Hämoglobin (Hb) - Laborwerte-Lexikon

Referenzbereich Blut [KLL]

  • Frauen: 12–15 g/dl (7,5–9,3 mmol/l)
  • Männer: 13,6–17,2 g/dl (8,4–10,7 mmol/l)
  • Kinder 1–10 Jahre: 11,3–14,9 g/dl (7,0–9,2 mmol/l)

g/dl x 0,6206 = mmol/l; mmol/l x 1,61 = g/dl

Hintergrund

Der rote Blutfarbstoff Hämoglobin (Hb) ist der zentrale Laborwert zur Feststellung einer Blutarmut (Anämie).

Hämoglobin ist mit einem Drittel der wichtigste Bestandteil der roten Blutkörperchen . Es ist ein Eiweiß aus vier Aminosäureketten, die ein eisenhaltiges Häm-Molekül umschließen. Mithilfe dieses Häms bindet Hämoglobin in den Lungen den »frischen« Sauerstoff, transportiert ihn zu den Geweben und gibt ihn dort an die Körperzellen ab. Hämoglobin ist außerdem an der Regulation des Blut-pH beteiligt.

Die Verminderung des Hämoglobins, die Blutarmut oder Anämie, ist mit einer Häufigkeit von 1 % aller Männer die häufigste Bluterkrankung. Bei Frauen oder Kindern ist sie noch weit häufiger. Ein Zuviel an Hämoglobin ist aber auch gefährlich, da das Blut dann dickflüssiger wird und sich leichter Blutgerinnsel in den Gefäßen bilden können (Thrombose).

Bestimmung im Blut

  • Routine-Untersuchung z.B. vor Operationen, im Rahmen der Gesundheitsvorsorge, bei jedem kleinen Blutbild
  • Diagnose und Verlaufskontrolle bei Blutarmut
  • Diagnose und Verlaufskontrolle bei Polyglobulie
  • Störungen des Wasserhaushaltes
  • Behandlungskontrolle in der Transfusionsmedizin und bei Maßnahmen zur Blutverdünnung (Hämodilution)

Hämoglobin-Erhöhung

  • Austrocknung (Dehydratation)
  • Starkes Rauchen
  • Polyglobulie , Polyzythämie
  • Doping mit Blut oder Erythropoetin

Hämoglobin-Erniedrigung

  • Blutarmut
  • Einige Stunden nach Blutverlust
  • Schwangerschaft
  • Überwässerung

Labordiagnostik bei Blutarmut (Anämie)

Die Diagnosesicherung einer Blutarmut (Anämie) erfolgt durch Hb-Bestimmung. Nach WHO liegt eine Anämie vor bei einem Hb < 12 g/dl bei Frauen und einem Hb < 13 g/dl bei Männern. Bei Kindern ist die Grenze altersabhängig niedriger, im Kleinkind- und Kindergartenalter um 11,2 g/dl,bei Schulkindern um 11,5 g/dl.

Die Erythrozytenindizes werden bei jedem Blutbild automatisch mit erstellt. Sie sind erste Wegweiser, welche Laborwerte im nächsten Schritt bestimmt werden. Auch das Aussehen der roten Blutkörperchen unter dem Mikroskop kann Aufschlüsse über die Ursachen der Anämie geben.

Klassifizierung einer Anämie

Erythrozytenindizes Nächster Schritt Ursachen
MCV und MCH zu niedrig: mikrozytäre hypochrome Anämie

Bestimmung des Ferritins

  • Ferritin zu niedrig: Eisenmangelanämie
  • Ferritin normal oder hoch: z.B. Eisenverwertungsstörung, abnorme Hämoglobine, bestimmte bösartige Bluterkrankungen, Thalassämie, seltener Anämie der chronischen Erkrankung bei chronischen Infektionen, nicht-infektiösen Entzündungen, Tumoren
MCV und MCH normal: normozytäre normochrome Anämie

Bestimmung der Retikulozyten

  • Retikulozyten normal oder niedrig: z.B. Knochenmarkschädigung, Leber-, Nierenerkrankung, Anämie der chronischen Erkrankung
  • Retikulozyten zu hoch: hämolytische Anämie
MCV und MCH zu hoch: makrozytäre hyperchrome Anämie

Bestimmung von Vit. B12 und Folsäure

  • Vit. B12 zu niedrig: Vitamin-B12-Mangelanämie
  • Folsäure zu niedrig: Folsäuremangelanämie
  • Beide normal: z.B. Leber-, Nierenerkrankung

