Fettsucht - Medizinlexikon

Synonyme: Fettleibigkeit Adipositas Obesitas

Neigung des Organismus zu übermäßiger Körpergewichtserhöhung durch Zunahme des Fettgewebes, bei gestörter Energiebilanz u. Beeinträchtigung von Körperfunktionen. Bei einem BMI (Body mass index) > 37 sind degenerative Störungen u. Stoffwechselerkrankungen häufige Folgen. Ätiopathogenet. Klassifikation in: prim. F.: Unter best. Bedingungen, ohne erkennbare Grundkrankheit, auftretende übermäßige Erhöhung der Körpermasse u. des Körperfettanteils. Überschreitung des individuellen Energiebedarfs führt zur Ablagerung von Depot-Fett in den Fettzellen u. Volumenzunahme der Fettzellen durch Überernährung. Hierbei sind der Phänotyp (Unterscheidung universelle versus zonale Adipositas, Abb. 1 u. 2) u. die Fettgewebemorphologie (Hypertrophie des Fettgewebes im Erwachsenenalter o. Hyperplasie des Fettgewebes im Kindesalter) zu berücksichtigen. Sek. F.:

zu den Eßstörungen gehöriges Krankheitsbild mit einer den individuellen energet. Bedarf übersteigerten Kalorienzufuhr. Psychodynam. ist das gestörte Eßverhalten als Ausdruck tiefgreifender unbewußter psychischer Konflikte zu verstehen. Bulimia nervosa.

hormonal bedingte F. bei Cushing-Syndrom. Hypothyreose, Hypophysenvorderlappeninsuffizienz u. exogener Glukokortikoidzufuhr.

zerebral bedingte F. bei versch. Syndromen (z. B. Dystrophia adiposogenitalis), nach Traumen. Enzephalitis u. Hirntumoren. Richtwerte für das Körpergewicht sind das Normalgewicht nach Broca (Körpergröße in cm – 100), das Idealgewicht nach Haller (Männer: Broca-Gewicht – 10 %, Frauen: Broca-Gewicht – 15 %) u. das Optimalgewicht nach Moehr (berücksichtigt den Körperbau, lean body mass). Der Körperfettanteil kann durch Messung der Hautfaltendicke bestimmt werden. Bei Adipositas ist der Körperfettanteil um mehr als ein Drittel gegenüber dem Normalwert erhöht. Für die Ther. der Fettsucht ist die Einschätzung der Energiebilanz wichtig; dynam. Phase: stetige Gewichtszunahme, stat. Phase: konstantes Übergewicht. Die Ther. kann Totalfasten (Null-Diät), hypokalor. Mischkost (300–600 kcal/1 250–2 500 kJ) u. Kombination mit Anorektika beinhalten, die auf das sog. hypothet. Appetitszentrum wirken. Bei der sek. F. außerdem Behandlung der Grundkrankheit anstreben. Begleit- u. Folgekrankheiten der F. betreffen den Stoffwechsel (Diabetes mellitus Typ 2, Hyperlipoproteinämie, Hyperurikämie), das Herz-Kreislauf-System (Hypertonie, Herzinsuffizienz, chronisch ischämische Herzkrankheit, Varikosis, Thrombophlebitis), den Bewegungsapparat (Arthrose) u. die Atmungsorgane (Pneumonierisiko). Abb. 1 u. 2.

Fettsucht (Abb. 1). Universelle Adipositas (alimentär)
Fettsucht (Abb. 1). Universelle Adipositas (alimentär)
Fettsucht (Abb. 2). Zonale Adipositas (sog. Reithosenfettsucht)
Fettsucht (Abb. 2). Zonale Adipositas (sog. Reithosenfettsucht)

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