Psychopharmaka - Medizinlexikon
zur Ther. seel. Störungen eingesetzte Arzneimittel, die auf Gehirnfunktionen einwirken u. daher zu Veränderungen seel. Funktionen wie Erleben, Befinden u. Verhalten führen (psychotroper Effekt). Bez. wird bereits seit dem ausgehenden Mittelalter gebraucht, erlangte seine heutige Bedeutung jedoch erst mit der Entdeckung wirksamer Substanzen in den Fünfzigerjahren. P. wirken auf die Erregunsübertragung von Nervenzellen, d. h. ihr Angriffspunkt ist die Synapse. Unterschiede bestehen in biochem. bzw. physiol. Hinsicht durch Wirkungen auf versch. Übertragungssysteme, bei denen die Überträgerstoffe (Neurotransmitter) Dopamin, Serotonin, Noradrenalin, Histamin u. Gamma-Amino-Buttersäure (GABA) eine bedeutende Rolle haben. Nach ihren Hauptwirkungen auf psychiatr. Syndrome lassen sich folgende Gruppen unterscheiden: 1. Neuroleptika werden bei akuten u. chron. Psychosen, bei Erregungszuständen sowie zur Rezidivprophylaxe schizophrener Psychosen eingesetzt. Ihre Hauptwirkung besteht in der Unterdrückung produktivpsychot. Sympt. wie Halluzinationen, Wahn, formale Denkstörungen u. Ich-Störungen. Ihre zentral dämpfende Wirkung (z. B. Müdigkeit) ist je nach Substanz unterschiedl. stark ausgeprägt u. kann erwünscht (bei Erregungszuständen) o. unerwünscht (z. B. in der Langzeitprophylaxe) sein. 2. Antidepressiva werden bei depressiven Syndromen versch. Ursache eingesetzt; sie hellen die Stimmung auf, steigern den Antrieb u. vermindern Ängste u. depressive Hemmung. Die heute übl. Substanzen wirken erst nach der Einnahme über 1–2 Wochen u. nur in ca. 70 % der Fälle. 3. Mittel zur Phasenprophylaxe affektiver Psychosen. Lithiumsalze u. einige sonst bei Epilepsie gegebene Arzneimittel (Antikonvulsiva) besitzen eine eindeutig nachgewiesene günstige Wirkung auf die Häufigkeit u. Schwere wiederkehrender man. bzw. depressiver Phasen. 4. Tranquilizer bzw. Anxiolytika wirken bei Angst, Unruhe, Spannungszuständen, Gereiztheit, Schlafstörungen. Im Ggs. zu den vorstehend genannten Substanzgruppen können Tranquilizer bei längerfristiger Anwendung zur Abhängigkeit führen. In chem. Hinsicht ist die bedeutendeste Substanzgruppe die der Benzodiazepinderivate. Stoffe aus dieser Gruppe werden auch bei Epilepsie sowie in der Anästhesie eingesetzt. 5. Hypnotika (Schlafmittel) u. Sedativa (Beruhigungsmittel). Man unterscheidet kurzwirksame Schlafmittel zur Behandlung von Einschlafstörungen von langwirksamen gegen Durchschlafstörungen. 6. Stimulanzien wie Amphetamin o. dessen Abkömmlinge steigern Antrieb u. Wachheit u. werden v. a. mißbräuchl. verwendet. Sie haben im Bereich der Psychiatrie nur einen sehr begrenzten Anwendungsbereich. Die Behandlung mit P. sollte immer durch einen erfahrenen Arzt erfolgen, um Risiken u. Nebenwirkungen zu minimieren. P. ersetzen nicht das ärztl. Gespräch o. die Psychotherapie. Die besten ther. Ergebnisse werden bei vielen psych. Störungen durch die Kombination von Pharmako- u. Psychotherapie erzielt.
© Elsevier GmbH, München
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