von fliege12
Milz - Medizinlexikon
Splen (gr.), Lien (lat.). Anat. größtes in den Blutkreislauf eingeschaltetes lymphat. Organ; liegt in der Bauchhöhle im li. Hypochondrium in Höhe der 9.–11. Rippe. Maße: 11 · 7 · 3 cm, Gew.: etwa 150–200 g. Die M. ist von kirschroter bis blauvioletter Farbe u. von weicher Konsistenz. Bis auf den medial liegenden Hilus wird sie von Peritoneum umhüllt. Ihre Angrenzungen sind Zwerchfell, Magen, Pankreas u. li. Kolonflexur. Histol. sek. peripheres, lymphoides Organ. Außen: Peritoneum (Tunica serosa). Darunter: Bindegewebekapsel (Tunica fibrosa) von der Balken (Trabecula splenica) nach innen ziehen; zwischen ihnen: Milzpulpa (Pulpa splenica), unterteilt in: 1. weiße Pulpa (Pulpa alba): PALS (periarterielle lymphat. Scheide, Vagina periarterialis lymphatica), Malpighi-Körperchen (Lymphonodulus splenicus), 2. rote Pulpa (Pulpa rubra): venöse Milzsinus (Sinus venularis), Milzretikulum (Reticulum splenicum). Genauere Struktur: 1. a) PALS, zylindr. Lymphozytenansammlung um die A. pulpae albae, die unmittelbar aus der Trabekelarterie entspringt; fast ausschließl. T-Lymphozyten u. T-Helferzellen; b) Malpighi-Körperchen, knötchenförmige Verdickung der Lymphscheide (vor der Aufzweigung der A. lymphonoduli) mit Keimzentrum (Centrum germinale) u. dunklem Rand (Korona); B-Lymphozyten u. B-Immunoblasten; 2. a) Milzsinus, weitlumig, Wand aus spindelförmigen Endothelzellen (Endotheliocytus fusiformis), gestützt von Ringfasern (Fibra reticularis annularis). Zwischen den Endothelzellen große Lücken; b) Milzretikulum, Gerüst aus Retikulumzellen, das sich um die Sinus zu Pulpasträngen (Chorda splenica) verdichtet. Während die Trabekel der menschl. M. nur ganz vereinzelt Muskelzellen enthalten, sind in den Trabekeln von Fleischfressern zahlreiche, glatte Muskelzellen vorhanden. Durch Kontraktion dieser Zellen wird bei Volumenverkleinerung der M. ein Teil des Blutes in den Kreislauf überführt (Speichermilz). Die M. ist in den Blutkreislauf eingeschaltet, so daß die mikrosk. Organisation erst nach Kenntnis der Milzgefäße verständl. wird. Sie steht im Dienste der Erythrozytenmauserung. Während der Embryonalperiode werden vorübergehend hier alle Blutzellen gebildet, postembryonal entstehen unter normalen Bedingungen Lymphozyten. Gealterte Erythrozyten u. Thrombozyten werden abgebaut (Phagozytose von Erythrozyten in Retikulumzellen unter Bilirubinbildung). Ferner hat die M. eine Abwehrfunktion (Phagozytose von Bakterien, Bildung von Immunglobulinen, Hemmung des Tumorwachstums, Abstoßung von Transplantaten). Die Milzfollikel sind die Proliferationsstätten von Lymphozyten nach hämatogen erfolgtem Antigenstimulus. T-Zellblasten entwickeln sich unmittelbar um die periarterielle Scheide der sich gabelnden Arteriolen (weiße Milzpulpa), die B-Zellblasten (Germinoblasten) proliferieren mehr in der Peripherie der Follikel. Nach Splenektomie wird eine signifikante Verminderung des IgM-Spiegels u. Anstieg von IgG- u. IgA-Spiegel beobachtet. Verminderung der Phagozytoseleistung u. IgM-Erniedrigung werden für erhöhte Infektanfälligkeit nach Splenektomie insbes. bei Kindern verantwortl. gemacht. Abb. 1 bis 3.
1: Extremitas posterior; 2: Facies visceralis; 3: Ligamentum phrenicosplenicum (Schnittrand); 4: Hilum splenicum; 5: V. lienalis; 6: A. lienalis; 7: Margo inferior; 8: Facies diaphragmatica; 9: Margo superior
1: Tunica fibrosa mit Peritoneum; 2: Trabekel; 3: Trabekelarterie; 4: A. pulpae albae mit PALS; 5: A. lymphonoduli im Malpighi-Körperchen; 6: Pinselarteriole; 7a: Hülsenarteriole; 7b: Endkapillaren; 8: Milzsi
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