Östrogene: Östradiol, Estron und [freies] Östriol - Laborwerte-Lexikon

Referenzbereich (Blut) [KLL]

Östradiol (17-Beta-Östradiol, E2):

  • Frauen vor den Wechseljahren: in der ersten Hälfte des Menstruationszyklus 30–200 ng/l (110–740 pmol/l), um den Eisprung 200–400 ng/l (735–1470pmol/l), in der letzten Zyklusphase 100–200 pg/ml (370–740 pmol/l)
  • Mädchen vor der Pubertät und Frauen nach den Wechseljahren < 20 ng/l (74 pmol/l)
  • Männer < 40 ng/l (150 pmol/l)

pg/ml x 3,7 = pmol/l; pmol/l x 0,27 = pg/ml

Estron: 50–80 pg/ml (185–300 pmol/l)

pg/ml x 3,7 = pmol/l; pmol/l x 0,27 = pg/ml

[Freies] Östriol (E3): 1,3–20,3 µg/l (4,6–71 nmol/l) je nach Schwangerschaftswoche

µg/l x 3,5 = nmol/l; nmol/l x 0,29 = µg/l

Hintergrund

Östrogene gehören zu den weiblichen Geschlechtshormonen. Bei der Frau werden sie vor allem in den Eierstöcken sowie während der Schwangerschaft in der Plazenta gebildet, in geringen Mengen in Nebennieren und Fettgewebe. Auch in Hoden und Fettgewebe des Mannes werden gerine Mengen an Östrogenen gebildet.

Hauptfunktion der Östrogene ist die Steuerung der Fortpflanzungsfunktionen. Darüber hinaus wirken sie z.B. auf Knochen, Blutgerinnung und Stoffwechsel.

  • Östradiol (17-beta-Östradiol, Estradiol, E2) ist das wirksamste Östrogen der nichtschwangeren Frau. Es stammt ganz überwiegend aus den reifenden Eizellen in den Eierstöcken.
  • Estron (E1)ist schwächer wirksam. Es wird bei der Frau vor den Wechseljahren je zur Hälfte in den Eierstöcken und im Fettgewebe hergestellt. Bei Frauen nach den Wechseljahren ist es das wichtigste Östrogen und wird zu über 90 % im Fettgewebe durch Umwandlung aus anderen Hormonen gebildet.
  • [Freies] Östriol (E3)wird vor allem in der Schwangerschaft aus kindlichen Hormonvorstufen im Mutterkuchen hergestellt.

Labordiagnostisch ist in erster Linie das Östradiol von Bedeutung. Das [freie] Östriol wurde früher im ersten Schwangerschaftsdrittel beim Triple-Test zur Risikoabschätzung für ein Down-Syndrom und im letzten Schwangerschaftsdrittel bei Verdacht auf Funktionsstörungen der Plazenta eingesetzt. Es ist durch andere Blutwerte und weitere Untersuchungsverfahren wie z.B. CTG und Ultraschall abgelöst.

Bestimmung im Blut

Östradiol:

  • Verfrühte oder verzögerte Pubertät
  • Zyklusstörungen
  • Kontrolle einer Hormonbehandlung bei Unfruchtbarkeit
  • Östradiol produzierender Tumor

Estron:

  • Verdacht auf Östrogenmangel bei Frauen nach den Wechseljahren

Östrogen-Erhöhung

Östradiol:

  • Reifen mehrerer Eizellen gleichzeitig unter Hormonbehandlung
  • Östradiol produzierende Tumoren z.B. des Eierstocks
  • Zu hoch dosierte Hormonersatztherapie
  • Bei Männern: massives Übergewicht, Leberzirrhose

Estron:

  • (Massives) Übergewicht
  • Hormonpräparate

Östrogen-Erniedrigung

Östradiol:

  • Funktionseinschränkung des Eierstocks (z.B. nach den Wechseljahren)
  • Zyklus ohne Eisprung
  • Pilleneinnahme

© 2008 Knaur Ratgeber Verlag, München

Östrogene - Medizinlexikon

Geschlechtshormone, die vorwiegend zur Entwicklung der weibl. Geschlechtsmerkmale führen. Chem. sind die Steroide mit 18-C-Atomen, deren Ring A im Ggs. zu allen anderen Steroiden ein Benzenring ist. Von den bisher mehr als 20 nachgewiesenen Ö. sind die drei sog. klass. Ö. das Östron (E1), Östradiol (E2) u. das Östriol (E3). E1 entsteht vorwiegend durch Aromatisierung von Androgenen in der Peripherie bzw. im Fettgewebe. E2 wird hauptsächl. in den Granulosazellen der ovariellen Follikel u. im Gelbkörper, E3 vorwiegend während der Schwangerschaft in der Plazenta gebildet. Sie bewirken im weibl. Organismus den Menstruationszyklus u. führen zum Wachstum der Brüste u. des Uterus, zur Proliferation des Endometriums u. zur Ausbildung der sek. Geschlechtsmerkmale. Im männl. Organismus bewirken sie das Wachstum der Prostata, der Samenblasen u. des Samenleiters. Fördern allg. die Zellteilung u. insbes. das Knochenwachstum. Ö. können diagn. angewandt werden. Ther. werden synthet. Ö., auch häufig in Kombination mit Gestagenen, zur oralen Kontrazeption angewandt. Verestertes o. mikronisiertes E2 bzw. konjugierte Ö. werden zur Substitution, vorwiegend in der Postmenopause, verabreicht.

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