Kortisol (Cortisol) - Laborwerte-Lexikon

Referenzbereich Blut [GN]

Gesamt-Kortisol, Erwachsene:

  • 8–9 Uhr: 50–230 µg/l (138–635 nmol/l)
  • 20 Uhr: 25–125 µg/l (70–318 nmol/l)
  • 24 Uhr: < 50 µg/l (< 140 nmol/l )

Referenzbereich Speichel [TLD]

Freies Kortisol, Erwachsene:

  • 6–9 Uhr: 2–12 µg/l (5–32 nmol/l)
  • 20–24 Uhr: 0,8–1,3 µg/l (2–4 nmol/l)

Referenzbereich Urin [GN]

Freies Kortisol im 24-Stunden-Urin: 20–70 µg/24 Std. (55–193 nmol/24 Std.)

µg/l x 2,76 = nmol/l; nmol/l x 0,36 = µg/l

Hintergrund

Die Bestimmung des Kortisol (Cortisol) ist keine Basisuntersuchung, sondern erfolgt nur bei konkretem Verdacht auf Kortisolmangel oder -überschuss.

Das Kortisol aus der Nebennierenrinde ist das körpereigene Kortison (Regelkreis). Kortisol ist ein Stresshormon. Es fördert den Protein- und Fettabbau, steigert den Blutzuckerspiegel, hemmt das Abwehrsystem und damit Entzündungsreaktionen und verändert Denken und Verhalten. Im Blut ist Kortisol ist zu 90 % an das Transporteiweiß Transcortin gebunden, weitere 7 % an Albumin. Biologisch aktiv ist nur das freie Kortisol.

Die Kortisolabgabe ist nicht nur stark tageszeitabhängig, sondern steigt zudem bei Stress, körperlicher Anstrengung und nach dem Essen. Deshalb ist ein Einzelwert wenig aussagekräftig.

Bei Verdacht auf einen Kortisolüberschuss ist der nächtliche Blutwert am empfindlichsten. Alternativ kommen die nächtliche Bestimmung des freien Kortisols im Speichel oder die Bestimmung des freien Kortisols im 24-Stunden-Urin in Betracht. Die weitere Abklärung erfolgt durch Funktionstests, meist zunächst den niedrig dosierten Dexamethason-Hemmtest. Spätabendliche Gabe von 2 mg Dexamethason führt beim Gesunden zu einem Absinken des morgendlichen Kortisolwertes. Bei niedrigem morgendlichen Kortisol ist ein Cushing-Syndrom so gut wie ausgeschlossen. Ansonsten ist eine weitere Diagnostik notwendig, z.B. durch den hoch dosierten Dexamethason-Hemmtest mit längerer und höher dosierter Dexamethason-Gabe, oft ergänzt durch die Kortisolbestimmung im 24-Stunden-Urin.

Umgekehrt hilft bei (fraglich) zu niedrigen Kortisolwerten der ACTH-Kurztest weiter, bei dem die Kortisolfreisetzung eine halbe und eine Stunde nach Gabe von künstlichem ACTH gemessen wird. Ein ausreichender Anstieg schließt eine Nebennierenrinden-Unterfunktion aus. Bei unzureichendem Anstieg ist eine weitere Diagnostik erforderlich.

Eine Veränderung des Transporteiweißes Transcortin verändert das Gesamt-Kortisol im Blut. Zu einer Transcortin-Erhöhung kommt es z.B. in der Schwangerschaft und bei Einnahme von Östrogenen (auch der Pille). Das freie, also wirksame Kortisol ist aber normal, es liegt kein krankhafter Zustand vor. Bei Veränderungen des Transcortins muss das freie Kortisol in Speichel oder Urin bestimmt werden.

Bestimmung in Blut oder Urin

  • Verdacht auf Kortisolmangel oder -überschuss
  • Im Rahmen von Funktionstests

Kortisol-Erhöhung

  • Cushing-Syndrom
  • (Endogene) Depression
  • Über- oder Untergewicht
  • Alkoholmissbrauch
  • Schwere Krankheiten, größere Operationen
  • Stress, unregelmäßiger Tagesrhythmus

Kortisol-Erniedrigung

  • Nebennierenrinden-Unterfunktion durch Schäden von Nebennierenrinde, Hypophysenvorderlappen oder Hypothalamus
  • Adrenogenitales Syndrom
  • Langzeitbehandlung mit Kortison

© 2008 Knaur Ratgeber Verlag, München

Cortisol - Medizinlexikon

Synonyme: Hydrokortison Steroidhormon

wichtigstes Glukokortikoid; Reduktionsprodukt des Kortisons. Es wird aus dem Cholesterin in der Zona fasciculata der Nebennierenrinde gebildet; seine Synthese u. Sekretion werden durch das adrenokortikotrope Hormon stimuliert. Überproduktion von C. führt zum Hypercortisolismus, verminderte Sekrektion bzw. Ausfall liegt bei Nebennierenrindeninsuffizienz vor.

© Elsevier GmbH, München

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