Niereninsuffizienz - Medizinlexikon

hochgradige Einschränkung der Nierenfunktion mit Retention harnpflichtiger Substanzen, Störungen des Elektrolyt- u. Wasserhaushalts sowie des Säure-Basen-Haushalts. Bei der globalen N. liegt in jedem Fall eine Verminderung der glomerulären Filtrationsleistung u. – je nach Ursache – eine Störung der tubulären Funktionen vor. Von der globalen N. muß die partielle Insuffizienz abgegrenzt werden, bei der best. Tubuluspartialfunktionen gestört sind, ohne daß eine Retention harnpflichtiger Substanzen besteht. Im fortgeschrittenen Stadium mündet die globale N. in die Urämie. Nach der klin. Verlaufsform unterscheidet man die akute u. chron. N. Akute N.: Für dieses Krankheitsbild hat sich allg. die Bez. akutes Nierenversagen durchgesetzt. Es kommt zu einem plötzl. Versagen der exkretor. Nierenfunktion, meist als Komplikation eines extrarenalen, selten eines renalen Grundleidens. Das akute Nierenversagen ist häufig reversibel. Typ. ist das plötzl. Auftreten einer Oligoanurie. Neben den zirkulator.-ischäm. Hauptursachen (Schockniere) durch Blutdruckabfall infolge posttraumat., sept. u. postoperativer Schockzustände kommen tox. Ursachen in Frage (endogene Toxine, exogene Toxine, Medikamente). In den Ursachenkomplex der endogenen Toxine gehört auch das Crush-Syndrom, bei der es sich durch den Zerfall größerer Muskelmassen bei Traumen (Quetschungssyndrom, Kompressionssyndrom) um eine akute tubuläre Anurie handelt. Renale Krankheiten als Ursachen des akuten Nierenversagens (entzündl. u. vaskuläre Nephropathien) findet man in höchstens 3 %. Tubulusnekrosen, die dem akuten Nierenversagen über Jahre den Namen gaben, findet man sehr selten. Pathogenet. handelt es sich beim akuten Nierenversagen um intrarenale Störungen. Trotz der sehr unterschiedl. Ätiol. des akuten Nierenversagens zeigt sich klin. ein typ. vierphasiger Verlauf (Schädigungsphase, oligoanur. Phase, polyur. Reparationsphase, Rekonvaleszenzphase). Chron. N.: langsame Entwicklung der N. mit mehr o. weniger ausgeprägten anamnest. Hinweisen. Jede chron. Nierenkrankheit kann bei zunehmender Einschränkung der Nierenfunktion zur chron. N. führen. Der Häufigkeit nach liegen die diabet. Nephropathie, die Glomerulonephritis, die interstitielle Nephritis u. Zystennieren weit an der Spitze. Während zu Beginn der chron. N. entspr. dem Grundleiden klin. Variationen auftreten, entwickelt sich mit zunehmender Verschlechterung der Nierenfunktion bis hin zur Urämie ein immer gleichförmigeres Bild der allg. Intoxikation. Die chron. N. kann in 4 Stadien eingeteilt werden: Stadium der vollen Kompensation (eingeschränkte Nierenleistungsbreite), Stadium der kompensierten Retention (beginnende Retention harnpflichtiger Substanzen, Azotämie), Stadium der dekompensierten Retention (Präurämie), Terminalstadium (Urämie). Im Terminalstadium entwickelt sich u. a. häufig ein Lungenödem Flüssigkeitslunge. In den ersten 3 Stadien der chron. N. ist die konservative Ther. (eiweißarme Diät, symptomat. medikamentöse Maßnahmen) u. im Terminalstadium die Dialyse bzw. Nierentransplantation indiziert. Extrarenale N.: aufgrund extrarenaler Krankheiten kann es zur Einschränkung der glomerulären Filtration bis zum Auftreten einer N. kommen. Derartige Krankheiten sind u. a. die kardiale Dekompensation, Flüssigkeits- u. Elektrolytverluste durch massives Erbrechen (z. B. bei Pylorusstenosen) o. gehäufte Durchfälle, Exsikkose bei ungenügender Flüssigkeitszufuhr u. die unkontrollierte Einnahme von Diuretika mit nachfolgender Polyurie. Werden die extrarenalen Störungen nicht beseitigt, kann sich aus der extrarenalen N. ein akutes Nierenversagen entwickeln. Die genannten extrarenalen Faktoren können bei einer bereits bestehenden N. zu einer Verschlechterung der Nierenfunktion führen. Postrenale N.: mechan. Verlegung der ableitenden Harnwege (Steine, Tumoren, Bestrahlungsfibrosen, Ureterligatur, Blutgerinnsel, Prostatahypertrophie, Harnröhrenstriktur usw.). Obwohl ebenfalls wie bei akutem Nierenversagen eine Anurie mit weitgehend ident. klin. Sympt. besteht, müssen beide Krankheitsbilder aufgrund der pathol. Faktoren getrennt werden.

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