Coma hepaticum - Medizinlexikon

Synonyme: Leberkoma

durch Lebererkrankungen bedingter Zustand mit neuropsychiatr. Störung bis zur Bewußtlosigkeit (eigentl. Koma). Unterscheidung in endogenes (Leberzerfallskoma) u. exogenes (Leberausfallskoma) C. h. Das endogene kann als Folge einer akuten Hepatitis (fulminante Verlaufsform der Hepatitis B), schwerer Infektionen wie Gelbfieber, Weil-Krankheit, Marburg-Viruskrankheit, tox. Schädigungen (Knollenblätterpilz, Tetrachlorkohlenstoff, Atophan, Paracetamol, Phosphor, Alkohol), akuter Schwangerschaftsfettleber, Fettleber mit akuter Enzephalopathie, bei Wilson-Krankheit u. als dystroph. Schub bei einer vorbestehenden Leberzirrhose auftreten. Zunehmende Schläfrigkeit, Apathie, Desorientiertheit, Übelkeit, Erbrechen können erste Hinweiszeichen sein. Schnelles Ansteigen des Bilirubins bei Tendenz der Transaminasen zum Abfallen, Absinken der Faktoren VII u. V sowie eine verminderte Galaktoseausscheidungskapazität sind weitere Hinweise auf eine Komaentstehung. Foetor hepaticus, Flattertremor u. Zeichen einer hämorrhag. Diathese kommen hinzu. Die Letalität beträgt 80–90 %. Extrakorporale Leberperfusion an Schweine- o. Pavianlebern ließ Teilerfolge erkennen, das trifft auch für die Hämodialyse mit Polyacrylonitrilmembranen o. die Hämoperfusion zu. Eine parenterale Ernährung – wobei Aminosäuregemische arm an Methionin, Tryptophan, Phenylalanin, Tyrosin u. reich an Leucin, Isoleucin u. Valin sein sollten – sowie die Gabe von Neomycin, Laktulose u. regelmäßige Schwenkeinläufe bilden die Basistherapie. Die Lebertransplantation ist rechtzeitig in Erwägung zu ziehen. Das exogene C. h., das bei einer chron. geschädigten Leber mit Umgehungskreislauf durch zusätzl. Faktoren (übermäßige Eiweißzufuhr, Blutungen in den Intestinaltrakt, Diuretika u. Hypokaliämie, Aszitespunktionen, Infektionen, chir. Eingriffe u. Sedativa) ausgelöst werden kann, ist im Verlauf nicht so akut. Die klin. Sympt. kann sonst mit der des endogenen C. h. verglichen werden. Es entwickelt sich über Erscheinungen einer launenhaften Verstimmung, Euphorie bzw. Teilnahmslosigkeit u. Merkverlust (Grad 1) zu zeitl u. örtl. Desorientiertheit u. Erregungszuständen (Grad 2), stuporösen Zuständen, unartikuliertes Sprechen, deutl. Konfusion (Grad 3) bis zur tiefen Bewußtlosigkeit (Grad 4). Beseitigung der auslösenden Faktoren, Schwenkeinläufe, schwer resorbierbare Antibiotika, eiweißfreie Diät, Laktulose, Ausgleich des Mineralhaushalts, Normalisierung des roten Blutbildes sind die wichtigsten ther. Maßnahmen, wenn man von der Lebertransplantation absieht.

© Elsevier GmbH, München

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