Radioiodtherapie - Medizinlexikon
nuklearmed. Behandlungsverfahren, bei dem oral o. intravenös appliziertes Radioiod (131I) über Verstoffwechselung in die Schilddrüsenzelle o. in Zellen differenzierter, iodspeichernder Schilddrüsentumoren bzw. deren Metastasen gelangt. Die Strahlenwirkung wird in Abhängigkeit von der Aktivität u. Retentionsdauer zu Zellschädigung o. -zerstörung führen, erfolgt durch die beim Betazerfall freiwerdende Energie von 250 keV (7 %), 192 keV (90 %) u. 96 keV (0,9 %) mit einer mittleren Reichweite im Gewebe von 2,3 mm. Die ebenfalls emittierte Gammastrahlung des 131I durchdringt den Körper u. wird zur extrakorporalen Messung (Radioiodtest, Schilddrüsenszintigraphie) genutzt. Die gewünschte Herddosis (HD) wird anhand kinet. Parameter des Iodstoffwechsel (max. Speicherung, Retentionsdauer) u. des Organvolumens vorausberechnet u. unter der Ther. kontrolliert. Ind.: a) benigne Thyreopathien: Immunhyperthyreose (HD = 150–200 Gy), Hyperthyreose durch Autonomie (HD = 250–350 Gy); durch Adenome (HD = 350–450 Gy); euthyreote Struma (HD 200–400 Gy). b) differenziertes Schilddrüsenkarzinom: Zerstrahlung postoperativ belassenen Restgewebes (1,0–3,7 GBq) in Hypothyreose bzw. Behandlung von 131I-speichernden Metastasen (3,7–11 GBq). Voraussetzung ist endogene TSH-Erhöhung durch drei- bis vierwöchigen Entzug von Schilddrüsenhormonsubstitution, ebenfalls zum Nachweis des Therapieerfolgs o. Rezidivnachweises mit der Ganzkörperszintigraphie (185–370 MBq) unter gleichzeitiger Bestimmung des Tumormarkers h-Thyroglobulin. c) bei metastasierendem medullärem Schilddrüsenkarzinom, malignem Phäochromozytom bzw. Paragangliom, inoperablem Neuroblastom Ther. mit 131I-MIBG-Infusion (1–11 GBq). Nebenwirkungen: Strahlenthyreoiditis, Speicheldrüseninsuffizienz (Proph. wichtig), passagere Knochenmarkdepression bei hohen Aktivitäten (3,7 GBq); kein erhöhtes Krebs- o. Leukämierisiko bisher nachgewiesen. Abb.
© Elsevier GmbH, München
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