Klinikaufenthalt, was habt ihr so mitgenommen

Thema: Depressionen

Thema: Klinikaufenthalt, was habt ihr so mitgenommen

  • Klinikaufenthalt, was habt ihr so mitgenommen

    Hallo, war letztens für Knapp 2 Monate im Stationären und Tagesklinikbereich, habe einiges gelernt und wollte euch auch mal fragen was ihr so für Erfahrungen gesammelt habt, besonders die euch auch hinterher weitergeholfen haben.

    Für mich waren besonders die Psychotherapiegruppen und die Körperwahrnehnungsgruppen gut.In den Psychotherapiegruppen habe ich auch erfahren das es viele Menschen gibt denen es ähnlich geht, was schonmal trost ist und so fällt es einem leichter mit seinen Problemen umzugehen.

    Ein Satz der mir auch noch gut in Erinnerung geblieben ist, das man doch an seine Stärken denken soll, besonders wenn es einem nicht so gut geht und man niedergeschlagen ist.

    Lg, Roman

  • Antwort: Klinikaufenthalt, was habt ihr so mitgenommen

    Hallo roman26,

    es ist ein Trost, wenn man weiß, dass es anderen auch nicht gut geht. Das ist etwas Positives, wenn man mit Betroffenen zusammen kommt, z. B. in Selbsthilfegruppen oder wenn im Krankenhaus die Gruppentherapie betrieben wird (gegenüber den Einzeltherapie).

    Als ich das Krankenhaus am letzten Tag verlassen habe, gab es das Abschlussgespräch, wo gesagt worden ist, was ich mitnehmen sollte. Eine Sache davon war, dass ich mir die Frage schon vorab stellen musste: Was macht mir Spaß, was mache ich in meiner Freizeit? und dem dann auch nachgehe. Denn es ist so, dass das, was man in seiner Freizeit macht, sich positiv und ausgleichend äußert. Das, was für einem belastend ist, nimmt man dann leichter. Das ist etwas, was man vielen mit auf dem Weg gibt.

    lg, Nina-Nicole

  • Antwort: Klinikaufenthalt, was habt ihr so mitgenommen

    Hallo roman26!

    Ich glaube, dass da jeder unterschiedlich Erfahrungen hat, und vielleicht nimmt der eine oder andere was für sich mit. Manche aber auch gar nichts.

    Ich gehöre zu der Kategorie Spätmerker. Nach meinem ersten Aufenthalt (2007) bin ich vollgestopft mit theoretischem Wissen über Depression, ihre Entstehung sowie Früherkennungssymptome und Verhalten bzw. Notfallköfferchen (Psychiater, Psychotherapeut usw.) entlassen worden. Trotzdem habe ich null mitbekommen, als es ein halbes Jahr später wieder losging. Es lag an mir, weil ich dachte Klinik zu Ende, also gesund. Trotz der guten Informationen habe ich gar nicht verstanden oder vielleicht auch nicht ernstgenommen, dass ich ernstlich krank war.

    Der zweite Aufenthalt begann erstmal auf der Intensivstation...mehr muss ich dazu wohl nicht sagen. 8 Wochen war ich stationär und musste alles nochmal von vorne lernen. Aber auch diesmal habe ich nicht auf meinen Körper gehört, der mir deutlich signalisierte, dass es so nicht weitergeht. Ich habe weitergemacht, wie vorher. Anderen konnte ich auf Station tolle Tipps geben, aber um mich habe ich mich nicht gekümmert. So ging das Leben "lustig" weiter und an mir vorbei. Es folgte ein 3/4 Jahr später, was folgen musste...

    Mein dritter Aufenthalt, ich kann mich kaum daran erinnern, ich glaube, dass ich 4 Monate dort war. Es wurde gerätselt, Medikamente wurden ausgetauscht, Gespräche geführt und ich hörte nicht mehr zu. Ich stellte mir nur noch die Frage, wie es weitergehen sollte. Und ich fragte mich ernsthaft, ob ich überhaupt noch weitergehen wollte. Lange Zeit habe ich mich versteckt, in meinem Sumpf gehockt und in lichten Momenten gehofft, das eine Briese aufkäme und die Depression mitnähme, in nicht so tollen Momenten war es mir egal. Als ich entlassen wurde habe ich mir vorgenommen auf mich acht zu geben und in Ruhe in das Leben hier draußen einzusteigen. Anstatt das durchzuziehen, habe ich mich um andere gekümmert, den bekannten Finger gereicht und die ganze Hand abgenommen bekommen. Aber diesmal war ich ein bisschen klüger und habe den den Absprung vor dem S***** geschafft.

    Währen meines vierten Aufenthaltes habe ich gelernt mich von Problemen anderer zu distanzieren, eben nicht mehr Gesprächspartner für alle zu sein. Ich habe gelernt, auf mich zu achten und die Krankheit anzunehmen (ich habe eine rezidiviernde Depression). Ich habe gelernt mich wie ein zartes Pflänzchen zu behandeln. Ich habe bis heute meine Konzentrationsstörung nicht überwunden. Ich kann erst seit ca. 1,5 Jahren wieder Bücher lesen, allerdings nur Krimis, für anspruchsvollere Lieratur fehlt mir eben das Konzentrationsvermögen. Ich muss alles langsam, Schritt für Schritt, machen. Ich kann nicht sagen, so, heute putze ich das Badezimmer, dann erledige ich die Post, fahre noch schnell einkaufen und bereite mich für den morgigen Tag vor. Ich kann immer nur Teilschritte gehen und ich ermüde sehr schnell.

    Manchmal glaube ich, dass ich die Depression verschleppt habe, wie z.B. eine Grippe. Gibt es das überhaupt? Aber ich mache weiter, achte auf mich und lausche auf Frühsymptome ohne dabei zu vergessen, dass jeder mal einen schlechten Tag hat. Wenn es mir nicht gut geht versuche ich das zuzulassen. Ich erlaube mir also mich schlecht zu fühlen.

    Ich musste gewisse Bekannte aus meinem "Telefonbuch" streichen. Das waren Menschen, die mir Energie entzogen haben, die mich immer noch als Stütze wollten. Einer "stalkert" noch immer hinter mir her. Ich brauche aber meine Kraft für mich!

    Das ist so ungefähr das, was ich gelernt habe....aber auch viel mehr.

    LG, manqué

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