Akklimatisation, natürliche - Medizinlexikon

langsame, in Tagen bis Monaten sich vollziehende Veränderung in der Reaktion des Organismus auf länger wirkende Klimafaktoren, insbes. äußere Temperaturbedingungen, die für den Homoiothermen eine Verbesserung der Temperaturregulation bedeuten. Beim Menschen wird der Umfang an autonomen Umstellungen durch verhaltensbedingte Anpassung bes. an Kälte gering gehalten. Dennoch lassen sich einige physiol. Änderungen bei Wärme- u. Kälteakklimatisation nachweisen. Wärmeakklimatisation bedeutsam für jahreszeitl. Klimaschwankungen, für ein Leben unter Tropenbedingungen u. für die Anpassung an Tätigkeiten unter großer Hitze (Berg- u. Stahlwerk), betrifft beim Menschen hauptsächl. die Wärmeabgabe durch Evaporation. So kann die tgl. Schweißmenge verdoppelt werden, profuse Schweißausbrüche werden zugunsten einer wirksameren, über den ganzen Tag verteilten Schweißabsonderung vermieden. Die Elektrolyt- bzw. Kochsalzkonzentration sinkt von 0,3 auf 0,03 %, wodurch der Schweiß verdunstungsfähiger u. ein größerer Kochsalzverlust vermieden wird. Die Anzahl der Schweißdrüsen kann sich nach langem Hitzeaufenthalt erhöhen. Anstieg des Blutvolumens um 15–40 %, Erniedrigung der Wärmebildung um 5–10 % u. Herabsetzung des Muskeltonus ist mögl. Die Kälteakklimatisation des Menschen ist nur durch kleinere Umstellungen gekennzeichnet: leichte Grundumsatzerhöhung, geringe Verminderung des Blutvolumens, Neigung zu peripherer Vasokonstriktion, Nachlassen des Kältezitterns zugunsten der zitterfreien Wärmebildung. Hormonale Umstellungen lassen sich kaum nachweisen. Das deutl. Nachlassen des subjektiven Kältegefühls sowie des Frierens sind Vorgänge, die sich aufgrund unverminderter Aktivität peripherer Thermorezeptoren nur mit einer zentralnervösen Gewöhnung erklären lassen.

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