AFP (Alpha-Fetoprotein, α-Fetoprotein) - Laborwerte-Lexikon

Referenzbereich Blut [TLD]

  • Kinder über ein Jahr, nicht schwangere Frauen und Männer: < 8 IU/ml (< 10 µg/l)
  • Schwangere: Abhängig von der Schwangerschaftswoche (SSW). Ab etwa der 10. SSW Anstieg auf 400–500 µg/l (320–400 IU/ml) bis zur 32.–36. SSW, dann abfallend

Referenzbereich Fruchtwasser [TLD]

Abhängig von der Schwangerschaftswoche. Höchstwert um die 16. SSW mit ~ 35 mg/l (30000 IU/ml), danach abfallend

µg/l x 0,83 = IU/l; IU/l x 1,21 = µg/l

Hintergrund

Das Eiweiß AFP (Alpha-Fetoprotein, α-Fetoprotein) wird vor der Geburt in Dottersack , Leber und Magen-Darm-Trakt des ungeborenen Kindes gebildet. Seine Aufgaben sind nicht vollständig bekannt. Das Ungeborene scheidet AFP mit dem Urin ins Fruchtwasser aus. Über die Plazenta (Mutterkuchen) gelangt AFP von dort ins mütterliche Blut. Beim Kind über einem Jahr und Erwachsenen wird kaum AFP im Magen-Darm-Trakt produziert. In nennenswerten Konzentrationen tritt es nur noch bei bestimmten Tumoren auf.

AFP wird labordiagnostisch in der pränatalen (vorgeburtlichen) Diagnostik und als Tumormarker genutzt.

Bestimmung im Blut

  • Bei Kindern, nicht schwangeren Frauen und Männern als Tumormarker des Leberzellkarzinoms und von Keimzelltumoren . Hauptsächlich eingesetzt in der Verlaufskontrolle bei bekanntem Tumor, als Suchtest nur bei hohem Risiko eines Leberzellkarzinoms, z.B. bei Leberzirrhose
  • In der Pränataldiagnostik zur Früherkennung bestimmter kindlicher Fehlbildungen und des Down-Syndroms

Bestimmung im Fruchtwasser

In der Pränataldiagnostik zur Früherkennung bestimmter kindlicher Fehlbildungen

AFP-Erhöhung im Blut

Bei Kindern, nicht schwangeren Frauen und Männern:

  • Einige gutartige Erkrankungen, v.a. Leberzirrhose , Hepatitis
  • Leberzellkarzinom
  • Keimzelltumoren
  • Seltene andere bösartige Tumoren des Magen-Darm-Traktes

Bei schwangeren Frauen (Maßstab sind die Normwerte der jeweiligen SSW):

  • Mehrlingsschwangerschaft
  • Neuralrohrdefekt des Ungeborenen (Fehlbildung von Gehirn und/oder Rückenmark)
  • Bauchwanddefekt beim Ungeborenen (ausbleibender Bauchdeckenschluss)
  • Schwangerschaftskomplikationen, z.B. gestörtes kindliches Wachstum

AFP-Erhöhung im Fruchtwasser

  • Wie erhöhte Werte im Blut
  • Beimengung kindlichen Blutes

AFP-Erniedrigung in Blut oder Fruchtwasser

Nur in der Pränataldiagnostik bedeutsam (Maßstab sind die Normwerte der jeweiligen SSW):

  • Down-Syndrom
  • Schwangerschaftskomplikationen, z.B. Funktionseinschränkung der Plazenta, gestörtes kindliches Wachstum

Gut zu wissen

Eine veränderte AFP-Konzentration kann auf eine kindliche Erkrankung hindeuten, ist jedoch kein Beweis. Ursache kann z.B. auch eine falsche Einschätzung der Schwangerschaftsdauer sein. Umgekehrt ist ein normales AFP keine Garantie für ein gesundes Kind. Deshalb ist die Bestimmung des AFP im Blut einer Schwangeren umstritten.

© 2008 Knaur Ratgeber Verlag, München

AFP - Medizinlexikon

Abk für Alphafetoprotein.

© Elsevier GmbH, München

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