Bilirubin und Urobilininogen - Laborwerte-Lexikon
Referenzbereiche Blut [KLL]
Gesamtbilirubin: < 1,1 mg/dl (18,8 µmol/l)
Direktes Bilirubin: < 0,3 mg/dl (5,1 µmol/l)
Indirektes Bilirubin: < 0,8 mg/dl (13,7 µmol/l)
mg/dl x 17,1 = µmol/l; µmol/l x 0,058 = mg/dl
Referenzbereiche Urin
Direktes Bilirubin und Urobilinogen: nicht nachweisbar
Hintergrund
Im Körper fallen täglich über 250 mg orange-rotes Bilirubin an. Über 80 % davon stammen aus dem Abbau der Erythrozyten (roten Blutkörperchen) oder genauer des Hämoglobins (roter Blutfarbstoff). Der Rest entsteht beim Abbau anderer Häm-haltiger Eiweiße und Enzyme.
Das zunächst entstehende wasserunlösliche unkonjugierte Bilirubin oder indirekte Bilirubin wird an Albumin gebunden zur Leber transportiert. Durch Koppelung an Glukuronsäure in den Leberzellen wird es wasserlöslich (konjugiertes Bilirubin oder direktes Bilirubin) und dann mit der Galle in den Darm abgegeben. Im Darm wird Bilirubin durch Bakterien zu Urobilinogen verstoffwechselt. Der größere Teil des Urobilinogens wird nach weiterem Umbau letztlich als bräunlicher Stuhlfarbstoff ausgeschieden. Ein kleiner Teil wird über die Nieren entsorgt.
Steigt der Bilirubinspiegel im Blut krankhaft an, kommt es ab einem Bilirubinspiegel von 2–3 mg/dl zur sichtbaren Gelbsucht (Ikterus).
Bei Verdacht auf Gelbsucht wird als Erstes das Gesamtbilirubin (Gesamt-Bili) im Blut gemessen. Nur bei erhöhtem Gesamtbilirubin werden ggf. das indirekte und direkte Bilirubin differenziert, um Hinweise auf die Ursache der Gelbsucht zu erhalten.
Bestimmung in Blut und Urin
Verdacht und Verlaufskontrolle einer Gelbsucht
Bilirubin-Erhöhung
- Übermäßiger Abbau von roten Blutkörperchen (Hämolyse), beispielsweise bei bestimmten Formen der Blutarmut (Anämien), Transfusionszwischenfällen oder sehr großen Blutergüssen. Charakteristischerweise ist vor allem das indirekte Bilirubin erhöht
- Lebererkrankungen, etwa akute Hepatitis oder ausgeprägte Leberbeteiligung im Rahmen anderer Infektionen, Leberzirrhose, Lebertumoren oder Leberschädigung bei Vergiftungen. Das Verhältnis zwischen direktem und indirektem Bilirubin ist hier variabel
- Gallenstauung (Cholestase) z.B. bei Verlegung der Gallenwege durch Gallensteine oder einen Tumor. Typischerweise ist vor allem das direkte Bilirubin erhöht
- Bestimmte Medikamente
- Angeborene Bilirubinausscheidungsstörungen. Diese haben einen sehr unterschiedlichen Krankheitswert. Beispielsweise hat das Gilbert-Syndrom ganz überwiegend keine schweren Folgen für die Betroffenen
- Sonderform bei Neugeborenen: Neugeborenengelbsucht
Gut zu wissen
Bis zu einem gewissen Ausmaß normal ist die Neugeborenengelbsucht des wenige Tage alten Babys. Ursache ist ein hoher Bilirubinanfall bei gleichzeitig verminderter Fähigkeit der noch unreifen Leber zur Bilirubinverarbeitung. Gefahr für das Gehirn besteht aber erst bei sehr hohen Bilirubinwerten, die durch die heutigen Behandlungsmöglichkeiten praktisch nicht mehr erreicht werden.
© 2008 Knaur Ratgeber Verlag, München
Bilirubin - Medizinlexikon
ein Gallenfarbstoff, Abbauprodukt des Porphyrins; entsteht beim Abbau des Hämoglobins im retikuloendothelialen System, im Knochenmark u. in der Leber durch Reduktion von Biliverdin.
© Elsevier GmbH, München
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