Gedächtnis - Medizinlexikon

Fähigkeit des Gehirns, die über die Sinnesorgane, insbes. Auge u. Ohr, einlaufenden Erregungsmuster bzw. Informationen selektiv kurz- o. auch langfristig zu speichern u. nach Bedarf abzurufen, wenn best. Bedingungen gleichzeitig gegeben sind, wie ein best. Grad von Wachheit u. Aufmerksamkeit, affektiv-emotionale Färbung in der Auffassung der Situation, in der die Reize wirkten o. wiederauftreten. Die Gedächtnisbildung weiterhin fördernde Faktoren sind die Wiederholung gleicher o. ähnl. Reizsituationen, bereits gespeicherte Informationen über analoge Sachverhalte, an die der neue Sachverhalt assoziiert werden kann (assoziatives G.). bes. im Kindes- u. Jugendalter. Nach der Zeitskala können unterschieden werden: Sofortgedächtnis (o. operatives G.), das auf einer schnellen Bahnung synapt. Verschaltungen beruhen könnte; Kurzzeitgedächtnis, dem längerfristige Bahnungsvorgänge, aber auch schon mikromorpholog. Änderungen an den Synapsen zugrunde liegen dürften (funktionell-morphol. G.); mittelfristiges G., in dem biochem. Reaktionen, z. B. die durch die DNA gesteuerte Synthese spezif. Proteine, in den Nerven- u. Gliazellen vor sich gehen, tiefgreifende mikrostrukturelle Änderungen bewirkend. Dieser Prozeß findet seinen Abschluß im oft lebenslangen Langzeitgedächtnis (strukturelles G.). Der fließende Übergang vom Kurzzeit- zum mittelfristigen u. zum Langzeitgedächtnis wird auch Konsolidierung genannt. Bei der Einspeicherung von Gedächtnisinhalten (Engramm) spielen wahrscheinl. der Hippokampus u. temporale Großhirnrindenfelder eine bes. Rolle. Die endgültigen Aufbewahrungsorte dürften die frontalen u. temporalen Großhirnrindenfelder sein. Noch lückenhafter sind die Kenntnisse über die Mechanismen der Abrufung (Ekphoration) von Gedächtnisinhalten. Für Lernen u. funktionell-strukturelles G. scheinen die biogenen Amine, bes. das Noradrenalin, das weitverbreitet im Gehirn ist, von Bedeutung zu sein. Eine fördernde Wirkung auf die Engrammbildung sollen z. B. die Vorläufer spezif. Proteinsynthese bzw. die Ribonukleinsäuremoleküle innerhalb der Nervenzellen besitzen. Gedächtnismodelle.

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