Thema: Beziehungsprobleme

  • Beziehungsprobleme

    Ich bin der Guglielmo,

    ich bin 49 Jahre alt und seit einigen Jahren beinamputiert. Seit dieser Zeit habe ich Probleme Beziehungen aufzubauen. Sicherlich bin ich nicht so vorzeigbar, wie ein andere komplette Männer. Ich hinke beim Gehen, ich bin häufier ohne Prothese draußen, wenn mein Stumpf wundgescheuert ist. Jetzt im Schnee ist das Gehen auch nicht einfach, ich könnte ausrutschen und mich verletzen.

    Aber ich habe den Mut gefunden schwimmen zu gehen, auch wenn die Leute auf meinen Stumpf starren oder ich mir danach die Prothese wieder anziehe. Aber mit den Frauen gibt es immer noch Probleme intim zu werden.

    Was mache ich falsch? Warum scheuen sie sich, mit mir einbeingen, ins Bett zu gehen, die Prothese ziehe ich vorher aus.

    Ich freue mich über jede Antwort.

    Liebe Grüße Guglielmo

  • Antwort: Beziehungsprobleme

    Hallo Guglielmo,

    die Blicke von anderen Menschen sind leider normal, würde ich sagen. Sobald ein Mensch nicht "normal" aussieht oder sich vrhält, zieht er Blicke auf sich. Ich kenne es selbst. Am besten kann man in solchen Momenten den anderen Menschen sagen, das sie fragen sollen, was sie wissen wollen statt zu starren. Ich selbst habe mir sogar schon überlegt, mir ein T-Shirt extra dafür drucken zu lassen "Nicht starren sondern fragen" oder so ähnlich Gut

    Was die Beziehungen bei dir betrifft, da würde ich an deiner Stelle mit dem Auserwählten reden. Nicht sofort beim kennen lernen aber nach einer Zeit des "beschnupperns" und wenn es ernster werden soll, dann darf da ruhig mal drüber gesprochen werden. Ob es Einschränkungen gibt und wenn ja - welche, und weiteres, was dir dabei wichtig erscheint.

    Ich denke das die Personen es nicht unbedingt böse meinen, sondern eher unsicher sind, ob sie etwas falsch machen könnten. Und genau das sollte auch besprochen werden um solche Gedanken aus dem Weg zu räumen.

    Noch eine Möglichkeit wäre für dich, wenn du online oder in Zeitungen Kontaktanzeigen setzt, wo auch kurz erwähnt wird, das zwar ein Bein amputiert ist aber es dadurch (fast?) keine Einschränkungen gibt.

    Und gebe den Mut nicht auf, denn es gibt auch viele Menschen die sogar noch mehr körperliche Einschränkungen /Behinderungen haben als du und trotzdem einen Partner gefunden haben.

    Viel Erfolg und auch etwas Geduld wünsch ich dir

    LG, Poldy

  • Antwort: Beziehungsprobleme

    Hallo, Poldy,

    bisher hatte ich noch nicht den Mut, in einer Kontaktanzeige meine Beinamputation zu erwähnen, aber der Vorschlag ist gut. Das Anstarren der Leute ist wirklich lästig, es verunsichert mich auch. Kürzlich war ich ohne Prothese, auf Stützen draußen. Da fasste der Wind unter mein leeres Hosenbein und bließ es waagerecht nach vorne. 2 Frauen kreischten auf, die waren bestimmt erschrocken, aber mir war es so peinlich, dass ich auf die andere Straßenseite gegangen bin.

    Einschränkungen im täglichen Leben gibt es ja genug. Oft genug nehme ich aus Sicherheitsgründen einen Stock mit, falls ich mal ins Straucheln komme. Kürzlich bin ich an einer Bordsteinkante weggerutscht und der Länge nach hingefallen. Ein dutzend Leute wollten mir aufhelfen, ich hätte es auch alleine geschafft, ich habe mich so geschämt.

    Ich habe derzeit auch nicht die innere Freiheit, vor einer Frau mit Beinprothese auszuziehen und ihr meinen Stumpf zu präsentieren. Wahrscheinlich muß es dazu dunkel sein.

