Pest - Medizinlexikon

meldepflichtige, hospitalisierungspflichtige u. quarantänepflichtige Infektionskrankheit. Erreger: Yersinia pestis. Unter Nagern (Mäusen, Zieseln, Murmeltieren, Erdhörnchen, Tarabaganen usw.) verbreitete, unbemerkt vom Menschen ablaufenden Pestepizootien. Naturherde in Zentral-, Süd- u. Ostafrika, Madagaskar, Savannenregionen Nord- u. Südamerikas, in Steppen Zentralasiens. Gefahr der Übertragung aus Naturherden auf Ratten; epizoot. Rattenpest häufiger Vorläufer von Epidemien beim Menschen. An kranken Ratten infizieren sich Rattenflöhe (Xenopsylla cheopis), die nach dem Tod der Ratten als Ersatzwirt den Menschen aufsuchen u. die P. übertragen. Übertragung von Mensch zu Mensch durch Menschenfloh (Pulex irritans), auch durch Kontakt bzw. aerogen bei Lungenpest. Inkubationszeit 2–6 Tage. Klin. hochfieberhafte Erkrankung mit Auftreten von großen u. schmerzhaften Lymphknotenschwellungen (Leistenbeuge, seltener Achselhöhle u. Nacken) als Beulen- o. Bubonenpest (häufigster Krankheitsverlauf). Phlegmonös-nekrotisierende Entzündungen mit Pestkarbunkel u. Hautpest selten. Einbruch der Pesterreger in die Blutbahn führt zu Pestseptikämie, meist tödl. Gefürchtete Komplikation ist Pestmeningitis: prim. Pestseptikämie (Pestis siderans) verläuft foudroyant letal, häufig mit schwerer hämorrhag. Diathese. Benigne Verlaufsform der Bubonenpest, ohne schwere Allgemeinsymptome als Pestis minor bezeichnet. Direkte aerogene Übertragung bzw. sek. bei Septikämie führen zur Pestpneumonie (Lungenpest). Inkubationszeit 1–2 Tage: stürm. Verlauf (aus voller Gesundheit) mit Schüttelfrost u. Fieberanstieg, Dyspnoe, Zyanose u. Tachypnoe kann vom 2.–5. Tage zum Tode führen (Letalität bis 100 %). Abhusten des hochinfektiösen Sputums schmerzhaft, schwere Zyanose u. Hautblutungen gehen dem Tode voraus (schwarzer Tod). Immunität nach Pestinfektion langdauernd. Diagn. durch Erregernachweis aus Eiter, Pustelinhalt, Gewebesaft von Bubonen, Blut, Sputum mikrosk. u. kulturell, ferner serol. Antibiotikatherapie mit Streptomycin, Chloramphenicol o. Tetrazyklinen. Vorbeugung u. Bekämpfung: Desinfektion, Isolierung des Kranken; Rattenvernichtung, Flohbekämpfung mit Insektiziden, Schutzimpfung mit Haffkine-Vakzine; Chemoprophylaxe.

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