Niere, künstliche - Medizinlexikon

Gerät zur extrakorporalen Hämodialyse (Dialyse); Apparatesystem zur Entfernung von harnpflichtigen Substanzen, anderen Giften u. Wasser aus dem Organismus. Durch med.-techn. Verfahren erfolgt mittels der k. N. Ersatz der exkretor. Nierenfunktion. Erste k. N. für Tierversuche 1913 (Abel, Rowntree u. Turner, USA), erste erfolgreiche Anwendung am Menschen 1943 (Kolff, Holland). Das Blut wird aus dem Arm (arteriovenöse Fistel, implantiertes Verbindungsstück) entnommen, über eine Blutpumpe dem Dialysator zugeführt u. von dort wieder in den Körperkreislauf geleitet. Im Dialysator (Schlauch-, Spulen-, Platten-, Kapillardialysatoren) tritt das Blut über eine dünne semipermeable Membran (~ 20 ?m) mit dem Spülmittel (Dialysat) in Kontakt. Dabei treten infolge der Konzentrationsunterschiede im Blut Dialysat durch Diffusion, Harnstoff, Anionen von organ. Säuren, Chloridanionen, Kationen u. Wasser (in spez. Fällen auch Gifte) vom Blut in die Spülflüssigkeit über. Das Dialysat unterliegt ebenfalls einem Umlauf. Entweder werden etwa 0,5 l Dialysat/min ständig neu zugeführt, o. es durchlaufen etwa 20 l/min einen Spulendialysator, wobei ebenfalls 0,5 l/min ständig neu zugeführt werden. Das Dialysat wird aus einem Konzentrat durch Wasserzusatz gewonnen u. ständig auf Körpertemperatur erwärmt. Blutdruck vor dem Dialysator, Temperatur u. das Dialysat (Blut bei Membrandefekten) werden ständig überwacht. Nach der Aufbereitungsart der Dialysierlösung werden Tankgeräte (manuelle Herstellung des Dialysats) u. die Lösung automat. herstellende k. N. unterschieden. Bevorzugt werden heute vollmonitorisierte mobile Geräte mit individueller Aufbereitung des Dialysats sowohl für akute Notfalldialysen wie auch für chron. Dialysebehandlung, die eine wahlweise Anwendung unterschiedl. Dialysatoren gestatten. Ind.: 1. akutes Nierenversagen, Anurie (Schockniere), Elektrolytentgleisungen, Kalium- u. Wasserintoxikation (Lungenödem), 2. Überbrückung anur. Zustände (Crushniere, Verbrennungen, Unfälle, postoperative Anurien), 3. chron. Dialysen bei irreversiblen Nierenschäden, Pyelonephritis, Schrumpfniere, Zystenniere.

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