Immunglobuline (Antikörper, IgA, IgD, IgE, IgG, IgG-Subklassen, IgM) - Laborwerte-Lexikon
Referenzbereich Blut [GN; TLD]
IgA:
- Erwachsene: 0,7–4 g/l
- Kinder 5–10 Jahre: 0,41–2,97 g/l
- Kinder 10–15 Jahre: 0,44–4 g/l
IgD: 0,03–0,14 g/l
IgE (Gesamt-IgE):
- Erwachsene: < 240 µg/l
- Kinder 5–10 Jahre: < 216 µg/l
- Kinder 10–15 Jahre: < 480 µg/l
IgG (Gesamt-IgG):
- Erwachsene: 7–16 g/l
- Kinder 5–10 Jahre: 5–13 g/l
- Kinder 10–15 Jahre: 4–14 g/l
IgM:
- Erwachsene: 0,4–2,3 g/l
- Kinder 5–10 Jahre: 0,4–1,6 g/l
- Kinder 10–15 Jahre: 0,4–1,5 g/l
Referenzbereich Speichel [GN; TLD]
Sekretorisches IgA: 0,08–0,2 g/l
Hintergrund
Immunglobuline oder Antikörper sind Eiweißmoleküle, die von B-Lymphozyten oder genauer den aus diesen hervorgehenden Plasmazellen als Antwort auf Antigene aller Art produziert werden. Im Regelfall sind dies potenzielle »Angreifer« wie Bakterien oder Viren, es können aber auch Antikörper gegen Pollen oder körpereigene Strukturen gebildet werden. Die Immunglobuline leiten dann weitere Abwehrvorgänge ein.
Alle Immunglobuline bestehen aus einer gemeinsamen Grundstruktur: Zwei leichte und zwei schwere Aminosäureketten bilden zusammen ein Y. Von den schweren Ketten gibt es neun verschiedene Typen, von den leichten nur zwei.
IgA (Antikörper der Klasse IgA) findet sich im Blut und in den Flüssigkeiten der Schleimhäute (z.B. in Tränen, Speichel, Bronchial- und Darmschleim). Das Blut-IgA und das sekretorische IgA der Schleimhäute werden getrennt voneinander produziert. Der IgA-Spiegel im Blut erlaubt deshalb keine zuverlässigen Rückschlüsse auf den IgA-Spiegel der Schleimhäute. Zur Bestimmung des IgA auf den Schleimhäuten wird meist eine Speichelprobe untersucht. Ein Mangel an sekretorischem IgA kann gehäufte Schleimhautinfektionen, aber auch Autoimmunerkrankungen zur Folge haben.
IgD (Antikörper der Klasse IgD) kommt mit IgM auf B-Lymphozyten vor. Seine genaue Funktion ist nicht bekannt.
IgE (Antikörper der Klasse IgE) vermittelt die Allergien vom Typ I und ist an der Parasitenabwehr beteiligt. Entsprechend ist es bei Allergien und Parasitenerkrankungen oft erhöht. Erhöhte Gesamt-IgE-Spiegel beweisen aber keine Allergien, und umgekehrt kann trotz normaler IgE-Spiegel eine Allergie vorliegen. Auch das allergenspezfische IgE, also die gegen ein ganz bestimmtes Antigen gebildeten IgE, muss nicht mit den Beschwerden des Patienten übereinstimmen.
IgG (Antikörper der Klasse IgG) macht mengenmäßig den größten Anteil der Immunglobuline aus. Es kommt in Blut und in anderen Körperflüssigkeiten vor. Nach Erstkontakt mit einem Antigen wird IgG erst als zweiter Antikörper nach IgM gebildet, nach einem erneuten Kontakt später aber sehr schnell. Das Gesamt-IgG gliedert sich in vier IgG-Subklassen, IgG1, IgG2, IgG3 und IgG4. Welche Subklasse im Rahmen der Immunantwort gebildet wird, hängt vor allem vom Antigen ab.
IgM (Antikörper der Klasse IgM) ist im Blut und in den Körperflüssigkeiten zu finden. Es ist der erste Antikörper, der nach Erstkontakt mit einem Antigen gebildet wird. Nach einem abermaligen Kontakt wird kein IgM mehr gebildet. IgM weist deshalb eine frische Infektion nach. Auch die Blutgruppenantikörper im AB0-System und Rheumafaktoren sind IgM-Antikörper.
In der Bluteiweiß-Elektrophorese wandern die Immunglobuline überwiegen in der Gamma-Globulin-Fraktion. Die einzelnen Immunglobuline können in Speziallabors mengenmäßig bestimmt werden. Diese Untersuchungen sind recht aufwendig und teuer und gehören nicht zur Basisdiagnostik.
Bestimmung im Blut
- Verdacht auf Immundefekt
- (Erweiterte) Allergiediagnostik
- Verdacht auf monoklonale Gammopathie, z.B. Plasmozytom
- Chronische Infektionen, nicht-infektiöse Entzündungen und Autoimmunerkrankungen
- Chronische Lebererkrankungen
- Auffällige Bluteiweiß-Elektrophorese
- Nach Knochenmarktransplantation
- Bei Immunsuppression
- Verdacht auf eine Infektion bei Neugeborenen
Übersicht Immunglobulinveränderungen
| Erhöht | Erniedrigt | |
|---|---|---|
| IgA |
|
|
| IgD |
|
|
| IgE |
|
|
| IgG |
|
|
| IgM |
|
|
Immunglobulin-Erhöhung
- Infektionen
- Autoimmunerkrankungen (z.B. Kollagenosen, rheumatische Erkrankungen)
- Lebererkrankungen
- Monoklonale Gammopathie, z.B. bei Plasmozytom .
Immunglobulin-Eniedrigung
- Bösartige Tumoren (insbesondere lymphatische Leukämien und Lymphome)
- Behandlungen, die zu einer Unterdrückung des Abwehrsystems führen, z.B. Immunsuppressiva , Zytostatika , Strahlenbehandlung
- Bestimmte Infektionen wie Masern, Röteln, Ebstein-Barr-Viren, Zytomegalie, HIV, Tuberkulose
- Eiweißverlust bei Nierenkrankheiten, über den Darm oder bei ausgedehnten Verbrennungen
- Schwere Verdauungsstörungen und Mangelernährung
- Angeborener (primärer) Immunglobulinmangel, der ein Immunglobulin isoliert oder mehrere betreffen kann.
© 2008 Knaur Ratgeber Verlag, München
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