Schlaf - Medizinlexikon

physiol., period. auftretende Bewußtseinsänderung, die als vegetativ/trophotrope Phase u. als echter Regulationsprozeß aufgefaßt werden kann. Wachheit u. Schlaf sind keine distinkt einheitl. Zustände. Elektroneurolog. lassen sich unterschiedl. Phasen der Wachheit u. des Übergangs zum Schlaf nachweisen u. z. B. durch autogenes Training, Hypnose, progressive Relaxation, aber auch durch sensor. Reizverarmung u. Reizüberflutung usw. gezielt herbeiführen. Elektrobiolog. sind deutl. versch. Schlafstadien abzugrenzen, in denen jederzeit durch Weckreize ein Abbruch des Schlafs zu erreichen ist. Während des S. sind koordinierte Gruppenbewegungen mögl. Aus exp. Befunden u. klin. Sympt. ist zu schließen, daß die Schlaf-Wach-Regulation nicht auf ein einziges Zentrum in einem umschriebenen Areal zu lokalisieren ist, sondern aktive Hemmungen Teile der Großhirnrinde (orbitale u. pyriforme Anteile, Regio praeoptica, Gyrus cinguli) u. tiefer gelegene Abschnitte erfassen. Dabei spielen Teile des aufsteigenden aktivierenden Systems der Formatio reticularis des Mittelhirns u. des Thalamus eine wichtige Rolle: Durch Ausschaltung, aber auch durch gleichförmige Reize (monotone Geräusche) kann Schlafhemmung ausgelöst werden. I. d. R. werden nach dem Einschlafen nacheinander „tiefere“ Schlafstadien erreicht, die im EEG durch zunehmende Synchronisierung u. langsamere Frequenzen angezeigt werden; etwa nach 2 h kommt es bei Desynchronisierung u. Abflachung der EEG-Amplituden zum „paradoxen Schlaf“ u. Abnahme des Muskeltonus sowie raschen Augenbewegungen (REM-Stadium). Danach folgt oft ein kurzes Aufwachen u. ein neuer Zyklus von ca. 90 min. beginnt, so daß während eines Nachtschlafs 3–6 derartige Zyklen unabhängig von äußeren Reizen ablaufen. Die Mehrzahl der an der Schlaf-Wach-Regulation beteiligten Hirnteile enthält vermehrt Monoamine; einige Kerngebiete (mediale Kerne der Raphe von der Medulla bis zum Mittelhirn, rostraler medialer Hirnstamm, Wand des 3. Ventrikels, retikuläre Kerne des Thalamus), die beim synchronisierten Schlaf eine Rolle spielen, sind reich an Serotonin: nach ihrer Zerstörung kommt es zur totalen Schlaflosigkeit bzw. langanhaltender schlafähnl. Bewußtseinsstörung.

© Elsevier GmbH, München

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