Elektroenzephalographie - Medizinlexikon

Synonyme: EEG

med. Untersuchungsmethode, bei der rhythm. Potentialschwankungen von synchron entladenden Nervenzellen registriert werden (Berger, Jena, 1929). Diese Aufzeichnung wird als Enzephalogramm bezeichnet. Dazu werden Elektroden von außen am Schädel angebracht o. nach operativer Freilegung an der Dura mater (Durographie) o. an der Hirnrinde (Kortikographie, 10–50mal größere Eingangspotentiale). Bei chir. Eingriffen kann die Potentialableitung mit Nadelelektroden auch aus der Tiefe des Gehirns aus spez. Bereichen erfolgen. Bei äußerer Ableitung entsteht durch Hirnhäute, Liquor, Schädelknochen u. Haut ein erhebl. Spannungsverlust, so daß hohe Eingangsempfindlichkeit der EEG-Geräte erforderl. ist (20–1 000 ?V pro cm Registrieramplitude). Die Spannungen liegen im Bereich zwischen einigen u. etwas über 100 ?V. Die Ableitung erfolgt an 8–16 standardisierten, symmetr. zur Körpermittelebene liegenden Punkten der behaarten Körperhaut. Man unterscheidet uni- u. bipolare Ableitungen. Im ersten Fall dient eine am Ohr liegende Elektrode als Bezug, u. man registriert die Potentiale des jeweiligen Meßpunkts. Im zweiten Fall liegen beide Elektroden am Schädel, u. man registriert die Potentialdifferenz zwischen zwei Punkten an der Kopfhaut. Je nach Frequenzbereich der registrierten Signale unterscheidet man Deltawellen (1–4 Hz), Thetawellen (4–8 Hz), Alphawellen (8–13 Hz) u. Betawellen (13–30 Hz). Artefakte sind alle Signale nicht zerebralen Ursprungs. Neben meßtechn. Ursachen u. der Verschiebung der Nullinie durch Schwitzen führen eine Reihe von Aktionspotentialen zu Artefakten: Lidschläge, Augapfelbewegungen, allg. Muskelaktionspotentiale, z. B. des Herzens (EKG). Störquellen sind elektr. Geräte in Nachbarräumen. Ein EEG-Gerät besteht aus einem Programm- bzw. Elektrodenwähler, Vorverstärker, Empfindlichkeitswähler, elektron. Filter, Endverstärker, Registriereinrichtung (Bandschreiber, Oszilloskop) u. Eichgenerator. Als Ableitelektroden dienen chlorierte Silberelektroden, bei chir. Eingriffen meist Nadelelektroden, die flach unter die Kopfhaut gestochen werden. Klebeelektroden werden bei Säuglingen u. bei Schlafableitung eingesetzt. Frequenzbild u. Amplitude des EEG sind abhängig von Alter, Wach- bzw. Schlafstadium, Aufmerksamkeit sowie pathol. Erscheinungen (z. B. Drucksteigerung, intrakranielle, tox. Schädigung, Epilepsie). Für die Epilepsie sind sog. Krampfpotentiale (Spitze-Welle-Komplexe) charakterist. Lokale EEG-Veränderungen sprechen für umschriebene Hirnerkrankungen (z. B. Hirntumor, Abszeß), Allgemeinveränderungen für tox. Schädigung o. diffuse Hirnerkrankungen. Moderne signalanalyt. Auswertemethoden erlauben eine differenziertere Charakterisierung der EEG-Kurven. Beispiele: a) normales Hirnstrombild des Erwachsenen, 9–10/s-Wellen (Alphaaktivität); b) Herdbefund bei Astrozytom li. temporal, 2–3/s-Wellen (Delta-Wellen) über der entsprechenden Schädelregion; c) schwere Allgemeinveränderungen bei Meningoenzephalitis eines Erwachsenen, unregelmäßige 2–6/s-Wellen (Theta-Delta-Aktivität über allen Schädelregionen). d) Grand-mal-Epilepsie eines Erwachsenen, irreguläre generalisierte Spike-wave- u. Polyspike-wave-Paroxysmen; e) Absence-Epilepsie bei einem Schulkind, synchrone regelmäßige 3/s-Spike-Wave-Paroxysmen; f) Hypsarrhythmie bei einem 9 Monate alten Kind mit Blitz-Nick-Salaam-Krämpfen, polymorphe asynchrone Spitzenpotentiale zwischen Theta- u. Deltawellen.

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