Thema: Macht Psychotherapie erst richtig krank?

  • Macht Psychotherapie erst richtig krank?

    Ich möchte diesen Artikel hier einfach mal zur Diskussion stellen und bin sehr gespannt auf eure Ansichten dazu:

    http://www.psychotherapie.de/psychotherapie/interview/degen-rolf-sonntagszeitung-010225.html

  • Antwort: Macht Psychotherapie erst richtig krank?

    Tja ... was ich immer sage!!!Fehlende Lebenskompetenz!

  • Antwort: Macht Psychotherapie erst richtig krank?

    Hm, schwieriger Artikel.

    Ich hab auch mal gedacht, Psychotherapie würde nichts bringen, das meißte können gute Freunde bei ner Tasse Tee auch klären/bringen. Sehe ich auch heute noch so. Das meißte eben, aber sicherlich nicht alles. Als ich die schwere Depression hatte wegen den ganzen Vorkommnisse, der Traumatisierung von der ich gar nicht wusste, dass ich sie hatte (ich hab einfach weitergemacht) und dann letzen Endes ja zusammengebrochen bin, da hat mir mein soziales Umfeld leider auch nicht helfen können, da brauchte ich echt Fachkräfte zu. Damit meine ich auch medikamentöse Unterstützung und Personal, welches mehr Plan von der Erkrankung hatte, als ich, der ich ja innerlich alles ablehnte was mit Psychologie zu tun hatte.

    Die konnten einfach besser umgehen mit der Erkrankung, mich da abholen, wo ich stand und mir Hilfestellung geben, während mein Umfeld einfach überfordert war, was ja auch normal ist. Ich war mit dem ganzen Kram ja selbst überfordert.

    Mir hilft die Psychotherapie, die ich derzeit mache, allerdings sehe ich sie auch als klares Geschäft an, und ich denke, es ist wichtig, womit man die Stunden füllt, die man von der Krankenkasse bezahlt bekommt. Man muss Fortschritte erzielen sonst macht das ganze keinen Sinn. Eine persönliche Beziehung mit der Therapeutin im Sinne von „Ich brauche DICH“ habe ich nicht aufgebaut, darum geht es in der Therapie nicht, ich habe auch keine Lust da abhängig zu werden oder sie als „Mutterersatz“ zu missbrauchen, und die Therapeutin unterstützt diese Unabhängigkeit auch. Ich glaube, das das wichtig ist.

    Ich glaube aber auch, dass es Therapien gibt, die so laufen, wie im Artikel beschrieben ist. Menschen, die es genießen und brauchen im Mittelpunkt zu stehen, die sich das „Psychologische Gedenke“ antrainiert haben und alles durch eine „Psychobrille“ sehen. Ich finde man neigt auch dazu, wenn man sich damit beschäftigt. Ich glaube auch, dass es „antrainierte Erinnerungen“ gibt, also, dass man durch das „Bohren in der Kindheit“, Dinge, die erlebt wurden eine Dimension zuschreibt, die sie nicht besitzen und ich glaube auch, dass es Therapien gibt, in denen Menschen plötzlich „Erinnerungen“ haben, die erzeugt sind, d.h. sie entsprechen nicht der Realität sondern wurden „eingeimpft“. Ich finde, man sollte da kritisch bleiben.

    Und ja- gegen Faulheit und Lebensunfähigkeit gibt es keine Therapie, da muss man selbst bei.

    Das mit der Faulheit kenne ich momentan ganz gut. Ich konnte nachdem ich arbeitslos geworden bin meine innere Struktur (morgens pünktlich aufstehen, Dinge machen, etc) mehrere Jahre aufrecht erhalten- trotz der Erkrankung. Seit ca. 2 Monaten gelingt mir das nicht sonderlich gut mehr. Ich würde sagen, ich bin „faul“ geworden. Und dagegen hilft keine Therapie- da kann ich mir nur selbst helfen. Ich denke, ich werde das auch schaffen, immerhin habe ich demnächt wieder Arbeit (und das freut mich sehr!) und dadurch wird wieder eine Struktur aufgebaut. Aber letzen Endes verbleibt die Arbeit an dieser Strukturlosigkeit immer bei mir und da kann mir kein Therapeut helfen. Da muss ich mir gepflegt selber „in den Hintern treten“. Das nimmt mir keiner ab, auch die Therapeutin nicht, und dafür ist sie auch nicht da.

    Gegen Lebensinkompetenz gibt es keine Therapie- man muss sich die Lebenskompetenz selbst anarbeiten wenn man sie nicht besitzt und das geht eben auch nicht durch Therapie sondern durch den eigenen Willen, sich den Umständen zu stellen und ein Stückweit auch Dinge zu „überwinden“, die im Leben schwierig sind.

    Gegen Depressionen aber und PTBS gibt es meiner Meinung nach hilfreiche Therapien, auch gegen die Schädigung des vegetativen Nervensystems, die zumindest bei mir nachhaltiger ist als alles andere.

    Liebe Grüße!

  • Antwort: Macht Psychotherapie erst richtig krank?

    Ich glaube das kommt sehr auf den Therapeuten an. Und reine Psychoanalyse finde ich schrecklich. Man sollte nicht nur negative Dinge aus der Vergagenheit herausfinden u. in den Vordergrund stellen, sondern es gibt immer auch positives. Auch wenn man selbst nicht daran glaubt.

    Bombadil

  • Antwort: Macht Psychotherapie erst richtig krank?

    Das alte, böse Wort stimmt: Die Psychotherapie und -analyse bringt die Probleme erst hervor, die sie vorgibt zu heilen. Der Klient sieht sich negativ, weil er glaubt, irgendwelche schlimmen Dinge in seiner Kindheit erlebt zu haben. Oft sind die Erinnerungen nicht einmal real. Doch auch wenn sie es sind, haben sie keinerlei Bedeutung für die Gegenwart. Psychotherapeutisches Rumbohren verhindert den Selbstheilungsprozess. Insofern hat die Psychoindustrie nichts anzubieten, was wirksamer wäre als eine Zuckerpille.

    Also manchmal vertrete ich die oben zitierte Antwort von diesem Therapeuten. In manchen Fällen kann das auch zutreffen. Als Beispiel kann ich meine Mutter nehmen. ich denke, sie hätte, wenn sie meine Generation wäre, auch ne Therapie gemacht, weil ich in ihr auch seelische Störungen gemerkt habe. Sie hat auch manchmal Zustände, die auch auf mich zutrefffen, dass sie zb eine Sache mehrmals erzählt und wenn ich sie drauf aufmerksam mache, dass ich das schon weiß, dann wundert sie sich. Oder sie kann sich auch an viele Dinge nicht erinnern, lebt aber ihr Leben relativ gut, geht arbeiten und hat ihre Freude. Sie hat für andere Leute, die zb von Ängsten geplagt sind, immer ein offenes Ohr und hat schon vielen gegholfen.

    Ich denke, das liegt daran, dass sie ohne einen Schimmer von Psychotherapiemöglichkeiten oder Analysen, lebt. So was gab es in ihrem Umfeld nicht und sie hat es nie kennengelernt.

    Das ist so ähnlich wie wenn man sagt: es passieren mehr Kindesmissbrauch als früher. Dabei ist es statistisch erwiesen, dass Fälle von Missbrauch heute zurückgegangen sind, als noch vor 15 Jahren. Es ist bei allem die Medienpräsenz und die Zunahme dieser Themen in den Medien...

    Eine Freundin von mir weiß zb nix über ihre Kindheit und Jugend, nur, dass sie bei verschiedenen familienangehörigen gelebt hat und das auch nur über ihre Mutter. Als ich sie mal drauf ansprach, ob sie nicht mal ne Therapie machen will um rauszufinden, wie ihre Kindheit war, hat sie geantwortet: Ne, wieso auch? Es belastet mich nicht und ich bin auch nicht neugierig. Wenn ich da ran gehen würde, könnte es mir schlecht ergehen, aber mir geht es gut und ich habe ein schönes Leben...

    Da unterstütze ich es, nicht eine Therapie in Anspruch zu nehmen, allerdings, wenn man Beeinträchtigungen im Leben hat, die einen nicht mehr loslassen,d ann ist ne Therapie schon angebracht.

    Sorry, wenn ich mich nicht so toll hab ausdrücken können...

    LG Niki

  • Antwort: Macht Psychotherapie erst richtig krank?

