HLA-System - Laborwerte-Lexikon

Die HLA (Humane-Leukozyten-Antigene, HL-Antigene) sind genetisch festgelegte Moleküle auf der Oberfläche von Körperzellen, vergleichbar den Blutgruppenantigenen auf den roten Blutkörperchen. Sie sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Der für die Kodierung der HLA zuständige Abschnitt der Erbsubstanz heißt Haupthistokompatibilitätskomplex (major histocompatibility complex, MHC), daher heißen die HLA auch MHC-Moleküle.

  • HLA der Klasse I kommen auf allen kernhaltigen Zellen, Blutplättchen und Samenzellen vor.
  • HLA der Klasse II finden sich v.a. auf bestimmten Abwehrzellen (z.B. B-Lymphozyten).
  • Gelegentlich wird von HLA der Klasse III gesprochen. Es handelt sich hierbei um Botenstoffe des Abwehrsystems wie z.B. die Komplementfaktoren.

Alle HLA spielen eine Rolle bei Abwehrvorgängen, v.a. bei der Unterscheidung körpereigener und körperfremder Strukturen. Die HLA sind zunächst einmal eine Eigenschaft, keine Erkrankung.

Bestimmt werden sie, überwiegend mit molekularbiologischen Methoden:

  • In der Transplantationsmedizin zur Optimierung der Transplantationsaussichten. Je ähnlicher die Gewebe zwischen Spender und Empfänger sind und je weniger Antikörper gegen HLA-Antigene des Spenders beim Empfänger vorhanden sind (z.B. nach früheren Transfusionen), desto größer sind die Chancen auf eine erfolgreiche Transplantation. Deshalb erfolgt vor Blutstammzell- oder Organtransplantationen eine HLA-Typisierung von Spender und Empfänger. Dabei werden aber nicht alle HLA, sondern HLA A, B, DR und meist auch DQ berücksichtigt.
  • In der Transfusionsmedizin in Sonderfällen
  • Bei Verdacht auf einige (Autoimmun-)Erkrankungen, bei denen bestimmte HLA-Antigene gehäuft auftreten. Am deutlichsten ist die Beziehung zwischen HLA-B27 und Morbus Bechterew . Die Bestimmung der HLA kann hier unsichere Diagnosen stützen, sie aber weder beweisen noch widerlegen.
  • Im Rahmen von Vaterschaftsgutachten.

Da die HLA genetisch festgelegt sind, ändern sie sich nicht. Verlaufskontrollen sind also sinnlos.

Zusammenhang zwischen HLA und bestimmten Erkrankungen

HLA Erkrankung Relatives Risiko*

* im Vergleich zu jemandem ohne dieses Merkmal

B8

Morbus AddisonSystemischer Lupus erythematodes

3,92,8

B13, B17

Schuppenflechte

4,7

B27

Morbus BechterewMorbus Reiter

87,437

DR2

Multiple Sklerose

4,1

DR3

Morbus AddisonDiabetes Typ 1Glutensensitive EnteropathieSjögren-SyndromSystemischer Lupus erythematodes

6,33,310,89,75,8

DR4

Diabetes Typ 1Rheumatoide Arthritis

6,44,2

DR11

Hashimoto-Schilddrüsenentzündung

3,2

Auswahl, Zahlen nach Thomas, Labor und Diagnose, 7. A. 2008

© 2008 Knaur Ratgeber Verlag, München

HLA-System - Medizinlexikon

Abk für engl. Human leucocyte antigen; zuerst auf der Oberfläche von Leukozyten (Dausset) 1956 gefundene, genet. determinierte u. mittels Antiseren nachweisbare Antigenstrukturen, später auch auf der Oberfläche zahlreicher anderer Gewebezellen nachgewiesen. Antigene des HLA-Systems (Nomenklatur mehrfach korrigiert) werden durch Allele codiert, die auf vier eng beieinanderliegenden Genorten auf dem kurzen Arm des 6. Chromosomenpaares lokalisiert sind. Loci werden als HLA-A, HLA-C, HLA-B u. HLA-D bezeichnet, sie sind Bestandteile des Majorhistokompatibilitätskomplexes (angegebene Reihenfolge entspricht ihrer Lage im Chromosomenabschnitt). Während die Genprodukte (Antigene) der Allele des A-, C- u. B-Lokus durch Antiseren erfaßt werden können (Gewebetypisierung als Vorleistung zur Transplantation) – Antiseren stammen von Multiparae, Multitransfundierten o. artifiziell Immunisierten –, wurden die Genprodukte des D-Lokus durch die gemischte Lymphozytenkultur (MLC) entdeckt. Danach wurden jedoch Antiseren gefunden, deren Testergebnisse zuerst an ein weiteres System denken ließen: Ia-Antigene (immune associated) wurden zuerst auf der Oberfläche von B-Lymphozyten gefunden. Später stellte sich heraus, daß die MLC-Resultate mit den durch Ia-Antiseren faßbaren Ergebnissen weitgehend übereinstimmten. Daher erfolgte in der Nomenklaturneufassung Umbenennung des Ia-Lokus in DR-Lokus (R für related). D- o. DR-Lokus sind ident. o. sehr eng miteinander gekoppelt. D- bzw. DR-Genprodukte befinden sich vorwiegend auf B-Lymphozyten sowie auf sensibilisierten T-Lymphozyten, ferner auf Epidermiszellen u. Spermien. Den Antigenen des A- u. B-Lokus wird eine Erkennungsfunktion für „fremd“ zugeschrieben (aber offenbar nicht für jedes fremde Antigen). Dem menschl. H. entsprechen Analoga bei Tieren: bei der Maus das H-System, das RhLA beim Affen. Prakt. Bedeutung erlangten vorwiegend Antigene des 1. u. 2. Lokus. Jeder Mensch besitzt für den 1. u. 2. HLA-Lokus je zwei, also insges. vier, zumeist versch. HLA-Antigene. Für den ersten Genort sind 19 allele Gene u. den 2. Genort 20 Allele bekannt. Daraus ergeben sich über 20 000 Kombinationsmöglichkeiten (Phänotyp) der HLA-Antigene. Die früher angestrebte HLA-Identität zwischen Spender u. Empfänger erweist sich aufgrund dieser Kenntnis als unmögl.

© Elsevier GmbH, München

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