Prostatahyperplasie, benigne - Medizinlexikon

Gewächse im Bereich der prostat. Harnröhre u. des Blasenhalses. Fälschl. auch als Prostatahypertrophie bezeichnet. Organvergrößerung durch echte Gewebeneubildung der paraurethralen u. submukösen, glandulären Strukturen u. des Stromas. Androgene u. östrogene Steroide sind für das Wachstum der Prostata verantwortl. 5-Alpha-Reduktase u. Aromatase sorgen in der Prostatazelle für die Umwandlung von Testosteron in das aktive Dihydrotestosteron u. Östrogen. Die b. P. ist eine generelle Erscheinung beim alternden Mann, u. bei mehr als 90 % der über 80jährigen zu finden. Ungeklärt ist die Diskrepanz zwischen der Prostatahyperplasieinzidenz einerseits u. prostatahyperplasiebedingtem Krankheitswert mit Therapienotwendigkeit andererseits. Die Wucherung der inneren Zone drängt die eigentl. Prostata schalenförmig nach außen u. engt die Harnröhre nach innen ein. Ein Mittellappen (Home-Lappen) kann den Blasenausfluß ventilartig verschließen. Histol. findet sich eine Adenofibromyomatose mit individuell wechselnden Anteilen. Nach der klin. Sympt. (Pollakisurie, Dysurie, Nykturie, Nachträufeln) u. diagn. Merkmalen (Restharn, max. Harnfluß, Harnflußzeit, Prostatavolumen) werden in Deutschland drei (Alken) bzw. vier (Vahlensiek) Krankheitsstadien angegeben: 1. Stadium der Kompensation (Reizstadium): Pollakisurie, Dysurie, Nykturie, kein Restharn. Pathol.-anat.: Muskelhypertrophie der Blasenwand (als kompensator. Gegenregulation) mit Ausbildung von dicken Muskelbündeln (Trabekelblase) zwischen denen Ausbuchtungen liegen (Pseudovertikel). 2. Stadium der beginnenden Dekompensation mit Restharnbildung um 100 ml. 3. Stadium der a) akuten Dekompensation mit Harnverhaltung o. b) chron. Dekompensation mit Restharnbildung, Ausbildung von Divertikeln u. Überlaufblase (Ischuria paradoxa). Folgen sind Niereninsuffizienz (durch Harnrückstau in die Nieren) bis zur Urämie (schleichend) bzw. Urosepsis. Diagnostik: 1. rektale Untersuchung, 2. Uroflowmetrie, 3. suprapub. o. transrektale Sonographie, 4. Restharnbestimmung, 5. Zystogramm, 6. Urethrozystoskopie. Ther.: bei akuter Harnsperre transurethrale Katheterisierung o. suprapub. Stichfistel. Operation: transurethrale Prostataresektion, z. B. auch als Videoresektion, transurethrale Prostatainzision, offene transvesikale o. retropub. Prostataenukleation. Hitzebehandlung (über 45 °C), lokale Kältetherapie, Laserablation, Stents o. Spiralen in der prostat. Harnröhre. Medikamentöse Ther.: 1. prostatotrope Phytopharmaka (Betasitosterol, Sägepalmenfrüchte, Brennesselwurzeln, Kürbiskerne) 2. Alpha-1-Rezeptorenblocker, 3. 5-Alpha-Reduktasehemmer (Finasterid).

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