Fieber - Medizinlexikon

Synonyme: Febris

im Ggs. zur Hyperthermie eine echte Sollwertverstellung der Temperaturregulation, dadurch gekennzeichnet, daß der erhöhte Wert der Kerntemperatur gegen innere u. äußere Störungen konstant gehalten wird. F. wird entweder durch direkte zentralnervöse Irritation thermoregulator. Hirnstrukturen, wie z. B. durch Emotionen (Lampenfieber), körperl. Arbeit (Arbeitshyperthermie), direkte Schädigung o. durch sog. pyrogene Stoffe ausgelöst, die in der Folge von bakteriellen o. abakteriellen Entzündungen u. Gewebeeinschmelzungen von Leukozyten freigesetzt werden, die Blut-Hirn-Schranke passieren u. in dem hypothalam. temperaturregulator. Strukturen Sollwertverstellungen hervorrufen. Diese Sollwertverstellung kommt durch zusätzl. Bahnung der sog. Kaltreferenzneurone zustande. An dieser Reaktion sind Prostaglandine ursächl. beteiligt. Ihre direkte Applikation in den Hypothalamus erzeugt F., andererseits hemmen fiebersenkende (Antipyretika) u. analgesierende Präparate die Prostaglandinsynthetase. Das F. wird nach seiner Höhe beurteilt: 37,1–38,0 °C (Rektaltemperatur) = subfebriles F., 38,1–38,4 °C = leichtes F.; 38,5–39,5 °C = mäßiges F.; 39,6–41,5 °C = hohes F.; über 41,5 °C = hyperpyret. F. Im Verlaufe des F. unterscheidet man das Stadium incrementi (Phase des Temperaturanstiegs), das Fastigium (Hitze- o. Höhestadium), das Stadium decrementi (Phase des Fieberabfalls), im Verlaufe mehrerer Tage als Lysis, im Verlaufe weniger Stunden als Krisis bezeichnet. Auch im F. zeigt die Kerntemperatur Tagesschwankungen. Diese sind meist ausgeprägter als beim Gesunden. Die Differenz zwischen Maximum u. Minimum der am gleichen Tage gemessenen Temperatur bestimmt den Fiebertypus: Febris continua: Tagesdifferenz = 1 °C; Febris remittens: Tagesdifferenz = 1,5 °C; Febris intermittens: Tagesdifferenz > 1,5 °C. Im Verlauf einer Krankheit wechseln Fiebertemperaturen u. fieberfreie Intervalle. Febris septica: morgens niedrige, abends sehr hohe Temperaturen; Wechselfieber: Rhythmusfieber mit Fieberschüben in wenigen Tagesintervallen. Febris undulans: über mehrere Tage langsam ansteigendes u. dann langsam abfallendes F. Länger als 3 Wochen anhaltendes F. läßt bei Einschluß bakt.-serol. Untersuchungen an folgende Krankheitsgruppen denken: 1. Infektionen, insbes. Tuberkulose, Leber-Gallenwegsentzündungen, Harnwegsinfektionen, abdominale Prozesse, Endokarditis. 2. Neoplasmen, v. a. der Nieren, Lungen, Schilddrüse, Leber, Pankreas; ferner Lymphome, Leukämien, Myelome. 3. Kollagenosen i. w. S. (Systemerkrankungen des Bindegewebes) wie Lupus erythematodes disseminatus, Periarteriitis nodosa, Sklerodermie, Dermatomyositis, rheumat. Fieber, prim. chron. Polyarthritis. 4. Neuroendokrine Störungen, Hyperthyreoidismus, Enzephalitis. Besondere Verlaufsformen bei Grippe, Fleckfieber, Typhus abdominalis.

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