    Ich bin zur zeit nicht sehr gut drauf, aber ich bedanke mich trotzdem für deine Antwort.

    LG Guglielmo

  • Antwort: Beziehungsprobleme

    Hallo Guglielmo,

    kann es sein das du es noch nicht richtig "angenommen" hast, das dir ein Bein amputiert wurde? Du sagst, das du dich schämst. Warum??? Du bist doch - auch mit einem Bein - ein ganz normaler Mensch ! Bedenke mal bitte, das es viele andere Menschen gibt, die sogar querschnittsgelämt oder sogar entstellt sind und trotzdem eine feste Beziehung haben.

    Das man mal stolpert beim gehen, kann auch gesunden Menschen passieren ! Und die Sache mit dem Hosenbein ist auch nicht so schlimm. Wenn du dem vorbeugen willst, könntest du z.B. das Hosenbein mit einer Sicherheitsnadel unschtbar hochstecken. Es ist doch nicht schlimm, wenn man sehen kann, das ein Bein nicht mehr da ist.

    Du sagtest auch in deinem ersten Beitrag hier:

    Zitat: "Was mache ich falsch? Warum scheuen sie sich, mit mir einbeingen, ins Bett zu gehen, die Prothese ziehe ich vorher aus."

    Ich hatte das so verstanden das du selbst es akzeptiert hast und damit umgehen kannst. Scheinbar ist dem aber nicht so

    Zitat: "Ich habe derzeit auch nicht die innere Freiheit, vor einer Frau mit Beinprothese auszuziehen und ihr meinen Stumpf zu präsentieren. Wahrscheinlich muß es dazu dunkel sein."

    Ich kenne den Grund für die Amputation nicht, aber ich kann mir vorstellen das du selbst nicht dran schuld gewesen bist. Also kannst du in dem Sinne auch nichts dafür! Es gibt absolut keinen Grund dafür, sich deswegen zu schämen! Ob beim laufen, beim fallen, im Liebesleben oder sonstwo. Akzeptiere deinen Körper so wie er ist. Denn ein Bein weniger hat nichts an deinem Charakter verändert. Verhalte dich den Damen gegenüber einfach so, wie du es früher auch gemacht hast. Sei einfach du selbst. Gehe mit Selbstbewusstsein durchs Leben und du wirst eine ganz andere Ausstrahlung haben.

    Warum schreibe ich das alles ? Ein ganz alter Schulfreund meines Mannes ist damals durch einen schweren Autounfall im Rollstuhl gelandet. Er hat Anfangs auch Probleme gehabt, damit klar zu kommen. Aber er ist selbst immer weiter hoch gekommen. Er ist zuguterletzt sogar mitsamt seinem Rolli quer durch die Discothek gerollt und hat sich mit seinen Freunden getroffen. Und es hat keiner ihn ausgelacht sondern mit ihm Spaß gehabt. Er ist so auf diese Art pö a pö wieder ganz der alte geworden. Zwar mit Rolli aber trotzdem der alte sehr gut

    Nur nicht den Mut und die Lebenslust verlieren. Mit der Zeit kannst auch du das hin bekommen, lieber Guglielmo. Und scheu dich nicht, den Damen zu zeigen das du auch mit einem Bein ein vollkommen normaler Mensch bist, mit dem man viel Spaß haben kann.

    LG und ein schönes 3. Adventswochenende wünscht dir,

    Poldy

  • Antwort: Beziehungsprobleme

    Lieber Guglielmo

    beim surfen quer durch´s Internet habe ich heute zufällig etwas gefunden, was du dir mal ansehen solltest. Vielleicht ist es ein kleiner Ansporn für dich.

    www.youtube.com/watch?v=mznQld0q3p4&feature=player_detailpage

    Von dem Mann gibt es auf der selben Seite noch mehr Videos, vielleicht willst du dir die ja auch mal ansehen. Ich hoffe, das ich damit erreichen kann, das auch dur dein Handycap besser akzeptieren kannsst.

