Thema: pro ana Foren

  • Antwort: pro ana Foren

    @Totti

    Genau wie der Brief - aus einem Zusammenhang herausgerissen - genau so lesen sich diese Gebote: in der Tat schrecklich.

    Mir geht es darum, - wie Daydream es schon sagte: Dieses sind bereits i h r e Gebote, längst bevor sie jemals in pro ana hineingeschaut haben - und ich bin sicher, betroffene Jugendliche können diese Liste ihrer "Gebote" noch um ein zigfaches ergänzen - um Gedanken, die sich durch die Krankheit zu "Geboten" entwickeln, auswachsen, eingravieren.

    Die diese Sucht, dieser Zwang hervorrufen. Sie sind sinnbildlich gemeint dafür, was sich im Kopf der Betroffenen abspielt - sie schleichen sich mit der Krankheit ein und prägen das (Ess-)Verhalten immer mehr im Verlauf der Erkrankung.

    Ich empfände es sicher ebenfalls als Verbrechen, würde jemand jungen Menschen solche Dinge einflößen - um sie damit in die Krankheit zu bringen.

    Diese Erkrankung hat überwiegend gesellschaftliche Ursprünge und, wie schon erwähnt wurde entspringt sie viel dem "Schönheitsideal", wie die Medien und auch nicht wenige Menschen es vermitteln. Permanenter Druck von außen - da läge ein Grundstein zum diskutieren - wenn die armen Geschöpfe in Foren landen, welche auch immer - ist es eh schon 5 vor 12.

    Und Foren bergen alle so ihre Gefahren - weil ich nie weiß, mit wem unterhalte ich mich da wirklich per Tastatur. Dann müssten sie generell verboten werden.

    Lasst Euch in Eurer Diskussion nicht stören, lieber Totti. Dies ist lediglich meine Meinung - musst Du nicht übernehmen und kein anderer ebenfalls. Denn jede Medaille hat mind. 2 Seiten, von der man sie beleuchten kann und viele weitere verschiedene Perspektiven.

    Gruß



  • Antwort: pro ana Foren

    Ich finde den Austausch sehr spannend, denn gerade die zwei Seiten der Medaille ermöglichen uns ja hier die Diskussion. Es ist sehr interessant, dass Du sagst, die Gebote geben einem Außenstehenden einen Eindruck von dem, was in den Betroffenen vorgeht. Diesbezüglich sind die Gebote vielleicht sogar hilfreich, da sie Helfenden Anhaltspunkte liefern können.

    Andererseits sehe ich das ähnlich wie bei der Henne-und-das-Ei-Diskussion: Was war zu erst da? Du sagts ja selbst, dass die Magersucht ein durch die Gesellschaft gemachtes Problem sei. Das sehe ich aus so, die ständige Präsentation eines "produzierten" Schönheitsideals ist die Hauptursache. Ich denke nur nicht, dass man die Existenz des 10 pro-ana-Gebote davon trennen kann. Die Magersucht ist ja keine Erkrankung, die auf einmal da ist und dann voll ausgeprägt, sondern ein fließender Prozess. Trifft nun eine Person, die sich gerade in diesem Prozess befindet, also auf dem Wege zu einer "kompletten" Magersucht ist, auf diese Gebote, dann meine ich, dass die 10 Gebote gefährlich sein können. Die Person wird sich mit Online-Freunden identifizieren, seine eigenen Gebote durch die 10 Gebote erweitern oder verschärfen und so weiter in den Strudel der Magersucht geraten.

    Die ursprünglich Frage war ja mal, ob solche Foren verboten sein sollten. Die Frage ist dabei ja auch, wie hoch man die Gefährdung solcher Foren einschätzt.

  • Antwort: pro ana Foren

    ich denke nicht dass irgendjemand durch das durchlesen von geboten, ana's brief etc krank werden kann.

    wieso solche foren verbieten? dann müsste man genauso jedes andere abnehm-forum verbieten, und genauso die "ach so tollen" selbsthilfe foren wie zb abserver!

