Schizophrenie - Medizinlexikon

Sammelbezeichnung für eine Gruppe meist phasenhaft verlaufender Psychosen mit hohem Lebenszeitrisiko (etwa 1 % der Bevölkerung). In der Akutphase Ich-Störungen (Derealisation, Depersonalisation, Gedankenausbreitung, -eingebung), Wahrnehmungsstörungen (vorwiegend akust. Halluzinationen in Form dialogisierender, kommentierender u. imperativer Stimmen, aber auch coenästhet. Halluzinationen), inhaltl. u. formale Denkstörungen (inkohärenter Gedankengang, Gedankendrängen bzw. -sperrung, Wahnstimmung mit Wahneinfällen u. Wahnwahrnehmungen), Antriebsstörungen (reduzierter o. gesteigerter Antrieb, Negativismus, Ambitendenz, Mutismus u. Stupor), affektive Störungen (depressive o. man. Sympt., Parathymie). Von diesen Sympt. sind die Sympt. 1. Ranges nach K. Schneider diagn. entscheidend. Je nach Akzentuierung des psychopatholog. Bildes können hebephrene, katatone o. paranoide Syndrome unterschieden werden. Nach Abklingen der Akutsymptomatik werden bei etwa 30 % der Pat. chron. Verläufe mit persistierenden Akutsymptomen o. aber Residual- bzw. Negativsymptomen (v. a. Antriebsminderung, psychomotor. Verarmung u. affektive Störungen) beobachtet. Pathogenese: Nach der Typ-I/Typ-II-Unterteilung werden progn. günstige, phasenhaft verlaufende S. mit vorwiegender Akutsymptomatik den chron. S. mit ausgeprägter Negativsymptomatik gegenübergestellt. Diese Einteilung wird durch Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren, die Hinweise auf morphol. zerebrale Veränderungen bei der Typ-II-Schizophrenie erbrachten, gestützt. Offen ist die Frage, inwiefern die Typ-I/Typ-II-Unterteilung die Komplexität schizophrener Psychosen abbilden o. erklären kann. Nach der Dopaminhypothese kommen Störungen dopaminerger Neuronen eine zentrale Rolle in der Pathogenese zu. Diese Hypothese wird insbes. durch die ther. Wirksamkeit der Neuroleptika gestützt. Ferner wird eine Beteiligung des serotoninergen u. des GABAergen Systems diskutiert. Diese Veränderungen könnten zu Funktionsänderungen in den Frontal- u. Temporallappen, aber auch den Basalganglien führen, die mit bildgebenden Verfahren (MRT, SPECT, PET) bei S. nachgewiesen wurden. Ther.: 1. medikamentös: Neuroleptika sind in der Akutphase unverzichtbar. Bewährt hat sich die Gabe hochpotenter Neuroleptika, ggf. in Kombination mit niederpotenten Neuroleptika o. Benzodiazepinen. Nach Remission der Akutsymptomatik wird eine neurolept. Weiterbehandlung zur Phasenprophylaxe allg. empfohlen. Hierbei scheinen atyp. Neuroleptika (z. B. Clozapin o. Olanzapin) konventionellen Präparaten (z. B. Haloperidol) überlegen zu sein. 2. Psychotherapie: In der Akutphase behutsame, empath. Begleitung der Pat., stützende Maßnahmen zur Krankheitsverarbeitung, ggf. auch Planung u. Einleitung rehabilitativer Maßnahmen. Insbes. der Wert familientherapeut. Maßnahmen wurde in empir. Studien belegt. Wichtig ist ferner eine Beachtung der bei S. lange erhöhten Suizidgefahr.

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