    Hallo,

    ich finde auch, da ist was dran. Das erklärt definitiv, warum es mir vor allen in Kiliniken schlechter ging. Und ich hab sogar den Eindruck, dass es gerade bei PTBS alles schlimmer macht. In Göttingen ist es sogar auf der Traumastation verboten untereinander über die Traumen zu reden. Als es das erste Mal raus war, war es ne Erleichterung. Aber die dutzende Mal danach, nur noch widerlich Belastung. Vor allem war laaannge Zeit unklar, das es überhaupt PTBS ist, und es wurde rumgedoktort, dass man sich wie ein Versuchskanickel vorkommt. Trotzdem ist es ingesamt nach 12 Jahren besser geworden, ob allerdings durch Selbstheilungskraft oder durch Therapie? Oder vielleicht durch die Zeit?

    Bin froh, wenn ich so wenig wie möglich damit zu tun hab, allerdings alles auf Faulheit und Lebensinkompentenz zu schieben, geht mir zu weit. Ich denke, Lebenskompetenz kann man definitiv lernen. Das ist sogar meiner Meinung nach die Hauptaufgabe eines jeden, und da mangelt es gerade "ganz Normalen" dran.

    LG fakta

  • Antwort: Macht Psychotherapie erst richtig krank?

    Seh ich auch so :Lebenskompetenz ist das Wichtigste,was es zu lernen gibt!Im Leben eines jeden Menschen...Nur sind halt nicht allzu viele darin unterwegs und umso mehr versuchen sich,vor so ner Arbeit mit sich zu drücken.Und da spielt Faulheit schon ne Rolle mit!Wohlgemerkt : Ich mein hier nicht nur die Traumatisierten,sondern überhaupt die Menschen...

    Ich fand den Artikel sehr interessant,weil ich mich eh grad seit ner Weile damit auseinandersetze,ob ich nem anderen Psychotherapie überhaupt noch empfehlen kann...Was ich die letzte Zeit durch mein Ehrenamt da mitbekommen habe,hat mich doch sehr dran zweifeln lassen...

    Allerdings seh ichs nicht so "plakativ",daß das jetzt nur für die Analyse gilt,daß sie mehr Leid verursacht,als vorher da war.Ich seh da genauso auch die Verhaltenstherapeuten "mitbetroffen".Ich seh da in erster Linie überhaupt die Therapeuten und nicht die Methode,die das betrifft!

    Nu isses ja so,daß die Verantwortung für ne Therapie in letzter Instanz ja der Therapeut trägt.Also auch für die Dauer.Was aber nicht heißt,daß der Klient ein "mitlaufendes Hascherl" sein sollte - ganz im Gegenteil!Da,wo die Theras selber nicht mehr richtig wissen,wo`s wechkommt und hingeht mit ihrer Zunft,sind doch umso mehr die Klienten selber gefragt...Und überhaupt isses wie in der Medizin : Ohne die Mitarbeit des Patienten sieht jeder Arzt alt aus und ist machtlos!Und der Patient entscheidet,was gemacht wird oder nicht - geht ja schließlich um sein Leben!

    Was mir schon immer klar war : Ein Thera ist auch nur ein Mensch...sehr gut Und warum wird jemand Thera?Fragt man mal die Kinder,was sie mal werden wollen - also "Psychiater" oder "Therapeut" sagt da keins!sehr gut Heißt also,man wird sowas doch wohl eher aus persönlichen Gründen - meist wohl persönlichen Defiziten zur "Eigentherapie".War mir so auch schon ziemlich zu Anfang klar...

    Ich find da auch nix Schlimmes bei - solange sich v.a. der Thera dessen bewußt ist!sehr gut Und seine Konsequenzen draus zieht,sich bei sich selber an die Arbeit macht und sich nicht am Klienten auslebt!Daß das auch nicht grade einfach ist,kenn ich aus meiner eigenen "Zunft".Unter den Pflegekräften ist "Macht" auch ein Thema - und "Eigentherapie",nicht nur bezogen auf chemische Stoffe,auch.

    Jetzt heißt es ja immer,bei der Therapie,da heilt v.a. die Beziehung...Also,im Prinzip stimm ich dem zu - solange sich da beide Parteien auch drüber klar sind,daß das ne künstliche Beziehung ist,was Konstruiertes,und nix "Gewachsenes".Künstlich hergestellte Intimität sozusagen - und die hat ihre Tücken und Untiefen!

    Mich wundert da immer,daß so wenige Theras ihre Klienten da richtig drüber aufklären...Da wird wohl dann schnell mal eher der eigene Narzissmus kräftig bedient...