  • Antwort: pro ana Foren

    Hallo Totti,

    meine Meinung zu Foren allgemein: Für kranke Menschen, besonders die mit jenen Erkrankungen, die allgemein mit "Rückzug" aus Gesellschaft und sozialem Leben zu tun haben (wozu ja Essstörungen auch gehören) - bergen , bei allem Nutzen, den sie sicher auch bringen können, immer auch potentielle Gefahren. Manche Menschen gehen nicht mehr raus - bauen sich evtl. "ihre neuen Familien" virtuell auf - schotten sich so immer mehr - bis vielleicht ganz ab. Sie zehren förmlich von Worten und Bildern. Ich würde sogar annehmen - das kann immer auch zusätzliches, neues Suchtpotential in sich bergen - auf der anderen Seite sind Foren für manche schwer erkrankten Menschen die wirklich einzige Verbindung zur Aussenwelt - die Gründe haben bereits viele User ja auch hier schon genannt (Verlust der zwischenmenschlichen Bezüge - der Freunde - oft sogar Kontakt zu eigenen Familienmitgliedern - sind diese doch oftmals hoffnungslos überfordert... etc).

    Das Beispiel mit Henne und Ei - das finde ich in diesem Bezug nicht passend - denn wenn die eigenen "Gebote" sich erst in den Köpfen manifestiert haben, befindet sich die Krankheit zumindest schon im "Stadium des bereits schlüpfenden Kükens" - um nicht von Deinem Beispiel abzuweichen.

    Ich habe in einer Klinik - in der u. a. sowohl Magersucht als auch Fett-/Fresssucht behandelt werden - mit Betroffenen beider Gruppen Kontakte gehabt und gepflegt. Die Fettleibigen haben mir wahnsinnig leid getan - ein unheimlich schweres Schicksal. Doch als ich - eigentlich mehr durch Zufall - einen Blick auf die Betroffenen werfen konnte, um die es in diesem Thema geht - ganz ehrlich - das hat mich bis in die tiefste Seele erschüttert.

    Mit unseren "Elefanten" - wie sich unsere "Dickerchen" liebevoll selbst getauft hatten - durften wir von Anfang an gemeinsam essen. Die Mädels von der Station der Magersüchtigen durften dagegen erst im Speisesaal mit uns gemeinsam essen, wenn ihre Therapie positiv gegriffen hatte - das dauerte bei vielen vier und bei manchen noch mehr Wochen. Und noch eins konnte ich dort beobachten - auch in der Klinik waren die Mädels meist unter sich - meistens sogar noch kurz vor Ende ihres Aufenhaltes - und sie waren und blieben generell sehr scheu. Während die anderen Patienten sich nach kurzer Zeit kunterbunt durcheinander würfelten.

    Darum denke ich - sie brauchen ihre "Räume" - und ich denke, dass in diesen Foren bewusst gemacht werden soll - was die Krankheit "einflüstert", dass die Bilder der Abschreckung dienen - und dass es niemals 100 % gewiss ist, dass alle das richtig verstehen - genauso, wie es niemals 100 % gesagt werden kann, dass Therapie 100 % jedem hilft - nichtmal die in einer Klinik.

    Auch in diesem Forum habe ich in einem anderen Thema gelesen, dass eine betroffene Angehörige ihrer Schwester z. B. Bilder zur Abschreckung gezeigt hat.

    Ebenfalls habe auch ich die Erfahrung gemacht, dass die Betroffenen dieser Erkrankung höchst sensibel sind - höchst intelligent - sich im höchsten Masse Leistung abverlangen. Und somit in der Lage - zu verstehen - was da zu lesen ist. DayDream hat das sehr gut ausgedrückt - in schlichten und klaren Antworten.

    Was ich richtig gut finde an Deinem Kommentar, ist dieser Abschnitt:

    Es ist sehr interessant, dass Du sagst, die Gebote geben einem Außenstehenden einen Eindruck von dem, was in den Betroffenen vorgeht. Diesbezüglich sind die Gebote vielleicht sogar hilfreich, da sie Helfenden Anhaltspunkte liefern können.

    Weil er eine der vielen Perspektiven ausdrückt, wie man diese Schriften in den betroffenen Foren auch verstehen kann (und wie wichtig Information ist für die Helfenden).

    Gruss





  • Antwort: pro ana Foren

    Der Unterschied zu anderen Foren ist, dass wir in einem z.B. "Selbstverletzendes Verhalten"-Forum uns nicht darüber austauschen, wie man sich am besten selbst verletzen kann.

    Austausch: ok, aber ich sehe die Seiten teilweise eher als Motivation, die Krankheit weiter zu vertiefen.

