-Verhältnis - oder: Gibt es die "Halbgötter in weiß" noch?

    Hallo Vian,für mich war die Röhre der reine Horror,ich hatte das gefühl nicht mehr Atmen zu können,und im Prinzip erging es mir so wie du es oben beschrieben hast,einen Arzt habe ich auch nicht gesehen,dagegen meine Tochter, und mein Sohn haben ganz andere erfahrungen gemacht, und fanden es garnicht soooo schlimm,selbst mein Mann hatte da eine eigene erfahrung allerdings durfte er in eine offene Röre dafür hat das ganze dann länger als eine Stunde gedauert,ich glaube ich wäre auch dort erstickt,jedenfalls habe ich mir vorgenommen das mach ich nicht nochmal,ichkann jeden verstehen der sagt ich mag das nicht.lg Silvia

  • Antwort: Arzt-Patienten-Verhältnis - oder: Gibt es die "Halbgötter in weiß" noch?

    Liebe Silvia, liebe Mitglieder!

    Ich kann Dich sehr gut verstehen.

    Nach dem, was ich so mitbekommen habe, ist es eher die Ausnahme, daß jemand KEINE Panik in dem engen Tunnel bekommt. Um so mehr sind Ärzte und Personal hier gefragt, etwas dagegen zu tun und dem Patienten zu helfen, indem sie zum Beispiel einfach ein Beruhigungsmittel spritzen. Die moderne Pharmaindustrie verfügt über genügend Präparate, die sehr gut verträglich sind und die Wirkung von "LMA" haben - es ist Dir dann einfach egal, wenn Du da drin liegst, es kommt alles nicht an Dich heran ...

    Man sollte immer bedenken, daß bei manchen Fragestellungen, z.B. in der Neurochirurgie oder in der Onkologie die Diagnosestellung durch ein MRT unverzichtbar ist, weil alle anderen Untersuchungsverfahren zu ungenau sind.

    Deshalb, sollte es noch einmal erforderlich sein, einfach gezielt nach einer Beruhigungsspritze fragen, wenn sie Dir nicht angeboten wird.

    Man sollte sich da nicht scheuen, sondern immer daran denken, daß es um einen selbst geht. DU liegst da drin, nicht der Arzt (sofern man den überhaupt zu sehen bekommt) oder die Arzthelferin.

    Vielleicht wäre es auch mal eine gute Maßnahme, wenn der untersuchende Arzt und sein Personal einmal selbst - nur so zu Kennenlernzwecken - eine halbe Stunde in der Röhre liegt - vielleicht würden die dann einiges anders sehen. Vielfach kennt das Personal die Röhre nur von außen ...

    LG von Eurer Vivian



  • Arzt-Patienten-Verhältnis - wie "ehrlich" sollte ein Arzt sein?

    Liebe Mitglieder,

    ich möchte unter dem "großen" Thema Arzt-Patienten-Verhältnis einmal einen ganz anderen Punkt ansprechen, der m.E. auch sehr wichtig ist - fast am wichtigsten von allen ...

    Wie "ehrlich" sollte ein Arzt zu uns sein? - Daß er uns genau über Diagnose und von ihm beabsichtigte Behandlung aufzuklären hat - und auch verständlich, nicht in "Ärztelatein" - das ist ja wohl klar. Und daß der Patient dann entscheidet, was er macht, ist eigentlich auch klar - jedenfalls sehe ich es so.

    Aber wie ist das bei sehr bedeutsamen Diagnosen, die einschneidende Veränderungen im Leben des Patienten und seiner Angehörigen auslösen? Mal angefangen bei der "harmlosen" Variante, daß "nur" eine gewisse Änderung des Lebensstils erforderlich ist, z.B. bei Diabetes oder Hypertonie - bis hin zur schlimmsten Form, der Diagnose "unheilbar"? Wollt Ihr das überhaupt so genau wissen oder lieber nicht?

    Dabei darf man nämlich einen Punkt niemals vergessen: wir beurteilen die Ärzte hierbei grundsätzlich sehr subjektiv nach dem, was wir selbst gerade von ihnen erwarten! Das ist ganz normal menschlich und nachvollziehbar. Wenn es um andere geht, ist man schnell damit, zu sagen: "Wieso hat der/die nur - das geht ja nun gar nicht ..." - Aber wenn es um einen selbst geht, sieht das schon wieder ganz anders aus ... - da bleibt die Objektivität gerne mal auf der Strecke ...

    Zorro und ich sind wirklich sehr gespannt auf Eure Beiträge hierzu!

    LG von Eurer Vivian

  • Antwort: Arzt-Patienten-Verhältnis - wie "ehrlich" sollte ein Arzt sein?

    Hallo Vivian und an Alle,

    ich finde ein Arzt sollte grundsätzlich ehrlich sein. Warum sollte man ein Arzt konsultieren, der einen anlügt bzw eine schlechte Diagnose verschönigt. Das macht doch keinen Sinn.

    Wenn man Angst vor einer schlimmen Diagnose hat, dann gehe ich nicht zum Arzt.

    Hier ein Beispiel aus meiner Familie:

    Mein Vater ( er ist leider schon lange tot, Gott hab ihn seelig ) hatte zwei Herzinfarkte und auch zwei Schlaganfälle. Beim ersten Schlaganfall sagte der Arzt im Krankenhaus zu meiner Mutter, sie müsse sich auf das Schlimmste gefaßt machen. Mein Vater würde nie mehr der Mann, der er vor dem Schlaganfall war. Zu dieser akuten Zeit konnte mein Vater kaum mehr sprechen, war halbseitig gelähmt usw. wirklich ganz schlimm. Aber es passierte nach ein paar Wochen ein Wunder, ich schiebe es auf den starken Lebenswillen von meinem Vater. Er hat sich so gut regeneriert, so dass er er fast wieder der " Alte " war.

    Nach Aussage von dem Arzt war das natürlich der große Widerspruch, um so mehr haben wir uns gefreut.

    Aber wie gesagt, ich gehe zum Arzt um die Wahrheit zu erfahren, mag sie noch so bitter sein.

    LG Biggireisen

  • Antwort: Arzt-Patienten-Verhältnis - wie "ehrlich" sollte ein Arzt sein?

    Liebe Biggi, liebe Mitglieder!

    Ich gebe Dir voll und ganz recht. Ein Arzt sollte dem Patienten gegenüber ehrlich sein, so hart die Wahrheit auch ist.

    Natürlich tut es dann weh, das ist gar keine Frage. Und an dieser Stelle sind wir dann bei einem Thema, dem m.E. sehr große Bedeutung zukommt: "Psychologie beim Patienten". Denn dabei ist der Arzt/die Ärztin gefragt, WIE er/sie es dem Patienten vermittelt, was Sache ist - ob er - um mal die beiden Extreme zu nennen - es dem Patienten einfach "hinknallt" und sich dann umdreht und geht Sehr schlecht - oder den Patienten nett, freundlich, menschlich "auffängt" sehr gut und ihn nicht einfach so mit einer schlimmen Diagnose allein läßt.

    Ein Arzt mit Erfahrung und Einfühlungsvermögen auf diesem Gebiet wird auch immer dafür sorgen, daß er ein derartiges Patienten-Gespräch in Anwesenheit von Angehörigen/Freunden des Patienten in einer ruhigen und freundlichen Atmosphäre führt und nicht mit ihm/ihr allein "zwischen Tür und Angel".

    Aber - leider - ich habe schon viel zu viele Ärzte erlebt und davon gehört, wo ich nur zu sagen kann: Wieder ein Arzt mit Psychologie 5- beim Patienten ... Sehr schlecht

    DAS ist es, was ich immer wieder bei Ärzten kritisiere - und mich damit manchmal auch schon böse unbeliebt gemacht habe ...

    LG von Eurer Vivian

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