Ontogenese des Immunsystems - Medizinlexikon

Entwicklung der Organe sowie Zellen u. deren Funktionen, die zur Steuerung von Immunantworten notwendig sind u. zum Immunsystem zusammengefaßt werden. Physiol. Immunantworten bestehen in: Duldung von Antigenen (Immuntoleranz) u. Abwehr von Antigenen (Immunität). O. ist durch die Entwicklung der Fähigkeit gekennzeichnet, in der Fetalperiode (wahrscheinl. nur in best. Zeitabschnitten) vorwiegend die Immuntoleranz zu entwickeln u. mit fortschreitender Fetalreifung in ein Stadium einzutreten, in dem diese Fähigkeit weitgehend erlischt u. zunehmend die Fähigkeit entsteht, Funktionen zu entwickeln, um körperfremde Antigenreize mit Immunität zu beantworten. Einzelschritte, die zur Toleranzentwicklung führen, sind weitgehend unklar. Toleranz gilt mit dem Zeitpunkt der Geburt als im wesentl. abgeschlossen. Die Entwicklung der Fähigkeit zur Immunabwehr fremder Antigene (Immunität) setzt nicht erst mit der Geburt ein, sondern beginnt mit der Entwicklung des hämatopoet. Systems. Zur gleichen Zeit (etwa 70. Tag) beginnt sich die Thymusanlage (primäre lymphoide Organe) zu entwickeln. Eine voll ausgeprägte Abwehrfähigkeit ist auf der zellulären Ebene (zelluläre Immunität) mit der Geburt erreicht, auf der humoralen Ebene erst mit der ausreichenden Synthese eigener Immunglobuline. Als Zeitpunkt wird das Ende des ersten Trimenon angenommen. Unter Leihimmunität wird das Wirksamwerden von Antikörpern verstanden, die der Fetus via Plazentatransfer von der Mutter erhalten hat bzw. die er aus der Muttermilch in funktionsfähigem Zustand zu resorbieren scheint (nachgewiesen bei Kälbern).

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