    Liebe Grüße

    Poldy

  • Antwort: Beziehungsprobleme

    Hallo, Poldy,

    das war ein guter Tipp von Dir, aber so weit bin ich noch lange nicht. Ich war am Samstag im Weihnachtstrubel und wäre auf der Rolltreppe fast nach hinten rüber gefallen. Eine Frau hat mich geistesgegenwärtig festgehalten und schlimmeres verhindert. Nachher haben wir einen Kaffee getrunken. Sie ist nicht nur sehr kräftig, ohne sie wäre ich fürchterlich gestürzt, sondern auch sehr sympathisch. Wie haben uns wieder verabredet. Meine Beinprothese stört sich nicht. Mal sehen was sich daraus ergibt.

    Vielen Dank und liebe Grüße

    Guglielmo

  • Antwort: Beziehungsprobleme

    Lieber Guglielmo,

    das Video da oben sollte für dich nicht heissen, das du sofort genau so gut zurecht kommst. Es sollte nur ein kleiner Anreiz für dich sein, weiter zu machen und nicht den Glauben an dich selbst aufzugeben.

    Was dein Treffen mit der Frau betrifft, da hat mein Daumen drücken ja sogar geholfen sehr gut Auf jeden Fall wünsche ich dir, das da mehrere Treffen von kommen und ihr - nach näherem Kennenlernen und "beschnuppern" - vielleicht sogar etwas drauf aufbauen könnt. Wünsche dir weiterhin ganz viel Glück und Erfolg dafür und auch für deine Balance!

    LG, Poldy

  • Antwort: Beziehungsprobleme

    Hallo,

    ich habe hier nun schon eine ganze Weile unbeobachtet mit verfolgt....ich bin ja nun noch um einiges jünger als Guglielmo, aber kann mich fast schon 100% in die Empfindungen hinein versetzen.

    Ich habe bereits zwei gescheiterte Beziehungen hinter mir, die erste eigentlich unmittelbar nach dem unfall und der damit verbunden Oberschenkelamputation und die 2. kurz darauf, denn der jenige betrog mich während ich in der stationären Reha war. Nach der 2. gescheiterten Beziehung war ich down, ich hab es viel mit meinem handicap in Verbindung gebracht, hab immer wieder gedacht " dich kann und wird kein Mann jemals wirklich 100% ehrlich leiben können" Dabei hatte ich beim letzen nicht einmal die Scheu den Stumpf zu zeigen.

    Aber ich muss ehrlich sagen, ich habe meine Amputation zwar in den ganzen Jahren komplett akzeptiert, aber hatte und hab noch viel eher Probleme wie es auschaut. Bei mir war das eine schwere Amputation, also nicht nur mal eben ein Bein abnehmen. Bei mir musste ja die Eigenhaut größten teils entfernt werden und neue implantiert werden.Das sieht alles andere als schön aus und wenn ich das immer sehe, kommen Gedanken wie " jeder Mann der das sieht, der ergreift doch sofort die Flucht" Automatisch ergibt sich dann die Panik auf ewig allein bleiben zu können, nie wieder lieben zu können...geliebt zu werden.

    Ich bin oft hier zuhause gesessen und hab mich zurück gezogen, keine Kontakte geknüpft, teilweise natürlich die Angst im Nacken eh nur wieder enttäuscht werden zu können. Ich war in meiner eigenen kleinen Welt, ein "draußen" gab es für mich nur zu meinen Therapien. Die erste Kertwende kam bei mir, als ich von Internetbekanntschaften zur Hochzeit eingeladen wurde. Ich habe lange mit mir gerungen dort hin zu gehen. Eine Hochzeitsfeier....das hieß viele fremde Menschen...ja richtig viele fremde Menschen die einen wahrscheinlich anstarren werden/könnten wie "Vieh auf einem Markt"

    Aber ich bin hin gegangen und das war das beste was ich machen konnte....Ich war nicht die einzige die dort im Rollstuhl herum fuhr, es gab noch einen anderen er war auch Beinamputiert und sprühte regelrecht vor Lebensfreude. Nach einigen Gesprächen mit ihm sah ich mich und mein Leben aus einem plötzlich anderen Blickwinkel, mir gab diese ganze Hochzeitsfeier einen derben Selbstbewußtseins-Kick. ich erkannte wenn ich den Menschen mit Lebensfreude und Energie und ganz viel lachen entgegen trete, diese auch mit mir völlig anders umgingen....wie mit einem vollwertigen Menschen halt.

