Aminoglykosid-Antibiotika - Medizinlexikon

besitzen eine tri- o. tetrasaccharidartige Struktur, gemeinsame Bestandteile sind das Streptidin o. Desoxystreptamin. Das erste 1944 von Waksman aus Streptomyces griseus isolierte A. war Streptomycin. Weitere A.: Gentamicin (Gentamycin), Tobramycin (Gernebcin), Sisomicin (Extramycin), Kanamycin (Kantrex), Amikacin, Netilmicin (Certomycin), Dibekacin (Orbicin), Neomycin, Paromomycin u. a. Vereinbarungsgemäß werden Streptomyces-Abkömmlinge einheitl. mit -mycin u. Mikromonosporaderivate mit -micin bezeichnet. Ihr Wirkungsmechanismus erfolgt über eine Hemmung der Proteinsynthese (Bindung an 30-S-Untereinheiten der Ribosomen). Das Wirkungsspektrum ist breit. Trotzdem empfiehlt sich ein spezif. Einsatz, z. B. gegen Tuberkelbakterien (Streptomycin), Pseudomonas aeruginosa (Gentamicin, Amikacin) usw., entspr. den Ergebnissen des Resistogramms. Resistenzentwicklungen können rasch erfolgen, wobei drei Mechanismen eine bes. Bedeutung haben: A.-inaktivierende Enzyme (Phospho-, Adenyl- u. Acetyltransferasen), Veränderungen der 30-S-Untereinheiten, Hemmung der aktiven Transportmechanismen. Nebenwirkungen: 1. irreversible ototox. Reaktionen, die abhängig sind von der Einzeldosis u. der Therapiedauer, da es zur Kumulation in der Perilymphe des Innenohrs, die als tiefes Kompartiment aufzufassen ist, kommen kann. 2. reversible Nephrotoxizität (beginnt schon mit der 1. Dosis, zunächst linear, nach dem 10. Behandlungstag exponentiell zunehmend). 3. neuromuskuläre Blockaden, 4. Allergien sehr selten. – Eine zurückhaltende, gezielte u. ggf. blutspiegelorientierte Anwendung ist geboten.

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