Seit 10 Jahren "magersüchtig"!

Thema: Seit 10 Jahren "magersüchtig"!

  • Seit 10 Jahren "magersüchtig"!

    Ich bin seit 10 Jahren magersüchtig. Wie es angefangen hat ist jetzt nicht so wichtig, aber das Problem ist, daß ich mitten in der Magersucht bin und da einfach nicht mehr rauskomme. Ich fühle mich in meinem dünnen Körper so wohl und ich hab schreckliche Angst vor dem Zunehmen. Aber andererseits ist mir dieses Leben mit der Magersucht auch schon so zuwider, dieses ständige sich Kontrollieren und hungern, wenn man gesündigt hat. Ich hab schon jahrelange, ambulante Psychotherapie und auch drei Kliniken für Eßgestörte hinter mir und das nur mit geringem Erfolg. Ich hab meine Kindheit aufgerollt, meine Waage weggeworfen, esse jetzt mittlerweile drei mal am Tag geringe Essensmengen usw. Es liegt mir am Herzen, daß von mir mühsam erarbeitete auch an andere Betroffene weiterzugeben und anderen zu helfen wo es mir möglich ist. Aber ich brauche auch Euren Rat und Hilfe wie ich aus der Magersucht herauskommen kann. Ich steh nämlich mittlerweile total an. Ich schau mich in den Spiegel und find mich, obwohl ich dünn bin immer noch zu dick. Wie kann ich diese Magersucht überwinden? Ich suche Betroffene die mir weiterhelfen können oder die es schon geschafft haben aus der Magersucht auszusteigen.

  • Antwort: Seit 10 Jahren "magersüchtig"!

    Hallo, also ich habe denke ich das Schlimmste überstanden. Ich kann dir eigentlich nur sagen, dass ich irgendwann an den Punkt gelangt bin, an dem ich mir einfach wichtig wurde. Ich wollte wieder leben und das Leben genießen, ohne diese verfluchte Angst und das ständige Nachdenken, was ich essen kann und was nicht. Was mir persönlich geholfen hat, war weder eine Klinik, noch ein Therapeut, das sind alles nur Hilfsmittel, die du entweder nutzen kannst, oder anschließend genauso weitermachst wie vorher. Ich habe mich nach 5 Klinikaufenthalten dazu entschieden mein Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen und mit jedem Tag an dem ich mehr Selbstständigkeit erreichte ging es mir besser. Die Angst war zwar immer da, aber ich habe sie so gut es geht ausgeblendet und mir immer wieder gesagt "mir passiert nichts schlimmes". Ja und nun bin ich seit gut 4 Jahren im Normalgewichtsbereich und bekomme eigentlich nur positves Feedback. Aber eins kann ich dir auch sagen, die Tatsache sich als zu dick und eklig zu empfinden, die kann man nicht so schnell ablegen. Ich bin heute noch in Therapie, aber fest entschlossen auch das in den Griff zu bekommen.

    Ich hoffe ich konnte dir ein wenig helfen.

    lg

  • Antwort: Seit 10 Jahren "magersüchtig"!

    Hallo!

    Tut mir leid, daß ich mich erst jetzt melde, aber ich bin neu hier und ich kenn mich noch nicht so besonders gut hier aus. Ich danke Dir für Deine Zeilen. Sie haben mir wieder Hoffnung gemacht. Weißt Du, ich suche schon seit so langer Zeit nach Betroffenen wie Dir, die es aus der Magersucht geschafft haben. Du bist jetzt die erste die mir sagt, daß es doch einen Weg aus dieser Krankheit gibt. Für mich hört sich das noch sehr schwer und unvorstellbar an, aber ich weiß von was Du redest und was für ein Gefühl es sein muß endlich wieder zu "leben".

    Ich hoffe so sehr, daß ich es auch bald einmal schaffen werde.

    Herzliche Grüße

    Monice

  • Die Weichen neu stellen

    "Wie es angefangen hat ist jetzt nicht so wichtig, aber das Problem ist, daß ich mitten in der Magersucht bin und da einfach nicht mehr rauskomme."

    Da bist Du zu 100% im Irrtum.

    Wenn ich nach "Gutgehhausen" will und in München in den Zug nach "Magerstadt" einsteige, dann ist das Kernproblem, das ich habe, das ich vom ersten Augenblick
    a) auf dem verkehrten Gleis unterwegs bin und dabei
    b) von "Gutgehhausen" immer weiter weg und
    c) immer weiter ganz woranders hin komme.
    Indem Du mit einer Phrase husch, husch drüber weghuscht statt genau hinzuschauen, schaffst Du Dir zu dem einen Problem a) gleich noch zwei neue b) und c) dazu. Und das merkst Du gar nicht und verausgabst für diesen, von Dir selbst verursachten Fehler immer mehr Deine Kräfte.

