Knochenmark - Medizinlexikon

Synonyme: Medulla ossium

Weichgewebe im Innenraum der Knochen. Der Rauminhalt steigt von ~ 60 ml beim Neugeborenen auf ~ 1 400 ml beim Erwachsenen. Funktionell ist das K. als einheitl. Organ aufzufassen. Seine Gesamtmasse beträgt beim Erwachsenen ~ 2 500 g (1 600–3 700 g). Makrosk. zu unterscheiden: 1. gelbes K. (Medulla ossium flava), Fettgewebe, 2. rotes K. (Medulla ossium rubra), Blutbildungsgewebe (Textus haemopoeticus), Rotfärbung durch viele Erythrozyten. Anteilmäßig machen beide etwa die Hälfte aus. Das Fettmark kann bei bes. Anforderungen an die Blutbildung o. bei pathol. Prozessen weitgehend durch hämatopoet. Mark ersetzt werden (Reservefunktion). Im kindl. Knochen findet sich fast ausschließl. rotes, hämatopoet. Mark. Beim Erwachsenen ist dieses vorwiegend in Brustbein, Rippen, Beckenknochen, platten Schädelknochen, Wirbelkörpern, Hand- u. Fußwurzelknochen zu finden. In ein Maschenwerk (Stroma) ist das hämatopoet. Parenchym eingelagert. Das Stroma umfaßt das Endost, ein Faserwerk aus Retikulumzellen u. retikulären Fasern. Das hämatopoet. K. zeichnet sich durch einen starken Gefäßreichtum aus. Das Parenchym steht in enger Beziehung zu den Knochenmarksinus. Die eigentl. Blutbildung erfolgt extravasal. Die Zellzusammensetzung des hämatopoet. K. ist in versch. Knochen nahezu konstant, insbes. die Relation zwischen Granulo- u. Erythrozytopoese (G/E-Index). Neben Erythrozyten u. Granulozyten werden Thrombozyten (System, thrombozytäres) gebildet u. an das zirkulierende Blut abgegeben. Im K. finden sich auch zahlreiche lymphat. Zellen einschl. der Plasmazellen. Damit spielt das K. eine wichtige Rolle bei Immunreaktionen sowie der Bildung von Serumeiweißen (Gammaglobuline). Die Blutbildung im K. ist zahlreichen regulativen Einflüssen unterworfen (Wachstumsfaktoren, Inhibitoren, Chalone). Einen bes. Bildungsreiz für die Erythrozytopoese stellt die Hypoxämie dar. Zellbildung u. Zellabgabe an das zirkulierende Blut müssen nicht parallel gehen (ineffektive Blutbildung). Normalerweise ist das relative Zellpackungsvolumen in den Knochenmarksinus für die Abgabe von Erythrozyten der entscheidende Regelfaktor. Auf die Blutbildung nehmen auch die Stromazellen Einfluß (sog. „Mikromilieu“). Wegen des hohen Zellumsatzes ist das K. bes. empfindl. gegen endogene u. exogene Noxen. Tab. Histol. Innerhalb des retikulären Bindegewebenetzes aus Retikulumzellen u. einem feinen Fasergitter (Retikulinfasern) entwickeln sich alle Blutzellen aus einer gemeinsamen hämatopoet. Stammzelle (Progenitorzellen, Hämozytoblast, morphol. nicht unterscheidbar). In den Interzellularräumen liegen Vorstufen u. reife Zellformen von Erythrozyten, Granulozyten, Lymphozyten, Monozyten, Plasmazellen u. Megakaryozyten (Knochenmarkriesenzellen). Die Bildung der Erythrozyten (Erythrozytopoese) erfolgt über Proerythroblasten u. versch. Formen der Erythroblasten. Während der Entwicklung der Granulozyten (Granulozytopoese) entstehen: Myeloblasten, Promyelozyten, Myelozyten u. Metamyelozyten (3 Formen). Megakaryozyten entstehen aus Megakaryoblasten, Plasmazellen aus B-Lymphozyten, Monozyten aus Monoblasten, Thrombozyten aus Megakaryozyten u. die versch. Formen der Lymphozyten aus Lymphoblasten: T-Lymphozyten werden vom K. zur Thymusrinde transportiert u. nach „Reifung“ z. T. in lymphat. Organe befördert. B-Lymphozyten erreichen die Nodi lymphatici (Lymphknötchen) der lymphat. Organe. Die „Reifung“ der B-Lymphozyten erfolgt bereits im K. (Blutbildung). Die Beurteilung des Zustands des K. erfolgt durch Untersuchung des gefärbten zytolog. o. histol. Knochenmarkpräparates, Myelogramm. Tab. Abb.

Knochenmark. Histologischer Schnitt durch eine Rippe, Färbung nach Goldner; oben ein Spongiosabälkchen, darunter K. mit Fettzellen u. Blut- bzw. Blutbildungszellen (Pfeil)
Knochenmark. Histologischer Schnitt durch eine Rippe, Färbung nach Goldner; oben ein Spongiosabälkchen, darunter K. mit Fettzellen u. Blut- bzw. Blutbildungszellen (Pfeil)

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