    Ich vergleich die Beziehungs-"Arten" mal mit MPS und Pseudo-DIS : MPS is was "Gewachsenes",Pseudo-DIS was Konstruiertes.Beides erfüllt auf seine Art seinen Zweck - aber nicht denselben!Ich denke mal,das sollte man zu differenzieren wissen,grade bei der therapeutischen Beziehung...

    Kommt ja schon mal auf die "Beziehungsebene" an,die man zum Thera hat.Was is sie/er denn für einen?Ersatzmama/papa,Begleiter,Heiler,Freund,Beschützer oder Erlöser?Geht man ausschließlich hin,weil es so gut tut,endlich mal wahrgenommen zu werden und im Mittelpunkt zu stehen?Oder gibts konkrete Punkte,an denen man mit sich weiterkommen möchte?

    Hat alles seine Berechtigung - nur unterscheiden sollte man es mit der Zeit!Sich Gedanken drüber machen,sich mal ne gewisse Klarheit antun damit...Sonst gehts leicht schief...

    Was ist ein Thera?Lehrer?"Heiler"?Begleiter in Notzeiten?Find ich ne interessante Frage...Würd mich v.a. mal interessieren,als was sich die Theras denn selber verstehen...sehr gut

    Bei nem Arzt oder ner Krankenschwester ist das besser umrissen,zu welchem Zweck man die aufsucht.Da gibts dann auch nicht mehr ganz so viele Mißverständnisse...

    Und wenn ich mal die Medizin hernehme...Da gibt es ja auch Zweige und Bereiche,die heftig umstritten sind.Oder überbewertet...Wenn ich jetzt mal hergehe und frecherweise die Psychoanalyse oder auch die Tiefenpsychologie (is ja nu nich sooooo weit von weg...) mit der Chrurgie in der Medizin vergleiche,dann wirds ein bissl klarer,was ich meine : "Überflüssig" ist die Chirurgie bestimmt nicht!Aber sie hat immer weitreichende Folgen - mit unklarem Ausmaß für die Betroffenen.

    Nicht immer ist gleich "Schneiden" oder gar ein massiver Eingriff nötig in der Chirurgie - oft genug gehts ganz ohne Schnitt.Die Chirurgen selber sind da natürlich aber ganz anderer Meinung!sehr gut

    Und die Selbstheilungskräfte aktiviert die Chirurgie nun auch nicht besonders - mal abgesehen vom Überlebenstrieb...sehr gut

    Aber Chirurgen halten sich dennoch meist für die "Krönung" der Ärzteschaft.sehr gut Fallen mir spontan als Analogie die Psychiater und Analytiker ein...sehr gut

    Die Chirurgie wird da optimal eingesetzt,wo sie "ganzheitlich" mit den anderen Zweigen der Medizin zusammenarbeitet - mal ein bissl runter vom "hohen Roß" des eigenen Narzissmus`...sehr gut

    So ähnlich seh ich das mit der Psychotherapie und da v.a. mit der Analyse auch...

  • Antwort: Macht Psychotherapie erst richtig krank?

    sehr gut sehr gut sehr gut

  • Antwort: Macht Psychotherapie erst richtig krank?

    ...Heißt also,man wird sowas doch wohl eher aus persönlichen Gründen - meist wohl persönlichen Defiziten zur "Eigentherapie".War mir so auch schon ziemlich zu Anfang klar...

    und ich dachte immer, sie werden erst durch ihre Arbeit SO sehr gut)

  • Antwort: Macht Psychotherapie erst richtig krank?

    Die verstärkt es dann wahrscheinlich noch...sehr gut

    Nee,ich sag mal so : Ich kenne auch andere!sehr gut Bin sogar mit dreien von der Sorte befreundet!Und das sind "ganz normale" Menschen,haben halt auch so ihre "Hasch-michs"...sehr gut

    Aber ich kenne halt auch Ärzte - und auch Pflegekräfte - die gerne mal an ihrem Job mehr so die Macht und das "Gefälle" auskosten,als daß der Patient mit seinen Belangen da groß im Mittelpunkt stehen würde...Und "gschpinnerte Doktern" kenn ich auch ne ganze Reihe!sehr gut

    Is also nich nur auf die Psycho-Leute begrenzt,das Problem...sehr gut

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