    Das Problem ist also nicht, dass Du mitten in der Magersucht bist. Das Problem ist, dass Du mit Deiner eigenen Wirklichkeit grob fahrlässig umgehst, überhaupt nicht auf Dich achtest und viel zu schnell mit unbedachten Phrasen Dir Stress bereitest und Deine Kräfte erschöpfst. Ich finde, das haben Deine - doch recht beachtlichen - Talente, die Du für die Lösung Deiner Probleme hast aber gar nicht beachtest, nicht verdient.

    Ich gehe als Ich-kann-Schule-Lehrer an die Lösung der Probleme heran. Dazu gehört
    a) zuerst eine sorgfältige Beobachtung und
    b) eine Hinterfragung aller üblichen Schablonen und
    c) das mit seinen Kräften und Talenten ins Gespräch Kommen. Für Letzteres ist die Autosuggestion in der hohen Qualität von E.Coué ein praxisbewährter, einfacher und wirksamer Einstieg. So wie im Bahnhof die Weichen neu gestellt werden müssen, wenn der Mensch an ein anderes Ziel fahren will, so kannst Du das auch in Dir drin machen, ganz einfach geistig.

    Ich freue mich auf Deinen Erfolg, er ist ganz sicher möglich.

    Franz Josef Neffe

  • Antwort: Seit 10 Jahren "magersüchtig"!

    Hallo!

    Ich habe deine Nachricht mit großem Neid gelesen. Ich bin nun seit 10 Jahren damit beschäftigt, wieder in ein 'normales' Verhältnis mit meinem Körper zu kommen und wieder einfach Essen zu können ohne den doofen Überlegungen. Mit 16 war ich in stationärer Behandlung und danach, bis jetzt in ambulanter Therapie. Ich schaffe es nicht, den Kreislauf der Kontrolle zu durchbrechen. Das was du geschrieben hast, dass du dir selber wieder wichtig bist und das Essen genießt, finde ich großartig. Ich muss gestehen, dass ich sehr gerne koche und auch esse, nur habe ich so Rituale, die mich blockieren. Dass ich mehr essen müsste, um zuzunehmen ist mir natürlich klar, aber da spielt meine Psyche nicht mit. Geht es mir nicht gut oder finde ich mich nicht schön, dann esse ich zu wenig oder treibe mehr Sport. Bleibe somit einfach auf meinem Gewicht stehen, was definitiv zu wenig ist.

    Kanntest du das Gefühl auch, dass du durch die Magersucht (für dich) etwas besonderes bist. Ich gelte immer als die hübsche Zierliche, die alles Essen kann und nicht zunimmt. Das ist ein schönes Gefühl - manchmal! Doch ist es nicht schön, wenn man sich kasteit und hungert obwohl man dieses Gefühl hast, weil man dieses Gefühl soooo lange extra ertragen hat.

    Wie hast du den Schritt geschafft, zu esse, ohne doofe Gedanken zu haben? Oder besser: ohne Angst zu haben, dass du dir nicht mehr gefällst? Etwas verlierst?

    Ich wäre dir soooo dankbar, wenn du mir antwortest.

    Sehr schlecht*

  • Antwort: Seit 10 Jahren "magersüchtig"!

    Hallo,

    auch ich bin heute wieder in der Realität meiner Esstörung angekommen. Ich dachte meinen langen Weg aus der Essstörung heraus weiter so gut gehen zu können. Doch es geht rückwärts. Ich kämpfte nicht alleine aber ich kämpfte um ein gutes Gewicht zu erreichen. Ich wollte weiter kämpfen und doch mein täglicher Kampf das Gewicht zu halten, funktioniert nicht, weil es rückwärts geht. Was ist das für eine Krankheit. Ich will sie loswerden aber sie lässt mich nicht los. Mal ist sie ganz bewusst da und dann wieder so im Hintergrund das man sie nicht merkt.

    Glaube mir ich kenne das Gefühl etwas, was einem vertraut ist zu verlieren. Ich war 6 Monate in München in einer therapeutischen Wohngruppe für Essgestörte. Ich nahm zu, aber nur weil ich vertrauen in das Team hatte. Langsam hat sich mein Fokus verändert. Ich habe Freunde gefunden. Ich war nie alleine und ich konnte mein Selbstwertgefühl aufbauen. Nun bin ich wieder in den alten Strukturen und es geht schief. Ich kaufte mir gestern eine Jacke in der Größe S. Eigentlich viel zu eng. Doch ich mag das enge. Dabei mag ich anscheind nur das herumlaufen, mit einer so engen Jacke um allen zu zeigen was hab ich für eine tolle Figur. Und doch möchte ich stark sein dem Ideal eines Mannes entsprechen. Ich weiß nicht einmal mehr was dem Ideal entspricht.

