Diabetes insipidus - Medizinlexikon
Synonyme: D. i. Wasserharnruhr
Störung der Wasserrückresorption in der Niere durch fehlende bzw. nicht ausreichende Bildung o. auch Unwirksamkeit des antidiuretischen Hormons (ADH, Adiuretin, Vasopressin), das im Hypothalamus-Hypophysenhinterlappen-System gebildet wird. Die ADH-Sekretion wird durch Änderung der Plasmaosmolalität über Osmorezeptoren u. des Blutvolumens über Volumenrezeptoren reguliert. ADH fördert Transport von Natriumchlorid durch den medullären aufsteigenden Abschnitt der Henle-Schleife in das renale Interstitium u. erhöht somit den osmot. Gradienten u. die Wasserrückresorption in den Sammelrohren der Niere, vermutl. über Vasopressinrezeptoren mit Aktivierung des Phosphoinositidmetabolismus, zytosol. Kalziumfreisetzung u. Erhöhung der intralzellulären cAMP-Bildung. Klassifizierung: Zentraler D. i.: a) symptomat. bei Hirntumoren, Schädel-Hirn-Traumen u. neurochirurg. Eingriffen im Hypophysen-Hypothalamus-Bereich, durch Metastasen, bes. Mamma- u. Bronchialkarzinom, u. Hämoblastosen, entzündl. nach Meningitis u. Enzephalitis sowie auch auf der Basis vaskulärer Prozesse. b) Idiopath. ohne nachweisbare Schäden. Renaler D. i.: a) hereditäre ADH-Resistenz angeborener Defekt im distalen tubulären System der Niere, der trotz normaler endogener ADH-Produktion die Wasserrückresorption verhindert. b) Erworben, bei chron. Hydronephrose, Nierenzysten, entzündl. u. degenerativen Nierenerkrankungen, Amyloid sowie beim Fanconi-Syndrom u. als osmot. Diurese. Klinik des D. i.: meist plötzl. auftretende Polydipsie u. Polyurie; dd von psychogener, renaler u. medikamentös (Diuretikagabe, Adipositastherapie) bedingter Polydipsie abgrenzen. Diagnostik des D. i.: 1. Dreistündiger Durstversuch unter klin. Beobachtung. Normal: nach Durstperiode Anstieg über 1020 u. Harnosmolalität größer 800 mosmol/1/kg. 2. Hickey-Hare-Test. 3. Vasopressintest. Ther. des D. i.: nasale Applikation von ADH-Derivaten.
© Elsevier GmbH, München
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