Ehrlich-Seitenkettentheorie - Medizinlexikon

1885–1905 erarbeitete älteste Antikörperbildungstheorie. Ein in den Organismus eingedrungenes Antigen geht mit den Seitenketten (Rezeptoren) des Protoplasmas eine streng spezif. Bindung ein. Für die spezif. Zelleistung sind die Seitenketten ohne Bedeutung. Sie dienen der Erfassung von Nährstoffmolekülen. Wenn diese Seitenketten durch ein Antigen besetzt werden, das sich mit seiner haptophoren Gruppe an die Seitenketten bindet, dann kann z. B. im Falle eines Toxins die Zelle zugrunde gehen, wenn alle Rezeptoren besetzt werden. Wenn dagegen nur einige Rezeptoren gebunden werden, bildet die Zelle Ersatz. Nach dem Weigert-Regenerationsgesetz tritt dabei eine Überkompensation ein. Es werden vom Leistungskern der Zelle mehr Rezeptoren nach dem Muster der haptophoren Gruppe gebildet, als auf der Zelle Platz haben, u. als Antitoxine in die Blutbahn abgegeben. Die Antitoxine bezeichnet Ehrlich als Rezeptoren I. Ordnung. Daneben unterschied er noch Rezeptoren II. Ordnung (Agglutinine, Präzipitine), die mit einer haptophoren u. einer zymophoren Gruppe ausgestattet sind, sowie Rezeptoren III. Ordnung (Lysin), die zwei haptophore Gruppen aufweisen. Die E. ist heute nicht mehr mit den neuen molekularbiol. Erkenntnissen in allen Punkten zu vereinbaren. Jedoch war sie die erste selektive Antikörperbildungstheorie, die überhaupt aufgestellt wurde, u. auch moderne Theorien basieren auf ihren Grundlagen. Abb.

Ehrlich-Seitenkettentheorie. Schematische Darstellung; zellständige u. freie Rezeptoren I.-III. Ordnung
Ehrlich-Seitenkettentheorie. Schematische Darstellung; zellständige u. freie Rezeptoren I.-III. Ordnung

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