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Hämoglobin - Medizinlexikon

Synonyme: Hb Haemoglobinum Blutfarbstoff

Hauptprotein der Erythrozyten, das ihnen die Farbe verleiht, 0,338 % Eisen enthält, eine molekulare Masse von 64 400 aufweist u. aus zwei Paaren von ungleichen Peptidketten besteht. Jede Polypeptidkette ist kovalent mit einer Hämgruppe (Ferroprotoporphyrin IX) verbunden. Die Bindung des Häms ist sehr labil. Bei saurem pH zerfällt Hb in seine Dimere. Die versch. Polypeptidketten des Globins werden mit griech. Buchstaben bezeichnet (alpha, beta, gamma, delta, epsilon u. zeta). Es ergeben sich unterschiedl. Möglichkeiten für die Bildung der Tetrameren. Je 2 Polypeptidketten sind ident. Die räuml. Struktur der Ketten ähnelt der des Myoglobins. Die 4 Hämgruppen sind an der Oberfläche des Moleküls lokalisiert. Die Bildung des Hb (Hämsynthese) erfolgt in den kernhaltigen roten Blutzellen, weniger in Retikulozyten. Normalwert im Blut männl. 135–175 g/l, weibl. 125–155 g/l bzw. männl. 8,2–10,6 mmol/l, weibl. 7,6–9,4 mmol/l. Gesamtmenge im menschl. Organismus ~ 750 g, bei absolutem Eisenmangel u. bei Eisenverwertungsstörungen (Anämien) vermindert. Durch die Bindung eines O2-Moleküls je Hämgruppe wird aus dem Hämoglobin (desoxigeniertes, sauerstofffreies Hb) das Oxyhämoglobin HbO2. Die physiol. Funktion des Hb als Sauerstoffträger beruht auf der Reversibilität der O2-Bindung in Abhängigkeit von der Sauerstoffspannung (O2-Partialdruck). Durch Bildung von HbO2 Änderung des Spektrums u. der Farbe (Hb: dunkelrot; HbO2 = hellrot) HbO2 ist eine siebzigmal stärkere Säure als Hb; wesentl. als Puffersystem des Blutes u. CO2-Transport. Bildung von Carbaminohämoglobin. Durch CO-Einwirkung kommt es (bei 100mal stärkerer Affinität des CO zu Hb) zu Carboxy-Hämoglobin (HbCO), wobei erhöhte Affinität durch langsamen Zerfall der HbCO-Verbindung bedingt ist. Durch Oxidation des Hämoglobineisens von der zwei- zur dreiwertigen Stufe entsteht Hämiglobin (Methämoglobin), das für den O2-Transport ausscheidet (mit Sulf- u. Carboxy-Hb gehört es zu den inaktiven H.). In den Erythrozyten beträgt der Hämiglobingehalt 0,5–2,0 % je nach Tierart, Alter u. Umweltbedingung. Das ständig sich bildende Hämiglobin wird durch das Enzym Methämoglobinreduktase reduziert. Durch Einwirkung von H2S kommt es zur Bildung von Sulfhämoglobin. Hämiglobinnachweis. Adultes Hämoglobin, Hb-A: Hämoglobin A. Anomales Hämoglobin, pathol. Hb (Hb-Varianten): dominant erbl. Abweichungen des menschl. Hb, wobei diese durch Austausch einer Aminosäure, bes. in der Alpha- o. Betakette o. durch Gruppierung gleichartiger Polypeptidketten (Tetramer) bedingt sein können. Da die Betapolypeptidkettensynthese erst einige Wochen nach der Geburt beendet wird, werden Betavarianten erst dann feststellbar, während Alphavarianten sofort nachzuweisen sind. Die Eigenschaften der anomalen Hämoglobine sind sehr unterschiedl., so daß auch die klin. Sympt. variiert. Homozygote Merkmalsträger besitzen nur anomales, heterozygote normales u. anomales Hb. Der Nachweis ist durch elektrophoret. Verfahren u. durch die Chromatographie zu führen. HbH: Pat. mit Alphathalassämie bilden HbH, ein tetrameres Molekül aus Betapolypeptidketten (?4). Ein weiteres tetrameres Molekül ist Hb Bart's (?4). Beide Hämoglobine weisen eine hohe O2-Affinität, einen fehlenden Bohr-Effekt u. fehlende Häm-Häm-Wechselwirkungen auf. Instabiles Hämoglobin.

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