von Domi
Gehirn - Medizinlexikon
Synonyme: Enzephalon Cerebrum
rostraler Teil des Zentralnervensystems, der innerhalb des Schädels liegt, mit grauer Substanz (Nervenzellen) u. weißer Substanz (markreiche Nervenfasern, Leitungsbahn). Das mittlere Hirngewicht des Mannes beträgt 1 350 g, das der Frau 1250 g. Man unterscheidet den Hirnstamm (Truncus cerebri), eine gewölbte, dem Schädeldach anliegende Fläche (Facies superolateralis) u. eine der Schädelbasis zugekehrte Fläche (Facies basalis). Der Hirnstamm ist beim Menschen von den Großhirnhemisphären überlagert. Das G. ist in 5 Abschnitte gegliedert: 1. Endhirn (Telenzephalon) mit Großhirnrinde, Nucleus caudatus, Putamen, Claustrum, Corpus amygdaloideum als grauer Substanz; 2. Zwischenhirn (Dienzephalon) mit Thalamus, Epithalamus, Subthalamus, Hypothalamus; 3. Mittelhirn (Mesenzephalon) mit Lamina tectalis, Nucleus ruber, Substantia nigra; 4. Hinterhirn (Metenzephalon), unterteilt in Brücke (Pons) u. Kleinhirn (Cerebellum); 5. Nachhirn, Myelenzephalon, Medulla oblongata (verlängertes Mark). 4. u. 5. bilden zusammen das Rautenhirn, Rhombenzephalon. Wie das Rückenmark wird das Gehirn von einem Kanal durchzogen, der sich im Rautenhirn zum IV. Ventrikel, im Zwischenhirn zum III. Ventrikel u. im Endhirn zu den beiden Seitenventrikeln (Hirnkammern) ausweitet. Auf Hirnschnitten sieht man graue Rinden- u. Kerngebiete, in denen die Ganglienzellen liegen, u. weiße Marksubstanz, welche in der Hauptsache aus Nervenfasern besteht. Das G. ist Organ der integrierten Regulationen aller Tätigkeiten des Organismus, die mit der Konstanz seines inneren Milieus sowie mit der Ankopplung an die Umwelt zusammenhängen. Es ist das Organ der höchstentwickelten Informationsverarbeitung, die im einzelnen in den Zellverbänden (neuronalen Netzwerken) der versch. Hirnregionen vor sich geht. Die Prozesse in den Zellen u. zwischen ihnen (Synapsen, Erregungsübertragung) werden auf höheren Verarbeitungsstufen zusammengefaßt u. kommen in den Wechselbeziehungen der einzelnen Hirnabschnitte zum Ausdruck. Auf dem psychophys. Niveau der Hirntätigkeit sind die komplizierten materiellen Prozesse zugleich Bewußtseinsprozesse. In dieses Tätigkeitsniveau ist die Großhirnrinde unbedingt einbezogen. Durch die „integrative“ Tätigkeit des Gehirns werden die versch., nach außen u. innen wirkenden Aktivitätszustände wie Wachsein, Orientierung, Aufmerksamkeit, Motivation u. Emotion sowie Gedächtnis zusammengefaßt u. in Verhaltensakten zur Wirkung gebracht. Die Informationsverarbeitung geschieht durch die Weitergabe bzw. Neubildung von Aktionspotentialen, sog. Nervenimpulsen, die mit Hilfe versch. Überträgersubstanzen über die Synapsen die Membraneigenschaften der Nervenzellen u. deren Stoffwechsel verändern, sowie durch gegenseitige impulslose, elektroton. Beeinflussung eng benachbart liegender Nervenzellen. In beide Formen der Verarbeitung sind auch die Gliazellen einbezogen. Eng mit der Tätigkeit des Gehirns sind die endokrinen Drüsen verbunden, wobei die Hypophyse als hormonelle Steuerungsdrüse eine wesentl. Vermittlerrolle spielt. Abb.
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