    Das Gefühl etwas besonderes zu sein, kenne ich auch. Wer geht schon im Sommer mit Strickjacke umher. Mir war aber kalt und dadurch war ich etwas besonders. Alle schauten mich an. Doch das was ich damit erreichen wollte, blieb aus. Wahrscheinlich Mitleid. Angesprochen werden, die verdammte Einsammkeit überwinden. Nichts, und doch fühlte ich mich gut. Gut weil ich etwas tat was andere "normale" nie erreichen würden. Hungern, ganz bewusst mich so kontrollieren, da muss doch jeder auf mich stolz sein. Aber gesagt hat es mir niemand. Ich kann heute nur vermuten, das alle die mich damals gesehen haben, sich von mir abgewandt haben, weil ich sehr krank ausgesehen habe. Verstanden habe ich dieses aber alles nicht. Heute wo ich vieles verstehe, fällt es dennoch schwer dagegen anzukämpfen.

    Ich gebe nicht auf. Ich lasse es nicht zu, das diese sch** Essstörung mich kaput bekommt. Und wenn ich noch so viel leiden werde, ich kämpfe und mit jeden Erfolg werde ich auch stärker.

    Aber es kostet so verdammt viel Kraft und keiner kann mir sagen, ob ich diese Kraft immer haben werde!

    Würde mich freuen, hier mit euch auszutauschen.

    Micha

  • Antwort: Seit 10 Jahren "magersüchtig"!

    Hallo!

    Irgendwie hast du mir gerade total klar gemacht, dass nicht nur ich alleine diesen unerbittlichen Kampf aus der Magersucht kämpfen müssen. Klar sehe ich oft Mädchen/junge Frauen, die sehr dünn sind und man auf den ersten Blick sieht, dass sie eine Essstörung haben. Doch diese Phase der Essstörung erkennt man ja nicht unmittelbar. Doch trotzdem sind sie in der selben Situation wie ich und du. Und das macht mich zwar hoffend und es ist schön zu wissen, dass man damit nicht alleine ist. Doch macht es mich auch traurig, weil man somit sieht, was diese Krankheit (die man sich ja nicht bewusst sucht) anrichtet und mit dem Kopf macht. Auch stimmt es mich immer etwas hoffnungslos…

    Bei mir ist es nicht einmal, dass ich äußerlich besonders auffallen will, sondern ich fühle mich derzeit (ich hatte gesundheitlich eine kleine Gewichtsabnahme) wohler und schaffe es, mich auch gelegentlich zu betrachten oder anzufassen, was ich seit der Klinik nicht mehr gemacht habe oder mich nicht traue. Weil ich immer Angst hatte etwas zu finden, was mir nicht gefällt. Ich kann mich so akzeptieren und weiß aber gleichzeitig, dass ich mit einer Zunahme wieder in das unwohle Gefühl steuere. Denn so erging es mir nach der Klinik. Ich fühlte mich wohl, wenn es mir gut ging und kaum war ich mit etwas nicht zufrieden, fühlte mich einsam oder in meiner Familie gab es Knatsch, hasste ich meinen Körper.

    Selber sehe ich nicht, dass ich dünner bin, als andere. Nur merke ich es, wenn ich shoppen gehe und mir Hosen in 34 oder manche Shirts in 32 nicht richtig passen. Dann bin ich traurig und deprimiert und will etwas ändern. Doch dann greift der gleiche Mechanismus wie nach der Klinik. So ungefähr wie bei dir. Es fühlte sich nicht so an, als hätte man es für sich getan!!!!

    Auch habe ich mein Essen am Tag auf drei Hauptmahlzeiten beschränkt und schaffe es nicht, dazwischen etwas zu essen und vielleicht den enormen Hunger zu stillen. Da kommt die Angst, ich könnte zu viel essen und dann zunehmen. Ich esse sehr gerne und koche auch gerne, doch diesen Schritt, eine Zwischenmahlzeit zu essen und vielleicht die Hauptmahlzeit etwas zu minimieren, gelingt mit meinem blöd-denken nicht. Das ist, was mich derzeit fertig macht. Ich leide sehr darunter, dass ich so oft Hunger spüren muss. Aber ich schaffe diesen Schritt einfach nicht.

    Wie du so schön sagst, ich kämpfe auch weiter!!!!

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