Odontogenese - Medizinlexikon

Synonyme: Odontogenesis

Zahnentwicklung. Aus dem Epithel der primitiven Mundhöhle senkt sich durch Proliferation eine bogenförmige Epithelleiste entspr. den späteren Zahnbögen in das darunterliegende Gewebe, generelle Zahnleiste. Aus ihr entstehen die Milchzähne. Aus Sprossungen dieser generellen Zahnleiste entstehen die Anlagen der Ersatzzähne (bleibende Frontzähne u. Prämolaren), Ersatzzahnleiste. Infolge Distalsprossung entstehen die Zahnanlagen der bleibenden Molaren, Zuwachszähne. Durch weitere Proliferation entwickelt sich für jeden Zahn, allerdings mit erhebl. zeitl. Differenzen, ein glockenförmiges Gebilde, in dem Differenzierungsvorgänge ablaufen: inneres Schmelzepithel = Schicht der Ameloblasten (Enameloblast), Stratum intermedium, Schmelzpulpa, äußeres Schmelzepithel. Während der Entwicklung des Schmelzorgans erfolgt eine Mesenchymverdichtung um das Schmelzorgan herum (Zahnsäckchen) u. im Inneren der Glocke (Zahnpapille). Das Zahnsäckchen hat eine nutritive Funktion. Nach Differenzierung der Ameloblasten werden aus den Fibrozyten der Papille Dentinoblasten differenziert, zwischen beiden Membrana praeformativa, die dem späteren Verlauf der Schmelz-Dentin-Grenze entspricht. Beginnend mit dem Dentin werden schichtweise die organ. Matrix von Dentin u. Schmelz (Prädentin, Präschmelz) produziert u. anschließend mineralisiert. Dabei entstehen charakterist. Anbaulinien: Owen-Konturlinien im Dentin, Retzius-Streifen im Schmelz. Nach Abschluß der Kronenbildung verkleben inneres u. äußeres Schmelzepithel u. bilden das prim. Schmelzoberhäutchen. Gleichzeitig erfolgt an der Umschlagstelle von innerem u. äußerem Schmelzepithel (spätere Schmelz-Zement-Grenze) erneute Proliferation (Hertwig-Epithelscheide), welche die Wurzelbildung einleitet u. deren Form vorgibt. Innerhalb der Scheide kommt es zur Odontoblastendifferenzierung u. Dentinbildung, außerhalb u. nach Auflösung der Scheide zur Differenzierung von Zementoblasten u. Osteoblasten, Entwicklung des Parodontiums, dessen eigentl. Formung erst unter der Funktion erfolgt, Ausrichtung der Sharpey-Fasern. Das Wurzelwachstum geht erst nach Einordnung des Zahns in die Zahnreihe in die Tiefe u. ist erst einige Zeit danach abgeschlossen. Das Charakteristische des Zahnschmelzes ist sein geringer Gehalt an organ. Substanz (2–4 %) u. die Mikrostruktur in Form miteinander verdrillter Prismen, die in leicht geschwungener Form von der Schmelz-Dentin-Grenze zur Oberfläche verlaufen (Durchmesser 4–8 ?m). Im Schliffbild wechseln quer- u. längsgetroffene Prismen ab (Dia- u. Parazonien, Hunter-Schreger-Streifung). Die Prismen weisen eine dem Mikroanbaurhythmus entsprechende Quer- u. Parallelstreifung auf. Die Mikrostruktur des amorphen Dentins wird durch die Dentinkanälchen bestimmt. Sie enthalten die langen Fortsätze der Dentinoblasten, die z. T. bis in den Schmelz reichen (Schmelzkolben, Schmelzspindeln). Besonderheit des Dentins ist das Globulardentin mit den Interglobularräumen dicht unterhalb der Schmelz-Dentin-Grenze, im Wurzeldentin Tomes-Körnerschicht. Im Ggs. zum Schmelz ist die Dentinbildung nicht mit der Zahnentwicklung abgeschlossen. Nach Formierung des Zahns (Primärdentin) wird in der Funktionsperiode kontinuiertl. Dentin gebildet u. so der Pulparaum verkleinert (Sekundärdentin) sowie das Lumen der Dentinkanäle verringert. Bei Reizeinwirkung, z. B. Karies, kommt es zu überstürzter Dentinbildung mit irregulären Strukturen (Tertiärdentin). Das Zement ist zunächst zellfrei, jüngere Schichten enthalten eingeschlossene u. untergegangene Zementoblasten. Die kollagenen Fasern des Halteapparats sind im Zement verwachsen. Die Pulpa ist ein zunächst gallertartiges Bindegewebe, das im Zuge der Biomorphose mehr u. mehr zu einem derben Bindegewebe infolge Vermehrung der kollagenen Fasern wird. Die Grobform der Zähne ist genet. determiniert, die individuelle Ausprägung kann durch peristat. Einflüsse u. das Platzangebot im Kiefer beeinflußt werden. Kümmer- u. Riesenformen treten bei den dritten Molaren u. weniger deutl. bei den oberen seitl. Schneidezähnen auf. Durch Keimspaltung o. zusätzl. Zahnanlagen kommt es zur Hyperdontie (Mesiodens, Paramolar, Distomolar, Dens). Hypodontie kann echt durch fehlende Zahnanlagen zustande kommen o. durch Impaktion o. Keimverschmelzung vorgetäuscht werden. Ausbleiben jegl. Zahnentwicklung ist mögl. (Anodontie).

© Elsevier GmbH, München

Zurück

Verwandte Artikel

  • Odontogene Zysten

    Vom Zahn ausgehende Zysten: Radikuläre Zyste, Keratozyste, Follikuläre Zyste, Laterale Parodontalzyste, Residualzyste

  • Dentogene Sinusitis

    Bei der dentogenen Sinusitis handelt es sich um eine odontogene Infektion des Sinus maxillaris

  • Nicht odontogene Zysten

    Dazu gehören: Ductus-nasopalatinus-Zyste und die globulomaxilläre Zyste.

© 2007 - 2012 imedo GmbH, alle Rechte vorbehalten.
Die unter www.imedo.de angebotenen Dienste und Inhalte sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen