von ruth2
AT III (Antithrombin III) - Laborwerte-Lexikon
Referenzbereich Blut [KLL]
Aktivität: 70–120 %
Konzentration: 0,14–0,39 g/l
Hintergrund
AT III (Antithrombin III) ist ein in der Leber produziertes Eiweiß, das eine wichtige Rolle bei der Regulation der Blutgerinnung spielt.
Eine verminderte Gerinnungsfähigkeit des Blutes ist durch das Risiko schwerer Blutungen gefährlich. Umgekehrt ist aber auch eine zu starke Gerinnungsneigung des Blutes bedrohlich, da sich dann »ohne Grund« Blutgerinnsel vor allem in den Venen bilden. Solche Venenthrombosen der Bein- und Beckenvenen sind häufigste Ausgangspunkte von Lungenembolien .
Förderung und Hemmung der Blutgerinnung müssen also im Gleichgewicht zueinander stehen. AT III hemmt mehrere Gerinnungsfaktoren und verhindert so eine überschießende Blutgerinnung. Bei einem Mangel an AT III steigt also das Thromboserisiko.
Medizinisch bedeutsam ist außerdem, dass das zur Thrombosevorbeugung gegebene Heparin nur bei Vorhandensein von AT III wirken kann.
Bestimmung im Blut
- Ursachenklärung bei Thrombosen, insbesondere wiederholter Thrombosen oder Thrombosen junger Menschen ohne erkennbare Risikofaktoren für eine Thrombose
- Beurteilung einer Thrombosegefährdung, falls bei engen Verwandten eine Thromboseneigung bekannt ist
- Verdacht auf Verbrauchskoagulopathie
- Unwirksamkeit einer Behandlung mit Heparin
- Steuerung einer Behandlung mit AT III bei bekanntem AT III-Mangel
AT-Erhöhung
- Gallenstauung (Cholestase)
- Hochgradige Nierenfunktionseinschränkung
- Vitamin-K-Mangel, auch künstlich hervorgerufen durch Behandlung mit Cumarinen (z.B. Marcumar®)
AT-Erniedrigung
- Erblicher Antithrombin-Mangel. Dieser ist selten (1:5000 bis 1:2000), erhöht das Thromboserisiko aber stark
- Ausgeprägter Eiweißverlust über die Nieren (z.B. bei nephrotischem Syndrom), den Darm oder große Wunden (z.B. bei Verbrennungen)
- Schwere Lebererkrankungen, vor allem Leberzirrhose. Da aber gleichzeitig auch die Bildung von Gerinnungsfaktoren beeinträchtigt ist, kann bei Lebererkrankungen sowohl eine erhöhte Thromgbosegefahr als auch ein gesteigertes Blutungsrisiko die Folge sein
- Entzündung (Anti-Akute-Phase-Protein)
- Sepsis
- Verbrauchskoagulopathie , weil AT III hier schneller verbraucht als nachproduziert wird
- Nach Operationen
- Heparinbehandlung
Gut zu wissen
Nach unklaren Thrombosen sollte mit der Antithrombinbestimmung bis nach Abklingen der akuten Krankheitsphase gewartet werden, da die Ergebnisse sonst nicht zuverlässig sind. Die Untersuchung sollte außerdem zur Sicherheit wiederholt werden, um eine nur vorübergehende AT III-Verminderung auszuschließen.
© 2008 Knaur Ratgeber Verlag, München
Antithrombin-III-Bestimmung - Medizinlexikon
1. Messung der gerinnungsphysiolog. AT III-Aktivität: Dem Patientenplasma wird eine definierte Menge Enzym (Thrombin o. Faktor Xa) zugesetzt. Anschließend die verbleibende Aktivität bestimmt (Gerinnungszeitmessung o. photometr. Bestimmung mittels chromogener Substrate). Der Einfluß anderer Antithrombine (v. a. des Alpha-2-Makroglobulins) wird durch Heparinzusatz ausgeschaltet, wodurch sich außerdem die Inkubationszeiten verkürzen u. die Untersuchung heparinisierter Blutproben mögl. wird. 2. Immun. A.: erfolgt mit Hilfe monospezif., präzipitierender Antikörper mittels Laurell-Elektrophorese, Turbidimetrie, Nephelometrie o. radialer Immunodiffusion. Trotz ihrer hohen Spezifität ergibt sie nicht immer aussagekräftige Werte, weil die AT III-Aktivität trotz normaler Antigenstruktur vermindert sein kann.
© Elsevier GmbH, München
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