Öle, ätherische - Medizinlexikon

Synonyme: Olea aetherea

flüssige Gemische lipophiler, flüchtiger Verbindungen, die durch Wasserdampfdestillation gewonnen werden u. den typ. Geruch der Pflanze bedingen. Klärung der Zusammensetzung ä. Ö. erfolgt meist durch Gaschromatographie. Heute sind mehr als 1 500 Verbindungen bekannt, die Bestandteile ä. Ö. sind. Die Mehrzahl sind Terpene (Mono- o. Sesquiterpene, z. B. Menthol, Carvon, Campher, Borneol, Citronellol), außerdem Phenylpropanderivate, z. B. Zimtaldehyd u. Eugenol, sowie unverzweigte Kohlenwasserstoffe u. deren sauerstoffhaltige Derivate, Hydroxy- o. Methoxyderivate des Benzylaldehyds o. Benzylalkohols, schwefelhaltige Verbindungen sowie Indolderivate, Anthranilsäureester usw. Ä. Ö. sind Exkrete u. können in allen Teilen einer Pflanze gebildet werden. Etwa 30 % aller bisher untersuchten Pflanzen enthalten ä. Ö. Menge an ä. Ö. u. Spektrum der Komponenten sind genet. bedingt, jedoch durch Umwelteinflüsse modifizierbar. Die Jahresweltproduktion an ä. Ö. liegt bei 20 000 t, zuzügl. 250 000 t Terpentinöl. Hauptmenge entfällt auf Kiefernnadel-, Zitronell-, Pfefferminz- u. Zitrusöle, Kampfer sowie Eukalyptus-, Lavendel- u. Nelkenöl. Ä. Ö. verharzen leicht, bes. bei hohem Gehalt an ungesättigten Kohlenwasserstoffen. Verharzung wird durch Wärme, Feuchtigkeit, Sauerstoff u. Licht begünstigt. In der Ther. werden entweder die ä. Ö., best. Einzelkomponenten, z. B. Cineol (Eucalyptus globulus), o. die entsprechenden Drogenauszüge verwendet. Äußerl. wird v. a. ihre hautreizende u. desinfizierende Wirkung genutzt. Letztere ist bei einigen Bestandteilen recht hoch. Andere Komponenten sind antiphlogist. wirksam, z. B. Alphabisabolol o. Chamazulen. Innerl. Anwendung führt meist zu leichter Reizwirkung auf die Schleimhäute des Magen-Darm-Trakts u. Anregung der Sekretion der Verdauungsenzyme. Cholagoge Wirkung hierbei wird durch die durch Geruch u. Geschmack reflektor. ausgelösten Effekte verstärkt. Partielle Ausscheidung ä. Ö. durch die Lungen bewirkt sekretolyt., sekretomotor., schwach bronchospasmolyt. u. bronchiendesinfizierende Effekte. Reizung der Nieren beeinflußt zudem Diurese. Weitere Anwendungen als Geruchs- u. Geschmackskorrigenzien sowie als Bestandteile von Gewürzen mit verdauungsfördernder u. karminativer Wirkung.

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