Nystagmus - Medizinlexikon

Synonyme: Augenzittern Augenschlagen

unwillkürl. rhythm. Augenbewegungen in best., sich wiederholende Richtungen. Es gibt physiol. u. pathol. Formen. Physiol. N.: 1. optokinet. N.: beim Verfolgen von bewegten Gegenständen, z. B. beim Blick aus dem fahrenden Zug (Eisenbahnnystagmus). Kann durch Geräte zur objektiven Prüfung der Sehschärfe benutzt werden. Optokinet. N. fehlt bei manchen Großhirnerkrankungen. 2. Vestibulärer N.: durch mechan. Reizung der Bogengänge bei Rotation des Körpers. Während der Rotation in Drehrichtung (Drehungsnystagmus), nach Stillstand in Gegenrichtung (Drehnachnystagmus). 3. Kalor. N.: durch kalor. Reizung der Bogengänge. Bei Warmspülung des Gehörgangs in gleiche Richtung, bei Kaltspülung in Gegenrichtung. 4. Galvan. N.: Bei elektr. Reizung im Ohrbereich ist N. zur Kathode gerichtet. 5. Endstellnystagmus: entsteht bei 60 % aller Menschen bei extremem Blick nach den Seiten u. beim Einhalten ungewöhnl. Blickrichtungen. Pathol. N.: Je nach Ausgangslage wird ein Spontannystagmus (schon in Ruhestellung der Augäpfel), Blicknystagmus (erst beim Blick in best. Richtungen, im Ggs. zur Endstellnystagmus) u. Lagenystagmus (in Abhängigkeit von versch. Kopf- bzw. Körperlagen auftretend) unterschieden. Nach der Art des N. gibt es Rucknystagmus, der aus einer schnellen Komponente u. einer langsamen Gegenbewegung besteht, bei dem die Richtung nach der auffälligen ruckenden Komponente bezeichnet wird, u. Pendelnystagmus, der in beide Richtungen gleich schnell abläuft. Nach der Richtung kann er horizontal, vertikal o. rotator. sein (auch oszillierend). Angeborenen N. gibt es bei allen Formen der gestörten beidäugigen Fixation (z. B. angeborene Optikusatrophie u. bei angeborenen Hirnschädigungen). Erworbenen N. gibt es bei Erkrankungen des Hirns, des Labyrinths u. der Medulla sowie des Nervus statoacusticus (multiple Sklerose, Friedreich-Ataxie, Kleinhirntumoren, bes. im Bereich des Archezerebellums, d. h. des Hinterteils des Wurms, Barbituratsäurevergiftung, Labyrinthitis, Ménière-Krankheit, Neuritis nach Tumoren). Der Drucknystagmus entsteht durch Luftdruckschwankungen im Gehörgang, falls diese durch eine Fistel auf das Labyrinth übertragen werden können. Der Bergarbeiternystagmus trat nach langjähriger Arbeit unter Tage auf (evtl. komb. mit Zwinkern u. Blepharospasmus). Assoziativer N.: Schlagrichtung u. Intensität an beiden Augen gleichmäßig. Blickparet. N.: bei Schwächung best. Augenmuskeln, z. B. durch multiple Sklerose. Bulbärer N.: rotierender N. bei bulbären Störungen, bei rechtsseitiger Läsion entgegengesetzt zum Uhrzeiger, bei linksseitiger in Uhrzeigerrichtung. Diagonaler N.: Kombination von Vertikal- u. Horizontalnystagmus. Dissoziativer N.: Schlagrichtung des einen Auges verläuft anders o. sogar entgegengesetzt derjenigen des anderen Auges (qualitativer dissoziativer N.) bzw. es besteht ein Intensitätsunterschied des N. beider Augen (quantitativer dissoziativer N.).

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