Quecksilberintoxikation - Medizinlexikon

Synonyme: Merkurialismus

akute o. chron. Vergiftung durch Quecksilber, bes. nach Inhalation von Quecksilberdampf o. Ingestion von Methylquecksilber (Meeresfrüchte). Vergiftungen können hervorgerufen werden durch elementares Hg in Dämpfen o. feinverteilter Form, durch organ. Hg-Verbindungen Hg(I)-nitrat (HgNO3), Hg(II)-chlorid (HgCl2), Sublimat, durch anorgan. Alkyl-Hg-Verbindungen, z. B. Dimethyl-Hg, o. Aryl-Hg-Verbindungen, z. B. Phenyl-Hg-acetat. zweiwertige anorgan. Hg-Verbindungen sind i. a. toxischer als einwertige. Bes. gefährl. sind die lipidlösl. Alkyl-Hg-Verbindungen, so das flüchtige Dimethyl-Hg (irreversible Schäden im ZNS Wochen nach einmaliger Exposition). Metall. Hg wird aus dem Verdauungstrakt sehr langsam resorbiert. Dagegen werden Hg-Dämpfe über die Lunge gut resorbiert. Bei chron. Vergiftungen u. Aufnahme organ. Hg-Verbindungen überwiegen Schäden im Nervensystem (Erethismus mercurialis, Tremor mercurialis). Schädigungen der Nierentubuli u. Hemmung der Hämsynthese. Blockade der enzymat. SH-Gruppen führt zu metabol. Störungen. Tödl. Dosis bei oraler Aufnahme von Quecksilber(II)-chlorid (Sublimat) 0,2–1,0 g (metall. Hg in kleinen Mengen dagegen nicht akut bedrohl.). Sympt. nach oraler Aufnahme: Erbrechen, Schmerzen, blutige Durchfälle, Metallgeschmack, Salivation, Kollaps, Oligurie, Anurie, ulzerös-hämorrhag. Kolitis. Inhalation: Pneumonie, zentralnervöse Sympt. (Erregung, Tremor, Ataxie, Sprach-, Seh-, Hörstörungen). Ther.: Erbrechen, Magenspülung (Aktivkohle, BAL, Natriumsulfat). Antidot ist der Komplexbildner Dimercaprol (DMPSB = Dimercaptopropansulfonat i. v./oral).

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