    Aber in Hinblick auf die Liebe und der Männerwelt, da bin ich noch nicht so weit. Ich stecke gerade erst wieder in einer solchen Situation. Ich habe einen jungen Mann kennen gelernt, vor so ca. 4 Wochen. Ich bewege mich recht gern in Communitys, in meinen Profilen mache ich kein Gehimnis aus meinem Handicap,wozu denn auch, denn DAS bin nun einmal ich und mich gibt es nun mal nur so. Der junge Mann is ein Lichtblick für mich nach einigen Misserfolgen gewesen, er hatte sich mein Profil komplett durch gelesen und blieb dannach..... wir unterhielten uns über privaten Chat, er meldet sich noch immer täglich darüber bei mir. Für ihn scheint das Handicap "nur ein Bein" außenvor zu stehen. Wobei ich sagen muss, das ich auch ihm mit Willensstärke und Lebensfreude gegenüber trete. Er gefällt mir sehr, soweit ich das momentan eben sagen kann. Ich bin eigentlich sehr sehr neugierig wie er persönlich ist/sein könnte. Aber da ist dann wieder das was ich eben schon beschrieben habe....Angst...Ungewissheit....Panik das er nach einem persönlichen Treffen dann doch die Flucht ergreifen könnte.

    LG Shyanna

  • Beziehungsprobleme

    Hallo, Shyanna,

    es tut mit leid, dass ich diese Diskussion vergessen hatte, und auch dir zu antworten. Aber ich hatte eine schöne Beziehung gefunden. Es war eine Frau, 10 Jahre jünger als ich, und sie hat sich an meiner Amputation nicht gestört. Ich hatte die Behinderung fast vergessen, wenn wir guten sex hatten. Wir haben viel zusammen unternommen, sind ins Kino gegangen, regelmäßig schwimmen, was mir besonder gut getan hat.

    Aber irgendwann war es anders, wir schliefen kaum noch miteinander. Sie mäkelte an meinem Gangbild herum (ich hinke ein bißchen). Als ich an ganz heißen Tagen ohne Prothese raus wollte, also nur auf Stützen, hat sie mir eine Szene gemacht, mit so einem Krüppel ginge sie nicht auf die Straße, nicht ins Cafe. Und dann war bald Schluß. Als wenn sie aus irgend einem Grunde, aus Panik mich verlassen wollte.

    Da war ich natürlich sehr traurig, was sage ich, ich war wütend, schließlich war das alles nichts neues für sie, der Stumpf hat sie die ganze Zeit nicht gestört. Nun bin ich wieder solo, und das im Winter. Ich bin jetzt wieder in einigen Foren unterwegs, um Gesellschaft zu finden. Mein Handicap erwähne ich auch, damit ich mir und anderen keine Illusionen mache.

    Bist du denn immer noch im Rollstuhl unterwegs? Es wäre schade, wenn du keine Prothese tragen kannst. Aber du hast einen problematischen Stumpf. Bei mir ist einfach das Bein abgenommen worden, und das war die OP. Wie steht es denn mit deiner Beziehung? Habt ihr zusammengefunden? Habt ihr auch Sex gehabt? Auch das ist für mich ganz wichtig. Denn dann fühle ich wieder wie ein normaler Mann und vergesse alles andere. Nur wie empfindet das eine Frau, eine komplette, gesunde? Ich weiß es nicht mehr.

    Wenn wir nichts voneinander hören, wünsche ich dir schöne Weihnachten und ein gesundes neues Jahr.

    Liebe Grüße

    Wilhelm

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