Hämaturie - Medizinlexikon

Auftreten von Blut im Urin. Man unterscheidet eine Mikrohämaturie o. Erythrozyturie u. eine Makrohämaturie. Die Skala der Intensität reicht von einer einmaligen, kurzdauernden, schmerzlosen Blutung über rezidivierend auftretende H. (mit u. ohne Schmerzen) bis zur Massenblutung mit Blutgerinnselverstopfung der gesamten Blase, der sog. Blasentamponade u. Schocksymptomatik. Von dieser Makrohämaturie mit eindeutigem klin. Bild sind jene Fälle abzugrenzen, bei denen es durch Arzneimittel wie Azoangin, phenolphthaleinhaltige Abführmittel, Rifampicin o. nach dem Genuß von roten Rüben zu einer Rotfärbung des Harns kommt. Fehldiagnosen werden durch die mikrosk. Harnuntersuchung vermieden. Das gilt auch für die Krankheitsgruppe Hämoglobinopathien. Über eine ausgeprägte hämolyt. Anämie treten im Harn vermehrt Vorstufen des Hämoglobins auf u. färben ihn rot. Ursächl. kommen Gravidität, Malaria, Typhus, Bluttransfusionsschäden, Vergiftungen mit Karbolsäure, Anilinabkömmlingen, Pilzen u. Arsenwasserstoff in Frage. Der Harn ist rot bis dunkel, dabei aber klar. Die echte H. ist ein Sympt., das diagn. unbedingt geklärt werden muß. An erster Stelle steht dabei die sofortige Urethrozystoskopie. – Hinter 50 % aller Fälle von erstmals auftretender H. verbirgt sich ein Tumor der ableitenden Harnwege, oft schon im fortgeschrittenen Stadium (Niere, Nierenbecken, Harnleiter, Blase, Prostata, Harnröhre). Außerdem muß bei einer H. dd gedacht werden an Harnsteine, Prostatahyperplasie (benigne Prostatahyperplasie), Ulcus simplex vesicae, Zystitis, Endometriose, Urogenitaltuberkulose, Bilharziose der Harnblase (Schistosomiasis), Zystennieren, Pyelonephritis, Verletzung des Urogenitalsystems. Erkrankungen, die eine H. verursachen können, aber keiner urol. Versorgung bedürfen, sind: die Glomerulonephritis, H. bei Hochdruck, Endocarditis lenta u. Bluterkrankungen bei Gabe von Phenylbutazon u. Antikoagulanzien.

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