Rheumatoidarthritis - Medizinlexikon

Synonyme: RA

progressiv-(progredient-)chron. Polyarthritis (pcP), chron. Polyarthritis, Gelenkrheumatismus; chron. Systemerkrankung des Bindegewebes, die vorwiegend die Gelenke bei mögl. system. u. extraartikulärer Manifestation befällt u. zu Deformierung sowie Bewegungseinschränkungen führt. Häufiger bei Frauen (50 % vor dem 45. Lj.) als bei Männern (3 : 1). Ätiol. ungeklärt (diskutiert werden Immunpathogenese, infektiöse Ursachen, z. B. Bakterien, Mykoplasmen, genet. Faktor). Meist schleichender Beginn an den kleinen Gelenken, symmetr. nach proximal fortschreitend, manchmal auch akute R. in großen Gelenken, z. B. Kniegelenk. Sympt. der Arthritis, unterschiedl. stark, meist Schwellung, Schmerz, Bewegungseinschränkung. Beginn als Synovialitis, Ausprägung eines Pannus, Knorpel- u. Knochen-, damit auch Gelenkzerstörungen: Fehlstellungen (Ulnardeviation, Knopflochdeformität u. Schwanenhalsdeformität), nicht selten Versteifung. Extraartikuläre Sympt.: Atrophie der Mm. interossei, Tenosynovialitis, Tendinitis, Bursitis, rheumatoide Granulome. Viszerale Beteiligung: Herz (Myokardbeteiligung durch Rheumaknoten, nekrotisierende Arteriitis; Perikarditis), Gefäße (diffuse Arteriitis, vasomotor. Störungen, Raynaud-Phänomen); Lunge bzw. Pleura (Fibrose, Pleuritis sicca sive exsudativa), Nieren (meist in Form von Arzneimittelnebenwirkungen, Immunkomplexnephritis), Nerven (Kompressionssyndrome, insbes. Karpaltunnelsyndrom, auch z. B. bei atlantoaxialer Dislokation), Blut (Anämie, Leuko- u. Thrombozytopenie, meist Therapiefolge). Laborbefunde: bei aktiver Entzündung Akute-Phase-Reaktionen pos., Nachweis des Rheumafaktors in 60–90 %, pathol. Veränderungen in der Synovia. Röntgenbefunde: gelenknahe Osteopenie, Gelenkspaltverschmälerung, subchondrale Zysten, fibröse Usuren, dann ossäre Ankylosierung, Fehlstellungen, Subluxationen, Deviation. Hilfe bei diagn. Sicherung u. zur Klassifizierung der chron. Polyarthritis durch ARA-Kriterien (New York 1966): 1. Morgensteifigkeit (mind. 6 Wochen bestehend u. 1 h anhaltend). 2. Schwellungen in mind. 3 versch. Gelenkregionen (gleichzeitig über wenigstens 6 Wochen feststellbar – re. u. li. PIP, MCP, Handgelenke, Ellenbogen-, Knie-, obere Sprung- o. MTP-Gelenke). 3. Schwellungen von Hand- u. Fingergelenken (wenigstens 6 Wochen in einer Gelenkregion, Hand-, MCP- o. PIP-Gelenke). 4. Symmetr. Schwellungen (gleichzeitiger symmetr. Befall der unter 2. genannten Gelenke über wenigstens 6 Wochen). 5. Subkutane Knoten über knöchernen Erhebungen, im Extensorbereich o. in juxtaartikulären Regionen. 6. Nachweis des Rheumafaktors. 7. Röntg. nachweisbare Veränderungen an den Händen (gelenknahe Erosionen u. Demineralisationszeichen). Zur Beurteilung des Schweregrades Entwicklung röntgenmorpholog. Stadien S I–IV u. Grade der funktionellen Insuffizienz (F0–III) sowie der Aktivität (A0–3). Sonderformen: Felty-Syndrom, Silikoarthritis (Caplan-Colinet-Syndrom), Arthritis mutilans, Besonderheiten im Kindesalter: Still-Syndrom, juvenile Rheumatoidarthritis. Als eigene Entitäten abzugrenzen: Sjögren-Syndrom, Osteoarthropathia psoriatica. Abb.

Rheumatoidarthritis. Frühveränderungen an den Händen
Rheumatoidarthritis. Frühveränderungen an den Händen

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