  • Antwort: pro ana Foren

    zu den svv-bereichen kann ich nicht viel sagen, weil auch dort nur betroffene zutritt haben. klar könnte ich hergehen und sagen ich mach sowas auch, ich will rein, aber sowas mach ich nicht. ist jetzt etwas off-topic, aber ich kopier da einfach mal ne stellungnahme von einer admiss rein "Nur, weil wir offen zu der Thematik von Selbstmort und Suizid stehen, unterstellt man und, wir verherrlichen dieses. Das diese Bereiche dazu dienen, sich seine Sorgen von der Seele zu reden, damit man eben nicht wieder zur Klinge greift, das sehen sie nicht!"

    was ich noch erwähnen möchte sind diese anderen "selbsthilfe-seiten", hungrig online ist mir etwas zu streng. man kann über nichts offen reden. abserver ist das ärgste was ich je gesehen hab. ich war schon länger nicht mehr dort. aber da sind ein paar ganz ganz tolle "anleitungen" drin. und dann noch diese "tollen" bücher. alle auch voll mit super-tollen tipps und anleitungen. das alles ist in ordnung, weils offiziell als aufklärung oder "selbsthilfe" genannt wird, aber pro-ana foren sind scheisse nur weil wir offen mit dem thema umgehen?

  • Antwort: pro ana Foren

    @Boneheadache ......und warum genau siehst Du das so? Erzähl doch mal ein wenig mehr darüber. Du scheinst Dich doch richtig damit auszukennen. Immer nur anschneiden - das klärt nicht richtig etwas. Ich fände es richtig gut mal zu hören - wie es denn da wirklich in diesen Foren so zugeht - und was da wirklich so Schreckliches passiert - was Deiner Meinung nach "noch mehr runterzieht".

    Ich würde mich sehr freuen - darüber mehr zu wissen - ist doch sicher richtig aufschlussreich, was Du berichten kannst - weil Du es genau kennst.

    So, wie Daydream auch was berichtet, was sich für mich wirklich positiv anhört und wirkliche Erfahrung ausdrückt. Dass ein Forum auch unterschiedlich empfunden wird von den einzelnen Usern - kann ich mir gut vorstellen - doch wenn man es schlecht findet für sich selbst - geht man doch nicht hin und macht es generell schlecht, nur weil Du ein anderes nun "besser" findest - und redet es kaputt.

    Es wird doch sicher auch noch einen Einfluss haben, wie man mit den Usern dort zurechtkommt - ob man angenommen wird von den Usern - und sich wohlfühlt in ihrer Mitte - oder ob man sich eher abgelehnt fühlt und solche Dinge. Das spielt doch alles auch eine große Rolle.

    Mich würde das sehr interessieren - mal was richtig Konkretes zu hören.

    Gruß

  • Antwort: pro ana Foren

    Natürlich nicht! Ich finde es prinzipiell gut, dass man sich offen austauschen kann, egal zu welchem Thema. Aber bei mir hört das "offen" sein, einfach da auf, wo es eher zur eigenen Zerstörung dient.

    Ich habe selber schon oft gesehen, wie sich Tipps geben, wie man noch dünner wird, etc. Und DAS finde ich nicht in Ordnung. Schon alleine der Name "PRO ana" sagt eigentlich schon FAST alles.

    Wenn sie diese Plattformen nur zum Austausch genutzt werden würden, hätte ich dabei kein Problem, aber oft bzw. in einigen Fällen, ist dies einfach nicht so. Da erweitert sich das alles durch Motivationssprüche ("I love my bones", und ähnliches) und passendes Merchandise. Und ob man jetzt zu seiner Krankheit steht oder stolz drauf ist, ist ein Unterschied. Und in meinen Augen ein sehr gravierender.

    Ich habe selten auf den Seiten wirklich hilfreiche Sachen gesehen wie "gute Ärzte im Umkreis...", oder "Methoden, sich nicht noch mehr kaputt zu machen"...

  • Antwort: pro ana Foren

    @Boneheadache

    warst du schon mal in einem pro-ana forum? wenn ja in welchem? würde mich interessieren

  • Antwort: pro ana Foren

    Wir können hier von Jahren sprechen. Wie die Namen hießen, das weiß ich jetzt schon lange nicht mehr, aber ich mache mich gerne nochmal auf die Suche, wenn Interesse besteht.

© 2007 - 2011 imedo GmbH, alle Rechte vorbehalten.
Die unter www.imedo.de angebotenen Dienste und Inhalte sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen