Leukämie - Medizinlexikon

Synonyme: „Weißblütigkeit“

von Virchow (1845) in die med. Lit. eingeführte Sammelbezeichnung für maligne Systemerkrankungen, die mit einer Vermehrung weißer Blutzellen im peripheren Blut einhergehen. Der Leukämiebegriff ist histor. einem starken Wandel unterworfen. Heute verstehen wir unter L. proliferative Erkrankungen einer o. mehrerer Zellreihen der Blutbildung i. S. der neoplast. Transformation mit überwiegend ungünstiger Progn. Blutstammzellen können auf versch. Entwicklungsebenen zur malignen Entdifferenzierung kommen. Danach können reinzellige u. mischzellige Erkrankungsformen unterschieden werden (myeloproliferative Erkrankungen). Je nach Grad der Ausdifferenzierung unterscheidet man unreifzellige (akute) u. reifzellige (chron.) L. Da die Ausschwemmung entdifferenzierter Zellen aus dem Knochenmark ein fakultatives Sympt. ist, verwendete Rohr den Begriff Leukose, der durch die Adj. leukäm., subleukäm., aleukäm. ergänzt wird. Die Ätiol. menschl. L. ist nicht geklärt. Offensichtl. handelt es sich um ein komplexes Zusammenwirken genet. u. exogener Faktoren; bei den letzteren ionisierende Strahlung, chem. Leukämogene (z. B. Benzen) u. RNA-Viren. Die Einteilung der L. erfolgt mit Hilfe zytomorpholog., zytochem., immun. u. zytogenet. Methoden (Tab.). Die Krankheitserscheinungen sind bei versch. Leukämieformen sehr variabel. Sowohl das Knochenmark als auch alle anderen Organe können von den malignen Zellen infiltriert werden. Durch den funktionellen Ausfall von Blutzellen kommt es zur Insuffizienz des Sauerstofftransports (Anämie), der Abwehrfunktion (Infektneigung) sowie der Hämostase (Blutungsbereitschaft). Eine bes. Manifestationsform sind leukäm. Hautinfiltrationen (Leucaemia cutis), die umschrieben o. auch generalisiert (Leucaemia universalis cutis) auftreten können. Leukäm. Erythrodermien sind gegen die Mycosis fungoides u. das Kaposi-Syndrom (Sarcoma idiopathicum multiplex haemorrhagicum) abzugrenzen. Tumorbildende Leukämieformen wurden auch als Leukosarkomatose bezeichnet. Klassifikation der akuten lymphat. L. (ALL) u. der akuten myelo. L. (AML) entspr. dem Vorschlag der French-American-British Cooperative Group, FAB-Klassifikation. Abb. 1 u. 2. Tab.

Leukämie (Abb. 1). Zytochemische Differenzierung nach Löffler
Leukämie (Abb. 1). Zytochemische Differenzierung nach Löffler
Leukämie (Abb. 2). Blutausstrich, Pappenheim-Färbung; ausgeprägte Leukozytose bei chronischer myeloischer Leukämie, verschiedene Reifestufen vom Promyelozyten (Pfeil) bis zum segmentkernigen Granulozyten
Leukämie (Abb. 2). Blutausstrich, Pappenheim-Färbung; ausgeprägte Leukozytose bei chronischer myeloischer Leukämie, verschiedene Reifestufen vom Promyelozyten (Pfeil) bis zum segmentkernigen Granulozyten

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