von khatgyp
Hypothyreose - Medizinlexikon
Hypothyreoidismus, Myxödem, Gull-Krankheit, Schilddrüsenunterfunktion. Durch mangelnde Versorgung der Körperperipherie mit Schilddrüsenhormon verursachtes Krankheitsbild mit Stoffwechseldepression (Hypometabolismus), unphysiolog. Einlagerung von Mukopolysacchariden im Gewebe u. Einschränkung von Organfunktionen. Klassifizierung: Prim. H.: unzureichende Hormonproduktion der Schilddrüse. Sek. H.: TSH-Mangel u. fehlende thyreote Stimulation bei Hypophysenvorderlappeninsuffizienz (Hypophysenerkrankungen), häufig gleichzeitig Störungen der Gonaden u./o. Nebennierenrindenfunktion. Tertiäre H.: Ausfall von TRH infolge Hypothalamusläsion. Differenzierung der prim. H. in: angeborene H.: Schilddrüsendys- o. -aplasie, Hormonsynthesedefekte, periphere Hormonresistenz. Beim Neugeborenen fehlende o. geringe Sympt. (Ikterus prolongatus, Makroglossie), nach 3–5 Wochen charakterist. Sympt. (Bewegungsarmut, Trinkunlust, Obstipation), psych. Retardierung, Intelligenzminderung, Minderwuchs u. Ossifikationsstörungen, muskulärer Hypotonie u. Ausbildung einer trockenen, rauhen Haut mit verdicktem Unterhautfettgewebe (Myxödem, nicht obligator.). Bei rechtzeitiger Ther. normale Entwicklung, daher Screening aller Neugeborenen, TSH-Screening. Die angeborene H. ist die häufigste Endokrinopathie im Kindesalter. Inzidenz etwa 1 : 3 500. Erworbene H.: Kann mit o. ohne Struma vorkommen. Ursachen: Ausfall von funktionstüchtigem Schilddrüsengewebe durch Neoplasien, Operation, Strahlenbehandlung (thyreoprive H.); autoimmunolog. nach Hashimoto-Thyreoiditis; Überdosierung antithyreoidaler Medikamente, strumigene Substanzen, extremer Iodmangel. Abgrenzung einer subklin. H. von der klin. manifesten H. ist zunehmend wichtig. Die klin. Sympt. der prim. H. im Erwachsenenalter ist vielfältig, beginnt meist schleichend u. gibt Anlaß zu Fehldiagnosen. Frauen erkranken etwa achtmal häufiger als Männer. Das Anfangsstadium ist mono- bzw. oligosymptomat.: Antriebsmangel, Trägheit, Leistungsminderung, Müdigkeit sowie trockene, kühle Haut mit teigigen Schwellungen, bes. im Gesicht, den Unterschenkeln u. an Hand- u. Fußrücken, mit gelbl. Kolorit; Bradykardie mit Herzdilatation (Myxödemherz); muskuläre Ermüdbarkeit (hypothyreote Myopathie), Heiserkeit u. tiefe Stimme sowie Hypercholesterinämie u. eine meist normochrome Anämie. Diagn. der H.: laborchem. durch Bestimmung von T4 bzw. ETR (erniedrigt). TSHbasal (erhöht bei prim. H., vermindert bei sek. H.) sowie TRH-Stimulationstest (sehr hohe Differenz zwischen TSHbasal u. TSHstimuliert); T3-Serumspiegel ist zur Diagnostik der H. weniger geeignet. Humorale Immunphänomene pos., wenn eine Autoimmunerkrankung Ursache der Schilddrüsenunterfunktion ist. Die Ther. der H. besteht in einer ausreichenden Substitution mit Schilddrüsenhormonen. Bei unerkannter bzw. unzureichend behandelter H., nach Hypophysenoperation ohne ausreichende postoperative Hormonsubstitution kann sich durch Traumen, Infekte, Operationen o. Kälteeinwirkung ein hypothyreotes Koma ausbilden. Abb.
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