Proteinurie - Medizinlexikon

Eiweißausscheidung im Urin. Das im Primärharn enthaltene Eiweiß wird fast vollständig, bis zu einem physiol. Rest von 0,2 g/24 h, vom Tubulusapparat resorbiert (sog. physiol. P.). Pathophysiolog. unterscheidet man zwischen glomerulärer P. (die gesteigerte glomeruläre Eiweißausscheidung übersteigt die Kapazität der tubulären Rückresorption) u. tubulärer P. (gestörte Tubulusfunktion mit mangelhafter Rückresorption). Die glomeruläre P. kann hinsichtl. der Zusammensetzung der Urineiweiße unterteilt werden. Die selektive P. weist vorwiegend kleinmolekulare Eiweiße wie Albumin auf, bei der nichtselektiven P. ist der glomeruläre Siebeffekt weitgehend aufgehoben – es finden sich auch größere Proteine, wie Immunglobulin G. Bei Beachtung von anderen Begleitsymptomen ist die P. von diagn. Bedeutung, z. B. bei der Glomerulonephritis u. der Pyelonephritis. Es ist jedoch zu bedenken, daß auch andere, z. T. nicht krankhafte Ursachen in Betracht kommen. Die Arbeits- o. Sportproteinurie kann nach stärkerer körperl. Belastung das 10–100fache der Norm (0,4–4 mg/ml) betragen. Für die orthostat. P. ist das Adoleszentenalter charakterist.: im Liegen ist der Urin eiweißfreier, kann aber im Stehen bis zu 1,5 g Eiweiß/24 h enthalten. Nur bei etwa 10 % dieser Pat. findet sich eine Nierenerkrankung. Die febrile P. ist eine harmlose Begleiterscheinung bei fieberhaften Erkrankungen. Die Stauungsproteinurie ist Ausdruck kardialer Dekompensation u. reversibel. Als Restproteinurie bezeichnet man eine P. von unter 1 g/24 h nach Abklingen einer akuten Glomerulonephritis; tritt dieses Restsymptom isoliert auf, so ist die Progn. günstig (Defektheilung der Glomerulonephritis).

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