Hüftgelenkluxation - Medizinlexikon
Synonyme:
Luxationshüfte
kommt erworben u. angeboren vor. Angeborene H.: Luxatio coxae congenita; auf der Grundlage einer Hüftgelenkdysplasie pränatal (selten) o. postnatal entstehende Subluxations- o. Luxationsstellung des Femurkopfs oberhalb des Azetabulums. Häufigster Bildungsfehler des menschl. Skeletts, weibl. zu männl.: 5 : 1. Unvollständig dominanter Erbgang in Zusammenwirken mit exogenen Faktoren. Häufiger einseitig. 3 Stadien: 1. Dysplasie des Hüftgelenks. Häufigste angeborene Fehlbildung mit fam. Häufung von etwa 20 %: flache, unterentwickelte Pfanne mit steilstehendem Pfannendach u. verzögerter Verknöcherung des proximalen Femurendes. Kollodiaphysenwinkel u. Antetorsionswinkel verstärkt. Durch ungenügenden Widerhalt wird der
Schenkelkopf durch Muskelkraft im 1. Lj. nach kranial aus der Pfanne bewegt: Übergang zum 2. Stadium: Subluxation. 3. Stadium: komplette Luxation. Ther.: 1. Dysplasie: Lagerung der Beine in Beugeabspreizstellung. Spreizbandage bzw. Spreizkissen. 2. Subluxation u. Luxation: Reposition, Retention im Gipsverband. Danach weiter wie Dysplasie. In allen 3 Stadien ist Heilung mögl. Unvollständige Gelenkentwicklung hat Bedeutung als präarthrot. Deformität. Optimale Behandlungsergebnisse sind im Dysplasiestadium zu erwarten. Deshalb Diagn. in diesem Stadium erforderl., i. a. werden sämtl. Neugeborene auf das Vorliegen einer Hüftluxation untersucht. Bei Bestehenbleiben der Luxation bzw. Dysplasie sind in frühester Kindheit operative Korrekturmaßnahmen erforderl., um die Gelenkentwicklung pos.
zu beeinflussen. Sympt.: 1. Hüftdysplasie: Einschränkung der Abduktionsfähigkeit bei gebeugtem Hüftgelenk, Glissement (Dupuytren-Zeichen), Ortolani-Zeichen. Großer Prozentsatz ohne klin. Sympt. Familienanamnese. 2. Subluxation u. Luxation: unterschiedl. starke Fehlhaltung des Säuglingsbeins in Beugeabduktionsaußenrotationsstellung,
Bewegungsarmut gegenüber der gesunden Seite. Abduktion eingeschränkt. Rotation u. Adduktion vermehrt mögl. Dem Ausmaß der Luxation entsprechende relative Beinlängenverkürzung. Trochanter major vermehrt konturgebend. Asymmetrie der Gesäßhälften. Hochstand der Adduktorenfalten auf der Innenseite des Oberschenkels. Im Kindesalter bei einseitigem Befall Beckentiefstand auf der erkrankten Seite infolge relativer Beinverkürzung, bei doppelseitigem Befall verstärkte Lordose infolge Rückverlagerung der Hüftgelenkachse. Durch Annäherung von Ursprung u. Ansatz der kleinen Gesäßmuskeln (Insuffizienz) entsteht Trendelenburg-Zeichen u. Trendelenburg-Hinken. Doppelseitige H.: Watschelgang. Diagnostik: endgültige Diagn. durch Röntgenaufnahme, zu deren Deutung versch. Hilfslinien hinzugezogen
werden, Shenton-Ménard-Linie, Gocht-Ménard-Shenton-Linie, Calvé-Linie, Hilgenreiner-Hilfslinie, Ombrédanne-Lot, Wiberg-Winkel. Oft in Kombination: Arthrogryposis multiplex congenita, Dysmelie, angeborener Klumpfuß, Torticollis u. als Bestandteil von Erbsyndromen: Ehlers-Danlos-Syndrom, Noonan-Syndrom, Incontinentia pigmenti, Ullrich-Turner-Syndrom, Ullrich-Nielsen-Syndrom, Bartenwerfer-Syndrom, Dreyfus-Syndrom, Minkowski-Chauffard-Gänsslen-Syndrom (Sphärozytose, hereditäre), Rossi-Syndrom. Erworbene H.: Verrenkung durch erhebl.,
meist indirekte Gewalteinwirkung bei Verkehrsunfällen, Sturz aus großer Höhe, Verschüttung. Formen: Luxatio iliaca, Luxatio pubica, Luxatio ischiadica, Luxatio obturatoria. Komplikationen: Pfannenrandabsprengungen: (Beckenbruch), Kompression der Femoralgefäße, Nervenlähmungen (N. ischiadicus u. N. femoralis).
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