Erythrozytopoese - Medizinlexikon
Bildung u. Entwicklung der Erythrozyten. Die Gesamtmasse der Zellen der E. einschl. der im Blutkreislauf zirkulierenden Erythrozyten kann als funktionell einheitl. Organ aufgefaßt werden u. wird allg. als Erythron bezeichnet. Die funktionelle Spezialisierung, ihre Proliferation u. Ausreifung wird in den versch. Entwicklungsstufen vom Proerythroblasten bis zum Erythrozyten deutl. Die Bildung von Hämoglobin u. Enzymen erfordert vom Kern die Synthese von Boten-RNA, welche durch die Kernporen in das Zytoplasma des Erythroblasten dringt. Beim Erwachsenen findet sich als eine gewisse Funktionseinheit der E. im Knochenmark die Ausbildung von Erythroblasteninseln. Diese bestehen aus 1–2 zentral gelegenen Makrophagen, die von Erythroblasten versch. Reifestufe umgeben sind u. in engem Kontakt mit dem Makrophagen stehen. Nach ausreichender Ausreifung wird der Kern des Erythroblasten aktiv mittels intensiver Kontraktionen des Zytoplasmas ausgestoßen. Der ausgestoßene Kern wird von Makrophagen phagozytiert. Nach Abschluß der Entkernung liegt ein Retikulozyt vor. Während des engen Kontakts zwischen dem Makrophagen u. den versch. Reifestufen des Erythroblasten macht dieser 4 mitot. Teilungen durch u. synthetisiert etwa 80 % der Gesamthämoglobinmenge des Erythrozyten. Die engen Beziehungen von Makrophage u. Erythroblast sind für die Versorgung des erythrozytären Zellsystems mit Baustoffen für Hämoglobin u. Nährstoffen ausschlaggebend, die sie wiederum aus dem intrazellulären Abbau alter bzw. geschädigter Zellen zur Verfügung haben. Eisen wird in Form von Ferritin in den sich entwickelnden Erythroblasten durch einen phagozytoseartigen Prozeß, ähnl. dem der Pinozytose, aufgenommen, der als Rhopheozytose bezeichnet wird. Die Morphol. des erythrozytären Zellsystems ist eng mit den biochem. Veränderungen in der Entwicklung vom Proerythroblasten zum Erythrozyten gekoppelt. In den max. 72 h, in welcher die erythropoet. Stammzelle unter der Einwirkung von Erythropoetin sich vom Proerythroblasten zum Retikulozyten entwickelt, spielen sich Vermehrung u. Ausreifung des erythrozytären Zellsystems ab. In diesem Zeitraum werden spez. Zellorganellen (Mitochondrien, Golgi-Apparat, Polyribosomen, Siderosomen u. a.) für die Synthese von Hämoglobin, den verschiedensten Enzymen u. Stromaproteinen ausgebildet. Nach der Kernausstoßung läßt die Aktivität des proteinsynthetisierenden Systems stark nach, die Zellorganellen bilden sich quantitativ zurück bzw. verschwinden ganz. Insbes. während der 58 h Reifung des Retikulozyten zum Erythrozyten vermindern sich die Zellorganellen stark. Der Durchmesser des Proerythroblasten von 25 ?m reduziert sich auf 9 ?m beim orthochromat. Erythroblasten. Entspr. reduziert sich die Kerngröße mit einer relativen Zunahme des Zytoplasmas. Mit zunehmender Ausreifung vermindert sich die RNA-Produktion, u. die Kernkörperchen verschwinden schließl. Im orthochrom. Erythroblasten verdichtet sich das Kernchromatin u. wird stark anfärbbar, ein Prozeß, der als Kernpyknose bezeichnet wird. Während unreife Zellen wie der Proerythroblast u. Makroblast infolge der großen Zahl von Polyribosomen ein intensiv basophiles Zytoplasma aufweisen, vermindert sich die Basophilie mit zunehmender Hämoglobinbildung, u. die Polyribosomen treten dadurch in den Hintergrund, d. h. die Zelle wird orthochromat. Aus einem Proerythroblasten kommt es durch aufeinanderfolgende Vermehrung u. Ausreifung innerhalb von 3–4 Tagen zur Ausbildung von 8–16 orthochromat. Erythroblasten. Nach Ausstoßung des Zellkerns kann der nunmehr entstandene Retikulozyt das Knochenmark verlassen u. in der Milz, vorwiegend jedoch im kreisenden Blut zum Erythrozyten ausreifen. Die Ausbildung eines normalen roten Blutköperchens, kernlos, eine runde, bikonkave Scheibe mit einem Volumen um 90 ?m2 ist schließl. das Endresultat einer ordnungsgemäßen Transformation aus einem Proerythroblasten mit einem sehr großen Kern u. einem Zellvolumen von etwa 900 ?m3. Bei einer kontinuierl. Zytoplasmareifung kommt es bei einer Zwischenschaltung von Zellteilungen zu einer schrittweisen Reduktion des Zellvolumens u. auch des Zellkernvolumens, so daß die Erkennung der einzelnen Reifestufen des erythrozyt. Zellsystems verhältnismäßig einfach ist. Unter normalen Bedingungen wird die zirkulierende Masse des Erythrozyten mit weitgehender Konstanz dadurch aufrecht erhalten, daß Erythrozytenabbau u. -bildung aufeinander abgestimmt sind. Die die Produktion der Erythrozyten stimulierenden Impulse können von Geweben ausgehen, die auf die O2-Versorgung durch die Erythrozyten angewiesen sind (funktioneller Feedback-Mechanismus), o. sie gehen von den Erythrozyten selbst aus (Endprodukt-Feedback-Mechanismus). Die Erythrokinetik beträgt normalerweise 120 Tage. Dabei ist der genaue Modus des (intrazellulären) Abbaus noch unbestimmt. Von der Norm abweichende Erythrozyten werden ausgemustert: 1. durch einen sehr empfindl. Mechanismus im Knochenmark u. Milz, 2. durch ein Auskämmverfahren für stärker veränderte Zellen in der Leber, 3. durch einen intravaskulären Zellzerfall mit Freisetzung des Hämoglobins. Tatsächl. kann das erythrozytäre Zellsystem quantitativ erfaßt werden, wenn das Gesamtvolumen, die Produktionsrate u. die Überlebenszeit der Erythrozyten bestimmt werden. Durch die Analyse dieser Faktoren durch sehr präzise Methoden mit Radionukliden konnten ebenfalls aussagekräftige Methoden wie Retikulozytenzählung u. Knochenmarkbeurteilung ergänzt werden.
© Elsevier GmbH, München
Forenbeiträge
2
-
Antwort: folsäure gegen herzinfarkt
... nicht genügend rote Blutkörperchen im Blut sind. Zur Bildung dieser roten Blutkörperchen b...
-
Antwort: Behandlungsmöglichkeiten bei...
... Beispiel mehr Erythropoetin auszuschütten, damit mehr Blutkörperchen zu bilden (EPO). Natur...
Antworten
5
-
Hallo. Wer kann mir hier vielleicht h...
... Mangel an Erythrozyten (rote Blutkörperchen) oder an Hämoglobin (Blutfarbstoff) oder an beid...
-
Wo werden die zelligen Elemente des B...
Die Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten bilden sich im Knochenmark. Während der Embryonalen...

