Antwort: pro ana Foren
Hallo Totti,
meine Meinung zu Foren allgemein: Für kranke Menschen, besonders die mit jenen Erkrankungen, die allgemein mit "Rückzug" aus Gesellschaft und sozialem Leben zu tun haben (wozu ja Essstörungen auch gehören) - bergen , bei allem Nutzen, den sie sicher auch bringen können, immer auch potentielle Gefahren. Manche Menschen gehen nicht mehr raus - bauen sich evtl. "ihre neuen Familien" virtuell auf - schotten sich so immer mehr - bis vielleicht ganz ab. Sie zehren förmlich von Worten und Bildern. Ich würde sogar annehmen - das kann immer auch zusätzliches, neues Suchtpotential in sich bergen - auf der anderen Seite sind Foren für manche schwer erkrankten Menschen die wirklich einzige Verbindung zur Aussenwelt - die Gründe haben bereits viele User ja auch hier schon genannt (Verlust der zwischenmenschlichen Bezüge - der Freunde - oft sogar Kontakt zu eigenen Familienmitgliedern - sind diese doch oftmals hoffnungslos überfordert... etc).
Das Beispiel mit Henne und Ei - das finde ich in diesem Bezug nicht passend - denn wenn die eigenen "Gebote" sich erst in den Köpfen manifestiert haben, befindet sich die Krankheit zumindest schon im "Stadium des bereits schlüpfenden Kükens" - um nicht von Deinem Beispiel abzuweichen.
Ich habe in einer Klinik - in der u. a. sowohl Magersucht als auch Fett-/Fresssucht behandelt werden - mit Betroffenen beider Gruppen Kontakte gehabt und gepflegt. Die Fettleibigen haben mir wahnsinnig leid getan - ein unheimlich schweres Schicksal. Doch als ich - eigentlich mehr durch Zufall - einen Blick auf die Betroffenen werfen konnte, um die es in diesem Thema geht - ganz ehrlich - das hat mich bis in die tiefste Seele erschüttert.
Mit unseren "Elefanten" - wie sich unsere "Dickerchen" liebevoll selbst getauft hatten - durften wir von Anfang an gemeinsam essen. Die Mädels von der Station der Magersüchtigen durften dagegen erst im Speisesaal mit uns gemeinsam essen, wenn ihre Therapie positiv gegriffen hatte - das dauerte bei vielen vier und bei manchen noch mehr Wochen. Und noch eins konnte ich dort beobachten - auch in der Klinik waren die Mädels meist unter sich - meistens sogar noch kurz vor Ende ihres Aufenhaltes - und sie waren und blieben generell sehr scheu. Während die anderen Patienten sich nach kurzer Zeit kunterbunt durcheinander würfelten.
Darum denke ich - sie brauchen ihre "Räume" - und ich denke, dass in diesen Foren bewusst gemacht werden soll - was die Krankheit "einflüstert", dass die Bilder der Abschreckung dienen - und dass es niemals 100 % gewiss ist, dass alle das richtig verstehen - genauso, wie es niemals 100 % gesagt werden kann, dass Therapie 100 % jedem hilft - nichtmal die in einer Klinik.
Auch in diesem Forum habe ich in einem anderen Thema gelesen, dass eine betroffene Angehörige ihrer Schwester z. B. Bilder zur Abschreckung gezeigt hat.
Ebenfalls habe auch ich die Erfahrung gemacht, dass die Betroffenen dieser Erkrankung höchst sensibel sind - höchst intelligent - sich im höchsten Masse Leistung abverlangen. Und somit in der Lage - zu verstehen - was da zu lesen ist. DayDream hat das sehr gut ausgedrückt - in schlichten und klaren Antworten.
Was ich richtig gut finde an Deinem Kommentar, ist dieser Abschnitt:
Es ist sehr interessant, dass Du sagst, die Gebote geben einem Außenstehenden einen Eindruck von dem, was in den Betroffenen vorgeht. Diesbezüglich sind die Gebote vielleicht sogar hilfreich, da sie Helfenden Anhaltspunkte liefern können.
Weil er eine der vielen Perspektiven ausdrückt, wie man diese Schriften in den betroffenen Foren auch verstehen kann (und wie wichtig Information ist für die Helfenden).
Gruss