Thema: Depressionen

Thema: Bin auch neu hier!

  • Bin auch neu hier!

    Hallo an alle, die das lesen!

    Ich bin 30 Jahre alt, weiblich - meine Freunde und Bekannte empfinden mich als glücklich und fröhlich. Aber ich habe seit über 10 Jahren traurige Gedanken - seit 2 Jahren habe ich Depressionen. Meine Arbeit macht mir das Leben nicht mehr lebenswert. Ich fühle mich seit 2 Jahren jeden Tag überfordert, habe Angst bis Panik und lasse meine dadurch schlechte und aggressive Laune an meiner Familie aus. Ich habe in den letzten Tagen viel über Depressionen gelesen und mich dazu entschlossen zu einem Arzt zu gehen und Hilfe zu suchen, da ich es allein nicht schaffe. Mein Verlobter, der mich täglich erlebt rät mir schon lange dazu. Aber erst jetzt, wo ich weiß, was ich habe traue ich mich. Ich bin aber dennoch nicht sicher, ob ich mein Leiden in Worte fassen kann, so dass mich die Ärztin versteht. (zu der ich leider kein Vertrauen habe, da ich in den letzten 2 Jahren vielleicht 2-3 mal dort war.) Ich habe Angst vor dem kommenden Dienstag und merke jetzt, wo morgen wieder die Arbeit ansteht, dass ich von Stunde zu Stunde unsicherer werde und lieber kneifen möchte. Ich habe Angst vor dem, was auf mich zukomment - ob ich überhaupt Gehör und Hilfe finde. Welche Erfahrungen habt ihr gemacht als ihr euch zum ersten Schritt entschlossen habt? Ich möchte hier sehr gern Gleichgesinnte kennenlernen und mich mit euch austauschen. Weiß langsam nicht mehr weiter. Habe auch hier weiter niemanden, außer meinem Schatz, mit dem ich darüber reden kann.

    Grüße, Bommel

  • Antwort: Bin auch neu hier!

    liebe bommel, ich finde es einfach nur toll und sehr mutig von dir, wenn du dich tatsächlich aufraffen kannst, zu einem arzt zu gehen! ich weiß nur zu gut, wie schwer diese entscheidung gefallen ist und wie schwer es noch für dich wird, es auch tatsächlich umzusetzen. aber glaub mir, so wie du es schilderst, wird es sicher das beste für dich sein, du begibst dich in ärztlich hilfe. ich an deiner stelle würde aber gut überlegen, ob ich zu meinem "normalen" hausarzt gehen würde, oder nicht doch lieber einfach gleich ins krankenhaus. denn dort haben sie einfach viel mehr erfahrung mit dieser krankheit, du wirst durchgecheckt, bekommst beratungen und womöglich wird gleich begonnen, dich auf medikamente einzustellen. bei "normalen" ärzten ist die gefahr sehr groß, dass sie einen entweder nicht so ernst nehmen (was sicher oft auch daran liegt, dass man gar nicht so offen über sein innerstes reden kann/will) und nebenbei passiert es leider nicht zu selten, dass, wenn man ernst genommen wird, einem einfach irgendwelche antidepressiva verschrieben werden und dann wirst du quasi mit dem zeug in der hand nach haus geschickt. keiner beobachtet dich, fragt nach nebenwirkungen und sieht zu, wie es dir damit geht. und das ist im kh halt doch anders und professioneller. viele haben einfach nicht das glück, sofort beim ersten mal ein passendes antidepressiva zu erwischen - zusätzlich gibt es eigentlich bei jedem medikament zuerst eine schlimme nebenwirkungszeit - alles in allem ist meine persönliche meinung vom krankenhaus die bessere... aber das wird jeder anders sehen und es kommt sicher auch darauf an, welchen arzt man erwischt...

    ich wünsch dir jedenfalls echt, dass du eine gute hilfe bekommst und dass du dann mit der zeit - und nimm dir genug und viel zeit dafür - wieder gesund werden kannst und deine dunklen jahre abschließen kannst!

    alles liebe von herzen! silvia

    http://jugend-und-depressionen.blogspot.com

    http://www.youtube.com/watch?v=m4q5zU4fWKY

  • Antwort: Bin auch neu hier!

    Hallo Silvia,

    ich danke dir sehr für deine Zeilen. Ich weiß einfach nicht weiter - der Besuch beim Arzt ist wohl mein letzter Ausweg. Meine Hausärztin ist bei uns im Krankenhaus und ihr Mann ist Psychotherapeut. Vielleicht hab ich Glück und sie erkennt die Depression besser wie andere. Aber ich weiß selbst, dass ich krank bin - nur habe ich Angst, dass ich diese Ängste und Depressionen nicht richtig mitteilen kann. Mein Freund bietet an, dass er mit ins Zimmer kommt. Meinst du es wäre der richtige Weg? Er kennt mich besser und erlebt mich mehr als irgend jemand anderes. Ich weiß es einfach nicht! Ich möchte einfach raus aus diesem Teufelskreis. Aber wie soll das bloß gehen? Der Job hat mich krank gemacht und ich komme da nicht raus ohne zu kündigen und mich allen zu erklären...was ja das schlimme bei dieser Krankheit ist. Keiner versteht es. Im Job bin ich der Sonnenschein pur vor den Kunden. Zuhause nur ein Trauerkloß, den keiner außer mein Freund sieht. Hast du einen Rat?

    lG, Bommel

  • Antwort: Bin auch neu hier!

    Hallo Bommel,

    ich habe auch Probleme bei der Arbeit. Wobei niemand bei der Arbeit denken würde, dass ich Depressionen habe. Zu gut ist die Maske, die ich jeden Tag aufsetze. Aber wenn ich abends alleine zu Hause bin, lasse ich diese Maske fallen und dann geht es mir sehr schlecht. Ich weiss, dass ich mir eine andere Arbeit suchen muss, damit es mir wieder besser geht aber das ist auch nicht so einfach.

    Im Moment weiss ich einfach nicht weiter. Die Arbeit schaffe ich nicht mehr, andererseits habe ich ein wahnsinnig schlechtes Gewissen weil ich krankgeschrieben bin. Mein Arzt raet zu einem Aufenthalt in der Tagesklinik. Aber was passiert dann mit der Arbeit? Naechste Woche habe ich ein Vorgespraech in der Tagesklinik und dann dauert es wohl noch ein paar Wochen, bis ich aufgenommen werde. Vielleicht werde ich in der Zwischenzeit wieder arbeiten. Werde mich irgendwie durchkaempfen. Obwohl ich weiss, dass das sehr schwer werden wird. Wahrscheinlich bekomme ich sowieso die Kündigung wenn ich ein paar Wochen wegen Tagesklinik ausfalle. Ach Mensch, das ist alles so schwer. Du kannst wirklich froh sein, dass dein Verlobter und deine Familie hinter dir stehen. Ich bin ganz alleine und weiss einfach nicht weiter.

    Liebe Grüsse,

    unicorn

  • Antwort: Bin auch neu hier!

    Hallo Unicorn69,

    danke für deine Zeilen. Unsere Geschichten ähneln sich sehr. Leider. Aber ich bin sicher mit der Tagesklinik sind wir auf dem richtigen Weg.

    Es tut mir leid, dass du niemanden zuhause hast, der dir Halt geben kann. Hier sind auch ganz viele liebe Menschen, die dich, wenn auch "nur" mit Worten unterstützen können. Aber es hilft wirklich am Anfang sehr.

    Bommel winkt und drückt dich!

  • Auch ich bin neu hier...

    Hallo Unicorn69,

    auch meine Geschichte aehnelt sehr der deinigen. Ich ueberlege morgen zum Arzt zu gehen und mir endlich helfen zu lassen. Die seelischen Tief's werden immer schlimmer und die Antriebslosigkeit staerker. Es faellt mir immer schwerer mich aufzuraffen und den Alltag noch zu meistern.

    Am schlimmsten ist aber das Unverstaendnis meiner Kinder und meines Partners. Er sagt immer ich solle nicht alles so schwarz sehen... Hallo, genau das ist ja mein Problem. Ich kann ja die Dinge des Lebens nicht mehr so sehen und wahrnehmen wie "gesunde" Menschen. Dadurch fuehle ich mich extrem unverstanden und nicht ernst genommen. Als ob das alles nicht schon schwer genug ist, nein, jetzt muss man auch noch den Spott ertragen. Ich bin echt am Ueberlegen mich von ihm zu trennen.

    Mit Antidepressiva habe ich auch schon Erfahrungen gesammelt. Meine Hausaerztin verschrieb sie mir. Das war echt uebel, die Nebenwirkungen waren derart schlimm, dass ich sie nach 10 Tagen wieder allein abgesetzt habe. Ich lief nur noch wie ein Zombie durch die Gegend und dabei muss ich ja jeden Tag wegen meiner "erneuten" Ausbildung mehrere Kilometer mit dem Auto zur Schule fahren. Das war absolut nicht moeglich in der Zeit.

    Das ist auch ein grosses Problem fuer mich. Ich moechte die Ausbildung gerne weiter machen und erfolgreich abschliessen, aber ich habe das Gefuehl ich kann es diesmal nicht schaffen. Ich kann die noetige Kraft die ich dafuer braeuchte einfach nicht aufbringen. Was soll ich nur machen? Wie soll es weiter gehen?

    Liebe Gruesse

    Snittem12

  • Antwort: Auch ich bin neu hier...

    Hallo Snittem12,

    es ist gut, wenn du schon den Gedanken von selbst hast zum Arzt zu gehen. Das ist es schon schlimm. Mache es einfach und rede mit deinem Arzt. Er wird dir weiterhelfen können und dir sagen, was du machen könntest. Vielleicht gibt es andere Antidepressiva, die dir besser helfen und mit denen du auch Auto fahren kannst. Oder du fährst erstmal mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Egal was, der erste Schritt ist der Gang zum Arzt. Versuche es einfach, sonst wird es nie besser, glaub mir.

    Alles Gute, Bommel

  • Antwort: Bin auch neu hier!

    Hallo Snittern12,

    ich finde auch, dass es eine gute Entscheidung ist, jetzt die Notbremse zu ziehen und zu einem Arzt zu gehen. Allerdings wäre es wohl besser, gleich einen Psychiater aufzusuchen, damit dir geeignete Medikamente verschrieben werden. Was die Antidepressiva angeht, kommt es zu Beginn der Einnahme leider fast immer zu Nebenwirkungen. Wobei das bei dir dann schon extrem war. Vielleicht bekommst du aber ein anderes Mittel verschrieben, mit dem du dann auch noch Auto fahren kannst. Es ist auf jeden Fall einen Versuch wert.

    Du sagst, dass du sehr unter dem Unverständnis deines Partners und deiner Kinder leidest. Das ging mir am Anfang auch so. Ich habe mich sehr alleine gefühlt mit dieser Krankheit. Dauernd habe ich versucht, es anderen zu erklären, wie ich mich fühle aber ich bin immer nur auf Unverständnis gestossen. Dadurch habe ich mich dann immer weiter zurückgezogen. In der Zwischenzeit habe ich allerdings eines gelernt: Wirklich verstehen, kann dich nur jemand, der auch unter Depressionen leidet. Und wie kann man erwarten, dass die Umwelt etwas versteht, was man selbst ja gar nicht zu verstehen in der Lage ist????

    Besonders wenn man Depressionen hat, sollte man keine so schwerwiegende Entscheidungen wie eine Scheidung oder Trennung fassen. Das sagen die Ärzte und es stimmt auch. Ich habe mich damals als ich die erste Depression hatte von meinem Mann getrennt und bereue das (selbst 11 Jahre später) immer noch....

    Liebe Grüsse,

    unicorn

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